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Eifelverein hat steinigen Weg vor sich

Eifelverein hat steinigen Weg vor sich

Der Eifelverein, ein Hort der wandernden Glückseligkeit. Mitnichten! Es rumort im Verein der Wanderfreunde, weil das Thema "Zukunft der Hauptwanderwege" nicht jedem gefällt. Doch der Eifelverein reagiert damit auf den demografischen Wandel und will sparen. Auf der Agenda stehen neben der möglichen Streichung von Hauptwanderwegen auch der Verkauf von Immobilien wie der Niederburg in Manderscheid.

Daun/Prüm/Düren. Die Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung bekommt auch der Eifelverein zu spüren. Seit Jahren hat er rückläufige Mitgliederzahlen. Die verbleibenden Mitglieder werden immer älter und auch das Interesse am Ehrenamt schwindet in der immer noch größten Bürgerinitiative der Eifel.
Aktuell hat die Organisation noch 27 000 Mitglieder. Das sind 3000 weniger als noch vor sechs Jahren. Wegepaten für die Wanderwege zu finden, wird immer schwieriger, wie Achim Kugel, Bezirkswegewart Vulkaneifel, erklärt: "Alle glauben, es wäre zu viel Arbeit, und es sind ja sowieso überwiegend Rentner".
Die Folge: Die Wanderwege können kaum noch gepflegt werden und fehlende Markierungen werden nicht ersetzt. "In den vergangenen sechs Jahren haben wir jährlich 500 Mitglieder verloren und laufen nun Gefahr, bei unveränderten Rahmenbedingungen unsere Satzungsaufgaben nicht mehr erfüllen zu können", sagt die Hauptvorsitzende Mathilde Weinandy. "Ich muss als Vorsitzende schauen, wie ich den Verein am Leben halte. Ich halte ihn aber nicht am Leben, wenn ich so weitermache wie bisher. Deshalb müssen wir Veränderungen akzeptieren und die Weichen für die Zukunft stellen", sagt Weinandy.
Seit der Eröffnung von Eifelsteig, Ahrsteig und Moselsteig hat der Eifelverein das Wegemanagement dieser Qualitätswege übernommen. Für die Unterhaltung erhält er zwar Geld von den touristischen Organisationen, dafür wuchs aber auch die Kilometerzahl der vom Verein betreuten Wege um 2500 Kilometer - zusätzlich zu den 2800 Kilometern an Hauptwanderwegen. "Wir stehen heute vor der neuen Aufgabe, unsere Hauptwanderwege, die derzeit gegenüber den Qualitätswanderwegen bezüglich der Markierung, Beschilderung und Vermarktung weit unterlegen sind, aufzuwerten, im Kernbestand zu sichern und damit konkurrenzfähig gegenüber den touristischen Wegen zu machen. Dies bedeutet, dass wir uns einer kritischen Überprüfung des Gesamtbestandes, der Markierungssystematik und der Namensbezeichnung unserer Hauptwanderwege unterziehen wollen", sagt Eifelvereins-Geschäftsführer Manfred Rippinger.
Die strittigste Frage ist dabei, ob sich der Verein in Zukunft noch 13 Hauptwanderwege und Gebietswanderwege mit 2800 Kilometern Länge leisten kann. Sie kosten den Verein in diesem Jahr 23 000 Euro und vor allem viel ehrenamtliche Arbeit. Von den Hauptwanderwegen stehen der Rheinhöhen-Weg, der Maas-Rhein-Weg, der Ahrtalweg, der Moselhöhen-Weg und der Erft-Lieser- Mosel-Weg auf dem Prüfstand. Auch über die Zukunft von Willibrordusweg, Karl-Kaufmann-Weg und Josef-Schramm-Weg wird diskutiert. "Beim Ahrtalweg läuft aber die Gemeinde schon jetzt Sturm", weiß Bezirkswegewart Achim Kugel.
Wer die Wahrung der Wanderwege übernehmen könnte, steht in den Sternen. Zur Umsetzung dieser Aufgabe wurde ein Arbeitskreis (AK) aus zwölf Mitgliedern gebildet. Mitglieder sind Kraft Amtes Hauptvorsitzende Weinandy, Hauptgeschäftsführer Rippinger, der Hauptwegewart Süd und Nord sowie acht Mitglieder von Orts- und Bezirksgruppen aus Nordrhein-Westfalen und aus Rheinland-Pfalz.
In einem ersten Schritt hat dieser AK Vorschläge zur Reduzierung von Hauptwanderwegen entwickelt, um die Qualität des Wegeangebotes in der Eifel nach dem Motto "weniger ist mehr" zu erhöhen. Streichkriterien sind die Dichte von Wegen in einem Gebiet und ob ein Hauptwanderweg parallel zu einem der Qualitätswege Eifelsteig, Ahrsteig und Moselsteig verläuft. Zudem wird die Frequentierung der Wege geprüft und die Leistungsfähigkeit und -bereitschaft der Anrainer-Ortsgruppen.
Nach Abstimmung mit den betroffenen Orts- und Bezirksgruppen über einen möglichen Wegfall eines Hauptwanderwegs soll die Stellungnahme der betroffenen Kommunen und Touristiker eingeholt werden. Zeichnet sich dabei eine vergleichbare Einschätzung ab, wird der AK dem Hauptvorstand empfehlen, den Weg aufzugeben.
Der Gedanke stößt jedoch bei vielen Ortsgruppen auf wenig Gegenliebe. Dass dies in einem Traditionsverein wie dem des Eifelvereins nicht von heute auf morgen geht, weiß auch Mathilde Weinandy: "Hier müssen wir unsere Mitglieder mitnehmen und noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Leute, die davon hören, tun so, als wäre das auch schon alles gesetzt. Es steht alles noch gar nicht fest, wir sind in einer Findungsphase. Wir haben beschlossen, dass wir das Thema angehen. Es muss eine breite Mehrheit dafür geben". Sollte die Mehrheit der Ortsvereine dagegen sein, ist für Mathilde Weinandy klar: "Dann stampfen wir das ein. Dann soll der Eifelverein so weitermachen wie es immer war, irgendwann muss man dann aber sagen, es gibt keine Leute mehr, die die Arbeit machen. Entweder wollen die Mitglieder, dass es in die Zukunft geht oder es bleibt eben alles liegen."
Achim Kugel sieht die Neuordnung der Hauptwanderwege und die damit verbundene ins Auge gefasste Streichung von bestehenden Wegen realistisch: "Ich habe nichts dagegen. Wenn es sein muss, dann soll man es machen".Jugendferienheim verkaufen


