1. Region
  2. Bitburg & Prüm

"Eigentlich müssten jetzt alle zufrieden sein"

"Eigentlich müssten jetzt alle zufrieden sein"

Kehrt in Neuerburg endlich Ruhe ein, nachdem die jahrelang diskutierte Aldi-Ansiedlung auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände unter Dach und Fach zu sein scheint? Zumindest könnte der Weg endlich frei sein für den Handwerker- und Gewerbepark, der ursprünglich auf dem Ex-Top-Markt-Gelände am Ortsausgang Richtung Krautscheid gewünscht war.

Neuerburg. Mit dem Wort "eigentlich" ist es so eine Sache: Auf einen Satz, der mit "eigentlich" beginnt, folgt meist ein zweiter Satz, der die Aussage des ersten relativiert. So verhält es sich auch mit der seit Jahren diskutierten Frage um die Aldi-Ansiedlung in Neuerburg: Eigentlich könnte Aldi längst da sein. Ist er aber nicht - und das, obwohl seit 2009 ein entsprechender rechtskräftiger Bebauungsplan für das Gebiet "In der Wahl" existiert und ein Investor sogar schon eine Baugenehmigung in der Hand hatte. Aufgrund derer hätte der Lebensmitteldiscounter seine Zelte auf dem ehemaligen Top-Markt-Gelände am Ortsausgang Richtung Krautscheid aufschlagen können.

Discounter hat Mietvertrag bereits unterschrieben



Doch dann kam alles anders. Die Eigentumsverhältnisse an dem Grundstück änderten sich, die neue Eigentümergesellschaft hatte andere Pläne für den Standort: Ihr schwebte ein Handwerker- und Gewerbepark auf dem Areal an der Kölner Straße vor (der TV berichtete). Eine Patt-Situation: Die vier Köpfe umfassende Eigentümergesellschaft gab ihr Grundstück nicht her; die Stadt wollte den Bebauungsplan, der in dem Bereich lediglich die Ansiedlung von "großflächigem Einzelhandel" - und eben keinen Handwerker- und Gewerbepark - zulässt, so lange nicht ändern, wie sie keinen anderen Standort für Aldi zur Hand hatte.

Eben jenen Alternativstandort gibt es inzwischen: Vor kurzem hat der deutschlandweit tätige Investor Ten Brinke mitgeteilt, dass Aldi-Süd einen Mietvertrag für ein noch zu errichtendes 1100 Quadratmeter großes Gebäude neben dem derzeitigen Extra-Baumarkt in der Enztalstadt unterschrieben hat (der TV berichtete). Der Neuerburger Stadtrat hatte zuvor bereits beschlossen, für das ehemalige Bahnhofsgelände die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans in Gang zu bringen und es als Gebiet für großflächigen Einzelhandel auszuweisen (siehe Extra). Anschließend soll der Bereich "In der Wahl" überarbeitet werden und als Gewerbegebiet für zusätzlichen Einzelhandel mit nicht innenstadtrelevantem Warensortiment ausgewiesen werden. So, wie es die Eigentümergesellschaft schon vor gut einem Jahr - damals noch vergeblich - bei der Stadt beantragt hatte, um auf dem Ex-Top-Markt-Gelände ihren Handwerker- und Gewerbepark errichten zu können.

Doch schon wieder gibt es ein "eigentlich": "Eigentlich müssten jetzt alle zufrieden sein", sagt Neuerburgs Stadtbürgermeisterin Anna Kling, die die Eigentümergesellschaft mittlerweile angeschrieben hat, um das weitere Vorgehen abzuklären. Doch obwohl die Stadt für Aldi einen Alternativ-Standort gefunden hat, mit dem Kling laut eigener Aussage zufriedener ist als mit dem zuvor ins Auge gefassten, und die Eigentümergesellschaft in naher Zukunft ihr Vorhaben auf dem Ex-Top-Markt-Gelände umsetzen könnte, sind eben doch nicht alle zufrieden. Denn die Eigentümergesellschaft hat inzwischen offenbar kein Interesse mehr daran, den Bebauungsplan für das Gebiet "In der Wahl" zu ändern - ein Verfahren, dessen Kosten sie selbst aufbringen müsste. "Wir wollen nicht mehr", sagt Alois Roppes, einer der vier Grundstücksinhaber, auf TV-Anfrage, "wir haben einfach keine Lust mehr, nachdem wir so lange hingehalten wurden."

Und ein allerletztes "eigentlich": Eigentlich ist damit das Schild auf der Einfahrt zum Ex-Top-Markt-Gelände, das den Handwerker- und Gewerbepark Neuerburg bereits ankündigt, nur noch Makulatur.

Extra

Bebauungsplan "Ehemaliges Bahnhofsgelände": Auf dem Bereich des ehemaligen Bahngeländes soll ein "Sondergebiet für großflächigen Einzelhandel" ausgewiesen werden. Noch vor den Sommerferien könnte der Stadtrat den Bebauungsplan als Satzung beschließen. Der Investor Ten Brinke will auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern Aldi und direkt nebenan auf dem jetzigen Standort des Extra-Baumarkts auf insgesamt 1400 Quadratmetern den Vollsortiment-Supermarkt Rewe sowie ein Bekleidungsgeschäft unterbringen (der TV berichtete). Fraglich ist allerdings, ob der Baumarkt überhaupt Platz macht für den Umzug Rewes aus der Stadthalle auf das ehemalige Bahnhofsgelände: "Wir wollen an unserem jetzigen Standort bleiben", bekräftigt Stefan Klinkhammer, Geschäftsführer des Extra-Baumarkts, auf TV-Anfrage. Entsprechende Gespräche liefen derzeit mit dem Eigentümer des Grundstücks. Sollten diese positiv verlaufen, spielt es keine Rolle, dass das ehemalige Bahnhofsgelände bald als "Sondergebiet für großflächigen Einzelhandel" ausgewiesen ist: Für den Extra-Baumarkt besteht Bestandsschutz. (neb)

Meinung

Fragen über Fragen

Baustellen über Baustellen: Kaum scheint es so, als habe die Stadt auf die Frage nach einem Standort für den Discounter Aldi eine zufriedenstellende Antwort gefunden, tauchen weitere Probleme auf. Was tun mit dem brachliegenden Gelände des ehemaligen Top-Markts, sollte die Eigentümergesellschaft ihre Idee von dem Handwerker- und Gewerbepark endgültig fallenlassen? Was tun, wenn der Baumarkt tatsächlich bleibt, wo er ist? Wo könnte Rewe hin, dem der jetzige Standort unter der Stadthalle zu klein ist? Und sollte für den Vollsortimenter ein Alternativgelände gefunden werden: Wer könnte an dessen Stelle in die Enztal-Passage einziehen? Fragen über Fragen, deren Beantwortung wichtig ist für die weitere Entwicklung des Mittelzentrums Neuerburg. Denn noch mehr Leerstände kann sich die Stadt kaum erlauben. Stadtbürgermeisterin Anna Kling - eigentlich nur ehrenamtlich tätig - wird alle Hände voll zu tun haben. Zu beneiden ist sie wahrhaftig nicht. n.ebner@volksfreund.de