Eifelinitiative: Ein Bündnis in der Krise

Eifelinitiative: Ein Bündnis in der Krise

Die sonst so gefeierte Zukunftsinitiative Eifel steckt in einer Krise. Nachdem der Aachener Städteregionsrat den hiesigen Landräten mangelndes Engagement vorgeworfen hat, will der Vulkaneifelkreis das Bündnis mit neuem Leben füllen.

Warme Worte werden sicher viele gesprochen, wenn die Zukunftsinitiative Eifel (ZIE, siehe Extra) im Gerolsteiner Lokschuppen den fünften Eifel-Award verleiht - ein Preis für besondere Initiativen im Eifel-Ardennen-Raum.
Hinter den Kulissen der Zukunftsinitiative hingegen ist die Stimmung womöglich kälter. Das grenzüberschreitende Bündnis steckt in einer Krise. 2012 wurde es davon erschüttert, dass zwei der zehn beteiligten Landkreise (Cochem-Zell und Bad Neuenahr-Ahrweiler) absprangen, "da der erhoffte Mehrwert" für sie nicht eingetreten war. Und die Übrigen - darunter die vier Kreise der Region Trier - entschieden, statt 100 000 Euro nur noch 60 000 Euro für die gemeinsame Förderung des Wirtschaftsraums Eifel zu zahlen.

Inzwischen hat der Kuratoriumsvorsitzende der ZIE gar Zweifel daran geäußert, dass das Bündnis überhaupt eine Zukunft hat. Helmut Etschenberg, Städteregionsrat der Städteregion Aachen, sagte in einem Interview, das liege vor allem am mangelnden Willen der Entscheidungsträger. Bei den Kollegen in Rheinland-Pfalz sei der Elan verflogen. Nanu? Was ist denn da los?

"Die Aussage ist nicht völlig unbegründet", heißt es aus der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich. Das liege jedoch weniger am fehlenden Willen als an Sparzwängen. Zudem ist die Eifel für die Kreise Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich schon rein geografisch nicht das Kerngeschäft.

Ganz anders sieht das im Kreis Vulkaneifel aus. Der hätte schon vor mehr als zwei Jahren die Koordination der rheinland-pfälzischen Aktivitäten übernehmen sollen. Aus verschiedenen Gründen ist dies unter dem ehemaligen Landrat Heinz Onnertz jedoch nicht passiert. Sein Nachfolger Heinz-Peter Thiel spricht davon, dass man sich auseinanderentwickelt habe und nun wieder neu finden müsse. Thiel plant daher, die Federführung zum Jahreswechsel vom Eifelkreis Bitburg-Prüm zu übernehmen, der in die Bresche gesprungen war. Und er wird für diese Aufgabe mindestens eine neue Stelle schaffen, die er aus Mitteln der Wirtschaftsfördergesellschaft finanziert.
"Bei uns läuft das nebenbei. Wir haben nicht die Mittel, dafür eigene Stellen zu schaffen", sagt Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm und Nachfolger von Roger Graef, einem der Gründungsväter der ZIE. Graef dürfte es nicht gefallen, was Streit noch zu sagen hat, nämlich: "Wir machen Eifel, wie wir Eifel können. Alles andere ist überflüssiger Aktionismus." Die Idee, über zehn so ungleiche Landkreise hinweg gemeinsame Politik zu machen, sei nicht Erfolg versprechend. "Wir sind nicht homogen", sagt Streit, der so manches Handlungsfeld der ZIE zudem für überflüssig hält. So könnten das Thema Landwirtschaft aus seiner Sicht auch die Kammern abdecken.

Es komme nicht darauf an, Handlungsfelder mit Kümmerern zu besetzen, sondern darauf, Ideen zu haben und sie umzusetzen. So wie bei den im Eifelkreis entwickelten Projekten "Arbeitgebermarke Eifel" und "Baukultur Eifel". Diese könnten auch von anderen Kreisen übernommen werden.Austausch als Kernaufgabe


Die Regionalmarke Eifel trägt sich inzwischen selbst, die Eifel-Tourismus GmbH sowieso. Tolle Erfolge findet Streit. "Was soll die Zukunftsinitiative jetzt noch leisten?", fragt er.
Die Antwort hat Klaus Schäfer, Geschäftsführer der Eifel-Tourismus GmbH und Sprecher der ZIE: "Unsere Kernaufgabe ist es, die Zusammenarbeit aufrecht zu erhalten." Ziel sei es, Informationen über gelungene Initiativen auszutauschen. Zudem sei man dabei, eine Standortmarke Eifel zu gründen. Künftig sollen sich alle Eifeler Betriebe mit dem Eifel-E schmücken dürfen.

