Eifelkreis wirbt weiter um Ärzte

Gesundheit : Eifelkreis wirbt weiter um Ärzte

60 angeschrieben – 13 sind gekommen: Der Eifelkreis Bitburg-Prüm hat zum Ärztewochenende eingeladen. Die Resonanz war gut. Ob die Iniative Heimspiel auch gefruchtet hat, wird sich zeigen.

Die Köpfe rauchen, die Nerven sind angespannt: In den Schulen ist die Konzentration förmlich spürbar: Zurzeit werden in Rheinland-Pfalz die Abiturarbeiten geschrieben. So manch angehender Abiturient wird dabei ganz besonders unter Druck stehen. Denn wer zum Beispiel Medizin studieren möchte, muss schon Spitzenleistung abliefern, da der berühmt berüchtigte Numerus Clausus ein entscheidender Faktor für die Vergabe der begehrten Studienplätze ist.

Doch sind die Abiturienten zum Studium erst mal aus der Eifel weggezogen, ist es oft schwierig, sie wieder zurückzugewinnen. Um dem Ärztemangel auf dem Land zu begegnen ist es von entscheidender Bedeutung, Mediziner für die Eifel zu begeistern oder Einheimischen die Möglichkeiten in ihrer Heimat aufzuzeigen.

Und da hat sich der Eifelkreis Bitburg-Prüm etwas Besonderes einfallen lassen: die Initiative „Heimspiel“ (der TV berichtete).  „Vor gut einem Jahr haben wir uns an die Ortsbürgermeister gewandt und gefragt, ob sie nicht Mediziner kennen, die aus der Eifel weggezogen sind“, sagt Thomas Hoor, Mitarbeiter im Amt für Kreisentwicklung bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. So kamen rund 60 Adressen zusammen. „Das war ganz breit gestreut, vom Studenten bis zum Professor.“ Alle bekamen einen netten Brief und im November gab es ein erstes Treffen in der Eifel. Insgesamt 13 interessierte Teilnehmer nahmen an dem Ärztewochenende teil. Ziel war, über die vielen Möglichkeiten und Vorteile für Ärzte und deren Angehörigen zu informieren und ein Netzwerk zu knüpfen.

So gab es verschiedene Vorträge, sowohl von dem Vorsitzenden der neu gegründeten Ärztegenossenschaft Medicus, als auch von einem „klassischen“ Hausarzt, der die moderne Arbeitsweise eines Landarztes vorstellte. Auch Vertreter von Krankenhäusern waren dabei, ebenso wie von der Kassenärztlichen Vereinigung, die unter anderem über den Prozess einer Praxisübernahme und Fördermöglichkeiten informierte. Die Vertreter der Kreisverwaltung haben die Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten – auch für Nichtmediziner -  vorgestellt. „Das ist ein wichtiger Punkt. Die Ärzte sind durchaus bereit in die Eifel zurückzukommen, aber deren Angehörigen nicht unbedingt“, sagt Hoor.

Der Mitarbeiter vom Amt für Kreisentwicklung bewertet die Veranstaltung als Erfolg. „Es wurden sehr viel interessierte und interessante Gespräche geführt. Gerade die neue Möglichkeit, als angestellter Arzt arbeiten zu können, hätten viele gut gefunden. Ein weiterer Pluspunkt sei ein bereits existierender Weiterbildungsverbund, geschlossen zwischen Prümer Ärzten und dem St.-Josef-Krankenhaus in Prüm. Angehende Hausärzte leisten dabei  ihre fünfjährige Weiterbildung beim Prümer Krankenhaus (drei  Jahre) und bei einem der kooperierenden niedergelassenen Ärzten (zwei Jahre) ab. Normalerweise müssen sie sich selbst um diese Stellen kümmern. In Prüm wird ihnen das nun abgenommen.Dr. Michael Jager, Vorsitzender der Ärztegenossenschaft Medicus Eifeler Ärzte, bewertet das erste „Heimspiel“-Treffen als effektiv. „Ich hatte persönlich den Eindruck, dass die Teilnehmer durchaus interessiert waren. Ich könnte mir von dem ein oder anderen vorstellen, dass er in der Eifel ein Praktikum macht oder eine Hospitanz.“

Mobilität sei ein sehr großes Thema gewesen, beobachtete er. So erzählte ein Teilnehmer, dass  zum Beispiel Studienkollegen in Berlin noch nicht mal einen Führerschein haben, weil man den in der Großstadt nicht bräuchte. „Hier in der Eifel hat fast jeder ein eigenes Auto. Das sind schon Unterschiede. Und ein Großstädter denkt, er bräuchte keins“, sagt Jager. Außerdem interessierten sich die Teilnehmer für die Fragen:  Wo kann mein Partner arbeiten? Was ist mit meinen Kindern? Wie ist die Infrastruktur? Und was gibt es an Freizeitmöglichkeiten?

„Manch Ding braucht Weile“, sagt Jager. Es sei jetzt jedenfalls in der Eifel möglich, als Arzt flexibel und ohne wirtschaftliches Risiko eine Arbeit zu finden.

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