1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Eifelkreis. Das sagen die Vertreter der Kommunen und Parteien zum Wahlausgang

Landtagswahl : Stimmen zum Wahlausgang im Eifelkreis — Zwischen Zerknirschung und Überschwang

Die Wahl im Land und die Kreis-Ergebnisse – und was die Vertreter der Kommunen und Parteien zwischen Irrel und Prüm dazu sagen.

Die Wahl ist gelaufen, und besonders bei drei Parteien ist die Freude groß. Allen voran die SPD: „Die Stimmung ist natürlich sehr gut“, sagt Josef Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Bitburger Land. „Ich freu’ mich auf jeden Fall, dass die SPD wieder stärkste Partei geworden ist. Und dass Nico Steinbach wieder das Direktmandat geholt hat.“ Nicht nur das: Auch den Einzug von Joachim Streit (FWG) und den am Abend noch wackelnden von Michael Ludwig (CDU) sähe Junk gern, denn die Eifel wäre so stark vertreten in Mainz: „Dann wären’s drei. Was will man mehr? Und ich gratuliere natürlich allen, die gewählt wurden aus dem Eifelkreis.“

„Toll, wirklich toll“, sagt Johannes Reuschen, für die FWG im Kreistag und Stadtbürgermeister von Prüm, zum Einzug der Freien Wähler in den Landtag. „Das freut mich doppelt: Zum einen sind die Freien Wähler jetzt mit einer starken Stimme in Mainz. Das ist schon mal super. Aber auch der hohe Erststimmenanteil für Jakob Streit im Eifelkreis, das ist schon richtig respektabel.“

Richtig gute Laune hat auch Ernst Weires, der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag: „Ich freu’ mich natürlich tierisch, dass es für die Grünen gegenüber 2016 eine Verbesserung gab. Das ist auch eine Bestätigung dessen, was in Mainz gemacht wird.“ Als einzige der drei bisherigen Koalitionsparteien, die zugelegt habe, hoffe man darauf, „dass wir uns jetzt insgesamt ein bisschen besser durchsetzen können“, sofern es zur Wiederauflage der Koalition komme.

„Was soll man groß sagen, das ist für uns wieder ein enttäuschender Abend“, sagt Marco Thielen, der Prümer Kandidat für die Linke, über den erneut verpassten Einzug in den Landtag. „Über fünf Prozent hätten wir uns natürlich gefreut. Aber es war zu erwarten. Das heißt, wir werden weiter außerparlamentarisch für unsere Ziele kämpfen. Jetzt hoffen wir auf die Bundestagswahl, darauf werden wir unseren Fokus setzen.“

„Leider ein bisschen enttäuschend“ – das sagt auch Patric Nora, FDP-Kreistagsmitglied, zum Abschneiden seiner Partei in Land und Kreis. „Und ich hätte nicht gedacht, dass die Freien Wähler so gut abschneiden, da muss man gratulieren. Und auch der SPD. Jetzt wird spannend sein, wie die Regierungsbildung ist. Aber ich bin guten Glaubens, dass wir im Landtag bleiben und auch die Ampelkoalition fortführen können.“ Geschadet habe seiner Partei wohl auch, sagt Nora, das Landes-Chef Volker Wissing „so kurz vor der Wahl nach Berlin gegangen ist“.

„Das Ergebnis ist ungefähr so, wie ich gedacht habe“, sagt Afd-Kreistagsmitglied Otto Hiller von Gärtringen. „Keine großen Ausreißer nach oben oder unten.“ Mit dem Resultat seiner Partei ist er zufrieden – und hätte sich gewünscht, dass die Wahlen erst später erfolgt wären. Denn das hätte der AfD nützen können, sagt er.  Der Grund: Corona. „Im Moment ist da ein Umschwung: Der fürsorgliche Staat wird immer mehr zum autoritären Staat. Ich nehme an, die (Bundestags-) Wahl im Herbst wird ganz anders ausfallen.“

