Eifelpark auf dem Abstellgleis

Eifelpark auf dem Abstellgleis

Jetzt ist es amtlich: Bernd Capellen hat einen Insolvenzantrag für die Eifelpark GmbH gestellt. Damit steht die Freizeiteinrichtung in Gondorf vor dem Aus. Ob und wo das Insolvenzverfahren eröffnet wird, steht jedoch noch nicht fest: Ein Gutachter soll prüfen, welches Gericht zuständig ist und ob überhaupt ein Antragsgrund vorliegt.

Üblicherweise sind dauerhaft rote Zahlen Grund dafür, dass ein Unternehmen gezwungen ist, Insolvenz anzumelden. Der Fall der Eifelpark GmbH, die den gleichnamigen Eifelpark in Gondorf betreibt, liegt grundlegend anders. "In den letzten acht Jahren wurden keine Verluste erwirtschaftet", sagt deren Geschäftsführer Bernd Capellen. Dennoch hat er für sein Unternehmen einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Wuppertal gestellt. Und der 62-Jährige macht auch keinen Hehl daraus, was der eigentliche Grund für seine Entscheidung gewesen ist: Es sind die Querelen mit der Ortsgemeinde Gondorf. Querelen, die sich insbesondere um die Höhe der Pacht drehen, die der Eifelpark-Betreiber an die Gemeinde für die 300 Stellplätze zu zahlen hat: gut 20.000 Euro. Für dieses Jahr sollte ein neuer Pachtvertrag ausgehandelt werden, Capellen wollte deutlich weniger zahlen - bislang gibt es keine Einigung zwischen den Parteien (der TV berichtete). "Mir hat der Eifelpark viel Spaß gemacht, aber es reicht jetzt einfach", sagt Capellen, der die Einrichtung vor acht Jahren übernommen hat. Statt sie nun jedoch einfach zum Frühjahr nicht mehr wiederzueröffnen, will der 62-Jährige ins Insolvenzverfahren gehen - und das mit Kalkül: "Dann muss sich jemand anderes, der Insolvenzverwalter, um die Abwicklung kümmern, das andere wäre dagegen für mich sehr, sehr aufwendig." Schließlich gilt es unter anderem, die Fahrgeschäfte zu verkaufen und mehr als 300 Tiere zu vermitteln - sollte sich nicht doch noch ein Investor finden, der den Park weiterbetreibt. Das Wuppertaler Amtsgericht hat nun den Rechtsanwalt und Insolvenzexperten Marc d'Avoine mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt. Darin soll zunächst geklärt werden, welches Insolvenzgericht überhaupt zuständig ist: das Wuppertaler, weil die Eifelpark GmbH ihren Sitz im nordrhein-westfälischen Haan hat, oder das Bitburger, weil die unternehmerische Aktivität der GmbH bislang hauptsächlich in Gondorf lag. Zudem wird d'Avoine prüfen, ob ein zulässiger Antragsgrund für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorliegt. Dieser läge etwa vor, wenn die Gesellschaft überschuldet, zahlungsunfähig oder zumindest von der Zahlungsunfähigkeit bedroht wäre. Bisher weist sie jedoch, wie Capellen selbst betont, eine "einwandfreie Bilanz" auf. Allerdings könnte sich das bald ändern: "In einigen Wochen sehe ich eine drohende Zahlungsunfähigkeit, wenn wir kein Geld haben, um die für einen Weiterbetrieb des Parks nötigen Ingangsetzungskosten zu finanzieren", sagt Capellen. Bislang habe er die umfassende Jahresinspektion der Fahrgeschäfte und etwa den Austausch von Verschleißteilen zum einen aus Einnahmen aus der Vorsaison finanziert sowie über einen kurzfristig aufgenommenen Kredit, den er dann nach Eröffnung des Saisonbetriebs mit neuen Einnahmen getilgt habe. Nun wolle er jedoch keinen Kredit mehr aufnehmen und könne folglich die anstehenden Arbeiten nicht mehr finanzieren. Auch Insolvenzexperte d'Avoine spricht von "fälligen Verbindlichkeiten, die nicht bedient werden können" und nennt in diesem Zusammenhang die Gehälter der im Park angestellten Tierpfleger. Eine wichtige Aufgabe für ihn sei daher, sicherzustellen, dass bis zum Beschluss über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens und auch darüber hinaus die Pflege der Tiere gewährleistet sei.
EXTRA STIMMEN AUS DER EIFEL ZUM INSOLVENZANTRAG FÜR DEN EIFELPARK

