1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Eifelkreis registriert mehr als 140 Verstöße gegen Corona-Regeln

Corona-Pandemie im Eifelkreis : Nicht jeder hält sich an die Regeln

Seit Beginn der Corona-Pandemie und der Einschränkungen haben die Ordnungsämter der Kommunen alle Hände voll zu tun. Im Eifelkreis wurden rund 150 Bußgeldverfahren eingeleitet.

Heute ist es schon fast unwirklich. Damals, als die Türen von Kitas, Schulen, Restaurants und etlichen Geschäften plötzlich zu waren. Der Lockdown. Kontakte mussten auf ein Minimum beschränkt werden, man durfte sich nur mit maximal einem Menschen aus einem anderen Haushalt treffen – und das auch nur im Mindestabstand. Regeln, die Stück für Stück gelockert wurden, weil es gelang, die Infektionswelle abzuflachen.

Dazu haben alle beigetragen, die die Auflagen beherzigten. Aus Sicht der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, aber auch der Polizeiinspektionen in Bitburg und Prüm sowie der Stadtverwaltung gilt das für „die große Mehrheit der Bürger“, wie der Pressesprecher der Kreisverwaltung, Thomas Konder, sagt. Die Mehrheit, ja, aber nicht alle halten sich an die Regeln.

„Im Eifelkreis wurden bislang in rund 150 Fällen Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes eingeleitet“, sagt Pressesprecher Thomas Konder. Beim überwiegenden Teil handele es sich um Verstöße gegen das Kontaktverbot. 70 Bußgeldbescheide seien bereits erlassen worden. Etliche Verfahren seien aber auch noch offen.

Erstverstöße wurden mit einem Bußgeld in Höhe von 200 Euro geahndet; bei Wiederholungstätern wurde der doppelte Betrag fällig. Insgesamt habe es mehr Verstöße von Privatleuten gegen Kontaktverbot und Abstandsregeln gegeben als von Geschäftsleuten, sagt Konder.

Im gewerblichen Bereich seien wenn, dann vor allem Verstöße gegen Hygienevorschriften beanstandet worden. So hätten beispielsweise weder die Mitarbeiter noch die Kunden im Betrieb eines Gewerbetreibenden aus dem Eifelkreis Masken getragen, sagt Konder.

Ein anderes Beispiel nennt Werner Krämer, Pressesprecher der Stadtverwaltung: „Anfangs hatten nicht gleich alle Ladeninhaber ihre Geschäfte geschlossen, zeigten sich dann aber einsichtig.“ Eine weitere Beobachtung in der Stadt Bitburg: „Einige gingen wohl davon aus, dass die Straßenverkehrsordnung nicht mehr gilt“, sagt Krämer. Kontrolliert wurde aber dennoch – und gegebenfalls auch Knöllchen geschrieben.

Das höchste bisher verhängte Bußgeld im Eifelkreis beträgt laut Kreisverwaltung 600 Euro. In diesem Fall ging es um einen Verstoß gegen das Kontaktverbot, eine Ansammlung von mehr als zwei Menschen im öffentlichen Raum, was zu diesem Zeitpunkt noch verboten war. „Der Betroffene wurde zwei Mal am gleichen Abend auffällig“, sagt Konder. Daher die Summe. Erster Verstoß: 200 Euro; plus zweiter Verstoß: 400 Euro.

Bei Privatleuten nimmt die Polizei vor allem eine vermittelnde Rolle ein, wie der Bitburger Inspektions-Chef Christian Hamm erklärt. „Unser Ziel war und ist es, zu einer größeren Akzeptanz der coronabedingten Schutzmaßnahmen beizutragen und die Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen“, sagt Hamm. So blieb es bei fehlenden Masken oder mal einem Treffen von mehreren Jugendlichen auf dem Sportplatz bei Verwarnungen.

Ähnlich sieht es der Prümer Inspektionsleiter Georg Bührmann. „Insbesondere in der Anfangszeit haben wir noch Menschen unterschiedlicher Haushalte in einem Auto oder in der Öffentlichkeit angetroffen, ohne dass diese die Abstandsregeln eingehalten haben“, sagt Bührmann. Aber es gab auch andere Fälle.

Ende März ging beispielsweise bei der Polizei eine Beschwerede wegen lautstarker Musik aus einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Bitburg ein. Vor Ort habe die Polizei in der beschallten Wohnung acht Leute angetroffen, die in den Geburtstag eines Gastes hineinfeierten. Der Wohnungsinhaber habe sich unkooperativ und uneinsichtig gezeigt, als die Polizei ihn auf den Verstoß hinwies. Ergebnis: Die Veranstaltung wurde aufgelöst und gegen die Gastgeber ein Strafverfahren eingeleitet.

Jüngst musste die Polizei eine Party mit 200 bis 300 Gästen in Feuerscheid bei einem wohl zu diesem Zweck angemieteten Ferienhaus auflösen. „Der für uns mit Abstand gravierendste Fall“, sagt der Prümer Polizeichef Bührmann. An dieser Party am 20. Juni nahmen nach Auskunft der Polizei überwiegend US-Soldaten teil.

Und nun, wo zunehmend mehr Lockerungen gelten? Spielen Abstand, Maskenpflicht, Hygieneregeln und Begrenzungen für Kontakte noch eine Rolle? „Der Eindruck einer gewissen Sorglosigkeit ist durchaus in Teilen feststellbar“, sagt der Bitburger Polizeichef Hamm und ergänzt: „Man kann nicht eindringlich genug darauf hinweisen, dass die Pandemie erst bei der Verfügbarkeit eines Impfstoffes oder zumindest geeigneter Medikamente vorbei ist.“ Auch der Prümer Inspektionsleiter sagt: „Die Pandemie wird uns noch länger begleiten. Die Lockerungen bedeuten ja nicht, dass nun alles wieder so ist wie zuvor.“ In der Öffentlichkeit sei, so sagen die Polizei-Chefs, bisher kein Anstieg an Verstößen feststellbar. „Aber“, sagt Bührmann, „wir wissen natürlich nicht, was sich im privaten Bereich abspielt.“