Und die Stimmung bei der CDU? „Ergebnisangemessen schlecht“, sagt Patrick Schnieder, der Bundestagsabgeordnete, den wir am Abend in Mainz erreichen. „Ich glaube, es hat jedenfalls nicht am Spitzenkandidaten gelegen oder am Einsatz der Partei. Es hat aber auch nicht gerade Rückenwind gegeben aus der Bundespolitik.“ Schnieder meint natürlich die jüngst bekannt gewordenen Affären um Maskenbeschaffung und Aserbaidschan-Connection. „Das hat man ja auch in den letzten Tagen gespürt, dass das Fehlverhalten Einzelner die Partei getroffen hat. Wie sich das quantitativ niedergeschlagen hat, kann ich jetzt nicht einschätzen. Aber an der Reaktion vieler Menschen hat man spüren können: Das hat zu einem Vertrauensverlust geführt.“

Zumindest zwei kleine Lichtblicke gab es dann doch für die CDU: Während im Eifelkreis Direktkandidat Michael Ludwig sich dem Sozialdemokraten Nico Steinbach geschlagen geben musste, lag am Abend in Daun Schnieders Bruder Gordon bei den Erststimmen deutlich vorn, wie auch Dennis Junk in Wittlich. Das sei gewiss erfreulich, sagt Schnieder. „Ansonsten aber ist das Ergebnis natürlich eine Katastrophe.“

So sieht’s auch Andreas Kruppert, der Bürgermeister der VG Arzfeld: „Das muss man ehrlich sagen: Das ist für die CDU auf Landesebene und auch im Kreis ein katastrophales Ergebnis. Aber: Gratulation an Nico Steinbach.“

Für Michael Ludwig sei es nicht leicht gewesen, sich zu profilieren: „Seit Mai ist er erst im Landtag, dann die ganze Zeit Corona. Und das ganz starke Ergebnis von Jakob Streit. Ich glaube schon, dass das auch für das Ergebnis der CDU eine Rolle gespielt hat.“

„Ich hätte mir natürlich auch ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagt  Bitburgs Stadtbürgermeister Joachim Kandels. „Es war schon alles sehr überlagert von Corona. Aber man muss auch ganz klar Respekt zollen – der SPD, aber auch den Freien Wählern, die natürlich ein ganz starkes Zugpferd hatten durch Joachim Streit. Ich kann allen Gewählten nur gratulieren, Es ist schon gut, dass die Eifel so stark repräsentiert wird in Mainz.“

„Natürlich ist das für mich als CDU-Mann enttäuschend“, sagt auch Aloysius Söhngen, VG-Chef in Prüm. Aber: „Auf der anderen Seite bleiben die Aufgaben, die anstehen, auf der Tagesordnung: die Pandemie zu bewältigen. Und dann wird das Problem der schlechten finanziellen Ausstattung der Kommunen zu lösen sein. Völlig egal, wie jetzt die Wahl ausgegangen ist.“

„Ich bin sehr enttäuscht über dieses Ergebnis“, sagt Moritz Petry, Bürgermeister der VG Südeifel. „Ein Grund ist sicherlich, dass es uns einfach nicht gelungen ist, zu dokumentieren, dass es einen Regierungswechsel braucht in Mainz.“ Sollte der Bitburg-Prümer Direktkandidat Michael Ludwig es doch noch über die Liste in den Landtag schaffen, „wäre das das  einzig Positive“.

Dann aber wären immerhin drei Eifeler im Landtag, „das gab es, glaube ich, noch nie“, sagt Manfred Rodens, Chef der VG Speicher. Auch er ist enttäuscht vom Abschneiden der CDU. Auch er sagt, die „Masken-Affäre“ habe eine Rolle gespielt: „Das hatte Einfluss bis unten hin. Ganz klar.“ Das Positive? Wenn es drei Eifeler nach Mainz schaffen würden: Das wäre gut für die Region „und für alle Wählergruppen“.