Joachim Streit (Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm): "Zunächst ist es mal traurig, dass der Insolvenzantrag für den Eifelpark nun gestellt wurde. Das Mitgefühl gilt den Mitarbeitern. Für den Tourismus in der Eifel wäre es schlecht, keine solche Einrichtung mehr hier vor Ort zu haben. Eine Insolvenz kann aber auch die Chance bedeuten, einen neuen Investor für die Anlage zu finden. Wir vom Eifelkreis stehen auch der Idee, Flächen für die Entwicklung eines Feriendorfs oder eines Campingplatzes beim Eifelpark auszuweisen, aufgeschlossen gegenüber, weil wir darin die Möglichkeit sehen, den Park durch ein weiteres Standbein am Leben zu erhalten. Dafür müsste lediglich der Flächennutzungsplan geändert werden." Otmar Kaufmann (Ortsbürgermeister der Gemeinde Gondorf): "Herr Capellen hat angekündigt, einen Insolvenzantrag zu stellen. Ich würde nicht ausschließen, dass dies eine weitere Variante darstellt, Druck auf uns auszuüben. Dabei ist die Ortsgemeinde nach wie vor verhandlungsbereit. Wir haben in allen strittigen Punkten großes Entgegenkommen signalisiert. Aber ich habe bereits länger das Gefühl, dass Herr Capellen gar nicht willens war, einen Kompromiss zu finden. Wir wollen als Ortsgemeinde weiter alles tun, um eine Zukunft des Eifelparks in Gondorf zu sichern. Wir haben nun die Hoffnung, dass, wenn dem Insolvenzantrag stattgegeben wird, ein Insolvenzverwalter kommt, mit dem es möglich ist, eine Lösung zu finden." Josef Junk (Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bitburg-Land): "Ich finde das sehr schade, dass der Insolvenzantrag nun gestellt wurde. Ich hatte bis zuletzt die Hoffnung, dass Herr Capellen diesen Schritt nicht gehen wird. Ich halte nach wie vor eine Einigung zwischen Ortsgemeinde und Parkbetreiber für möglich, da beide inhaltlich doch sehr nah beieinanderliegen mit ihren Vorstellungen. Die Ortsgemeinde ist gegenüber der Idee, den Park um ein Feriendorf zu ergänzen, ja aufgeschlossen. Ich bin überzeugt, dass wir zusammen, gegebenenfalls mit einem Insolvenzverwalter, eine Lösung finden. Das wäre einfach zu traurig für die Region, unsere Touristen wie auch die Einheimischen, wenn der Eifelpark tatsächlich schließen müsste."
Meinung



Von Dagmar Schommer

Bernd Capellen kann nicht mit Gondorf, nicht mit der Eifel. Egal, welche Hand er gereicht bekam, er hat sie ausgeschlagen. Nun erklärt ausgerechnet er, dass das Scheitern der Vermittlungsgespräche Hauptgrund für seinen Insolvenzantrag sei. Traurig genug. Hinzu kommt: Es bleibt das Gefühl, dass Capellen sich nie ernsthaft mit der Gemeinde einigen wollte. Gondorf muss nun abwarten, ob die 22.000 Euro Pacht für 2012 noch fließen. Trotzdem: Die Insolvenz könnte eine Chance sein, wenn dem Ende der Ära Capellen ein Neuanfang mit einem anderen Investor folgt. d.schommer@volksfreund.de