Sparen will der Eifelverein auch an anderer Stelle. Die jüngste Mitgliederversammlung hat beschlossen, das vereinseigene Jugendferienheim bei Simmerath zu verkaufen. "Im Jugendheim haben wir im Jahr 10 000 Euro Ausgaben und keine Einnahmen. Das wird über die Mitgliedsbeiträge finanziert", sagt Weinandy. Auf der Tagesordnung der nächsten Versammlung am 21. Mai in Speicher steht die Abgabe der Niederburg in Manderscheid. Einnahmen von etwa 15 000 Euro stehen hohe Unterhaltungskosten entgegen. Weinandy: "In die Verkehrssicherheit der Niederburg haben wir gerade 40 000 Euro investiert. Ohne ehrenamtliche Unterstützung hätten wir 100 000 Euro investieren müssen. Wir wollen die Burg auch nicht einfach weggeben. Wir müssen uns mit der Stadt Manderscheid unterhalten."
Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, zu der auch Manderscheid gehört, hält es angesichts der angespannten Haushaltssituation für wenig wahrscheinlich, dass die Stadt die Niederburg kaufen oder unterhalten kann. Entscheiden müsste am Ende allerdings der Manderscheider Stadtrat.Extra

… Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land, zu der auch Manderscheid gehört: Wäre die Stadt Manderscheid oder die VG Wittlich-Land ein möglicher Käufer? Dennis Junk: "Die VG Wittlich-Land wird die Burg nicht kau-fen. Ob die Stadt Manderscheid als Käufer in Frage kommt, entscheidet der Stadtrat, wenn sich die Frage stellt. Aufgrund der angespannten Haushaltssituation kann die Stadt Manderscheid die Burg eigentlich nicht kaufen oder unterhalten." Bezahlt die Stadt Manderscheid oder die VG Wittlich- Land dem Verein einen Zuschuss zur Unterhaltung? Junk: "Die VG Wittlich-Land und die Stadt Manderscheid zahlen keinen Zuschuss an den Eifelverein." Was hätte es für Folgen, wenn die Burg nicht mehr dem Eifelverein gehörte? Junk: "Die Folgen sind nicht absehbar. Wichtig ist, dass die Burg weiterhin für Besucher zugänglich bleibt. Insgesamt hat die Burg für die Stadt Manderscheid und die VG Wittlich-Land eine große Bedeutung. Deshalb stehen wir mit dem Eifelverein in einem regelmäßigen Kontakt." HG