1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Eifelkreis sagt Bienenpilz den Kampf an

Bienenseuche : Eifelkreis setzt auf Vorsorge gegen die Faulbrut

Wenn die Biene krank wird, dann bedroht das die Existenz vieler Menschen. Imker setzen deswegen nun auf Aufklärung und eine enge Vernetzung – besonders neue Hobbyimker müssen gut auf mögliche Bedrohungen vorbereitet sein.

In der Honigwabe zeigen sich zungenartige, raue und kaffeebraune Beläge. Mehrere Brutwaben sind eingesunken, rissig oder durchlöchert. Auch ihre Farbe ist dunkler als normalerweise. Die Larve in der Brutzelle ist in sich zusammengesackt und milchigbraun verfärbt. Im Verlauf löst sich die ganze Körperstruktur der Made auf und eine zähe, braune, schleimige Substanz bleibt zurück. Der Albtraum eines jeden Imkers ist diese Amerikanische Faulbrut, eine Pilzkrankheit die so manchen Bienenstock befallen kann.

Um die Bedrohung im Blick zu halten, hat die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm hat Ende September sieben neue ehrenamtliche Bienenseuchensachverständige für den Eifelkreis Bitburg Prüm eingestellt, für die nächsten fünf Jahre. Die kommunalen Imkerverbände haben hier Mitspracherecht, wer sich als Sachverständiger eignen würde, teilweise sind die ehrenamtlichen schon seit Jahren mit dabei. Die Sachverständigen werden benötigt, um im Fall von Bienenkrankheiten im Kreis schnell reagieren zu können, zum Beispiel auf die oben beschriebene Amerikanische Faulbrut.

„Der Eifelkreis Bitburg-Prüm ist schon länger nicht mehr von der Amerikanischen Faulbrut (AFB) bei Bienen betroffen gewesen“, sagt Ansgar Dondelinger von der Kreisverwaltung des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Seit einigen Wochen sei die Seuche aber in einem Bienenstand im benachbarten Kreis Trier-Saarburg amtlich festgestellt. Aber auch zu nicht meldepflichtigen Krankheiten, die aber den Tod der Bienen bedeuten können, kennen sich die Sachverständigen aus. „Gerade weil wir viele neue Hobbyimker haben, die sich noch wenig mit Bienenkrankheiten auskennen, ist es wichtig, dass es die offiziellen Stellen gibt“, sagt Imker Heiner Berendt aus Bettingen. „Innerhalb der Imker haben wir ein großes Netz, wo wir uns gegenseitig mit Informationen unterstützen, weil wir nicht wollen, dass Bienen sterben, egal wem sie gehören“.

 Hobbyimker benötigen viel Aufklärung, um ihre Insekten ausreichend schützen zu können.
Hobbyimker benötigen viel Aufklärung, um ihre Insekten ausreichend schützen zu können. Foto: dpa/Sven Hoppe

Die Behandlung der Bienen mit Anzeichen der Amerikanische Faulbrut erfolge nach den Vorgaben der zuständigen Veterinärbehörde, sagt Dondelinger. Vorher aber rufen die Imker, die Auffälligkeiten in ihren Waben beobachten, die ehrenamtlichen Sachverständigen an. Erkennen diese die Krankheit, wird mit Hinzunahme der zuständigen Kreistierärzte die Behandlung gestartet und ein Schutzgebiet ausgewiesen. Von und nach dort darf dann kein Bienenvolk mehr (weg-)gebracht werden.

Ein Bienenseuchensachverständiger der Region hat selbst schon Imker in seinem Gebiet betreut, deren Waben von der Amerikanischen Faulbrut befallen waren: „Das war damals eine Tortur für den Imker, dem ich da geholfen hab“, erinnert er sich. Überwiegend werden die betroffenen Völker durch Abschwefeln abgetötet. Bei schwächerer Betroffenheit können die Völker auch durch Kunstschwarmverfahren umgesiedelt werden, erklärt Dondelinger vom Kreis. Die von der Faulbrut betroffenen Waben und Stöcke werden dann verbrannt. Auch wenn nicht mehr wie früher alle Bienen getötet werden müssten, könne im schlechtesten Fall - im Juni - der gesamte Honigertrag ausfallen. Denn sechs bis acht Wochen könne es schon dauern, bis nachgewiesen werden kann, dass keine Sporen mehr da sind. „Erst danach bekommt der Betroffene wieder die Freigabe um imkern zu dürfen“, so der Sachverständige.

Und neues Material (Magazine, Waben, Kisten) seien auch nicht billig. Zum finanziellen Schaden für den betroffenen Imker komme für alle Imker des Schutzgebiets kommt der Imageschaden.

Über zwei Monate lang haben sich die ehrenamtlichen Sachverständigen einmal wöchentlich einen ganzen Tag in Mayen in der Theorie verschiedener Krankheiten ausbilden lassen. Ein Imker, der dieses Ehrenamt übernehmen möchte, muss seit mindestens zwei Jahren einem Imkerverein angeschlossen sein und seit drei Jahren Bienenvölker bewirtschaften. „Viele Hobbyimker sind nicht so sehr in der Theorie aller Bienenkrankheiten drin“, sagt Jörg Krämer, selbst Imker aus Brandscheid „Deshalb ist es schon gut, dass sich Leute von uns darin ausbilden lassen“. Sporen einer Krankheit könnten sich die Bienen zum Beispiel über offene Honiggläser aus anderen Ländern am Eifler-Frühstückstisch einfangen, erklärt Krämer. Neben der Amerikanischen Faulbrut, gibt es noch andere, weniger ansteckende, aber dennoch tödliche Bienenkrankheiten. „Zum Beispiel die Varroamilbe, die jedes Jahr wiederkehrt“, erzählt  Alain Diederich aus Echternacherbrück, der selbst Bienenseuchensachverständiger ist. „Die wird man einfach nicht mehr los, auch hier bei uns“. Die größte Angst hätten Imker der Region aber vor dem Beutekäfer, der in Italien ausgebrochen ist, erzählt Diederich. „Viele Bienenkrankheiten werden in Amerika schon mit Antibiotika behandelt, bisher ist das Imkern in Deutschland aber verboten“.

Auf Menschen ist die Amerikanische Faulbrut nicht übertragbar, auch der Honig könne ohne Bedenken verzehrt werden, sagt Ansgar Dondelinger von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Verkaufen darf ein Imker den Honig eines befallenen Stocks aber nicht. „Der würde auch nicht gut schmecken“, sagt Berendt. Eher bitter und leicht faulig, denn Honig nehme schnell Gerüche an.

Imker Heiner Berendt fährt mit seinen Bienen auf die Felder verschiedener Landwirte der Region, um dort beim Bestäuben der Früchte zu helfen. Er sagt, wenn er merken würde, dass er mit seinen Bienen in einem Gebiet bestäubt hat, das später aufgrund eines kranken Bienenstocks eines Kollegen als befallenes Schutzgebiet ausgewiesen werden müsste, würde er die 150 Euro für eine Analyse in Mayen ausgeben. Erst danach würde er seinen Honig wieder guten Gewissens verkaufen können. Die Gegend um das Schutzgebiet würde er vermutlich erst einmal meiden, denn Bienen fliegen weit. Die Bienenkrankheit beeinflusst damit so auf einmal auch die Bauern, die Ernteausfälle bekommen können und das bedroht dann wiederum auch deren Existenzen.