"Mir ist es wichtig, dass wir dieses Netzwerk wieder mit Leben füllen", sagt der parteilose Landrat Thiel, der es aus Sicht der Aachener mit seinen Plänen geschafft hat, die Lethargie der vergangenen Jahre zu durchbrechen. In einer Kuratoriumssitzung werden die Verantwortlichen der Zukunftsinitiative vor der Verleihung des Eifel-Awards heute in Gerolstein über die Zukunft sprechen. Da klar ist, dass die Meinungen auseinandergehen, fallen dabei womöglich nicht nur warme Worte.Meinung

Bitte heute Tacheles reden!
Die eifelweite Zusammenarbeit ist in den vergangenen Jahren zu Recht immer wieder als mustergültig gepriesen worden. Die gemeinsame touristische Vermarktung der Region ist eine gelungene Sache. Das hübsche Eifel-E springt nicht nur sofort ins Auge, es spricht auch für die Qualität der vielen tollen Produkte, die in der Eifel produziert werden. In der schönen Eifel, auf die die Eifeler zurecht stolz sind. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit hat Wesentliches dazu beigetragen, dieses Gefühl zu stärken. Es gibt daher keinen Grund, sie aufzugeben. Das Bündnis, das 2005 entstanden ist, mag zwar die Euphorie des Anfangs verloren haben. Das Ziel - die Eifel voranzubringen - ist jedoch genauso gut und sinnvoll wie früher. Daher wäre es wünschenswert, dass der Austausch auch in Zukunft funktioniert und gelebt wird. Das bedeutet jedoch nicht, dass alles bleiben muss, wie es ist. Muss die Zukunftsinitiative wirklich so viele Handlungsfelder abdecken? Passt das zur miserablen Finanzlage der rheinland-pfälzischen Kreise? Wäre es nicht besser, sich auf wenige Ziele zu begrenzen und die dann auch mit vereinter Kraft umzusetzen? Die Verantwortlichen sollten heute in Gerolstein Tacheles reden, sich kritisch hinterfragen und das Bündnis so gestalten, dass alle wieder gerne mitmachen. Es wäre zu schade, es einfach still und leise den Bach runtergehen zu lassen. k.hammermann@volksfreund.deExtra

Historie: 2005 haben sich zehn rheinland-pfälzische und nordrhein-westfälische Eifelkreise, 53 Dörfer und Städte sowie die acht regionalen Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern zusammengeschlossen. Gemeinsames Ziel war und ist es, die Wirtschaftsregion Eifel zu stärken. Inzwischen sind zwei Kreise abgesprungen: Cochem-Zell und Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die ursprünglichen Handlungsbereiche Kultur und Tourismus, Wald und Holz, Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, Technologie und Innovation wurden um zwei weitere ergänzt: Energie und Klima sowie Fachkräftegewinnung. Bei den verschiedenen Verwaltungen gibt es Kümmerer, die mit den Themenbereichen betraut sind. Neben der Verleihung des Eifel-Awards gehört die Eifelkonferenz zu den Höhepunkten des jährlichen Veranstaltungskalenders. 2013 ist sie ausgefallen, da es in Eupen bereits eine großen Eifel-Bürgermeisterkonferenz zum Thema Demografie gab.

Preisträger 2013: Der diesjährige Eifel-Award, der heute im Lokschuppen in Gerolstein verliehen wird, geht an die Bitburger Braugruppe mit ihrer Initiative Jugend forscht, an die Faymonville AG aus Belgien und die Firma Weiss-Druck aus der Städteregion Aachen. Mit diesem Preis werden Initiativen und Unternehmen geehrt, die sich durch beispielhaftes Engagement für den Eifel-Ardennen-Raum verdient gemacht haben. kah

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