Ein 41-Jähriger aus der Eifel steht wegen Verdacht des Missbrauchs vor dem Landgericht Trier

Missbrauchsprozess : Mutter und Tochter belasten Angeklagten

Ein 41-Jähriger soll das Kind seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben. Er streitet das ab.

(f.k.) Tatort soll ein Haus in einem kleinen Ort bei Bitburg gewesen sein. Von 2015 bis 2019  habe der Mann dort die anfangs neun Jahre alte Tochter seiner Lebensgefährtin regelmäßig und teils schwer sexuell missbraucht. So steht es in der Anklageschrift, so wurde es vor seiner Festnahme im Januar 2019 in den Polizeiprotokollen festgehalten. Gleich zum Prozessauftakt vor der Ersten Großen Jugendschutzkammer  hatte ihn der Vorsitzende Richter Günther Köhler eindringlich auf die stark Straf mindernde Wirkung eines vollen Geständnisses hingewiesen, wenn dadurch dem mutmaßlichen, heute 13-jährigen Opfer die Vernehmung vor Gericht erspart werden könnte (der TV berichtete). Doch der  41-Jährige entschied sich für den anderen Weg. Er streitet alle ihm vorgeworfenen  Sexualstraftaten entschieden ab.

Vermutlich hat er zu hoch gepokert, denn nun musste die 13-Jährige als Zeugin antreten. Sollte sich der Angeklagte nun doch noch für ein Geständnis entscheiden, wäre es zu spät, denn das Kind musste sich ohne Öffentlichkeit einer stundenlangen Befragung durch die Kammer unterziehen. Dabei soll sie den Ex-Freund ihrer Mutter – so war es anschließend bei den Prozessbeteiligten herauszuhören – schwer belastet haben. Sollte die Kammer zum Urteil „schuldig“ kommen, kann er auf keine Strafminderung hoffen.

Auch die anschließend gehörte  Mutter des Mädchens hat den Mann schwer belastet. Die Details ihrer  mehrstündigen Zeugenanhörung sollen hier  ausgespart werden. Die Frau hat den aus Kenia stammenden Mann per Internetchat  kennengelernt. Der gelernte Koch lebte zu dem Zeitpunkt  in Köln, wo er nach eigenen Angaben erstmals  Drogen konsumierte. Auch zur Flasche habe er gerne gegriffen, räumt er ein. Dennoch entstand eine Freundschaft zu der Frau aus der Eifel, man wollte zusammenziehen. „Ich habe ihn mehrmals mit der Tochter in Köln besucht, damit sie sich an ihn gewöhnt“, erklärt die Zeugin. Nach seinem Umzug in ihr Elternhaus bei Bitburg, wo sie mit dem Kind eine separate Wohnung besitzt,  habe es bald Spannungen zwischen ihm und ihrem Vater gegeben.

Die Zeugin, die in einem Beruf mit Schichtdienst arbeitet: „Das war weniger wegen der Hautfarbe meines Freundes, sondern  es ging mehr um die Tatsache, dass sie der Hauptverdiener gewesen sei. Er war meinem Vater arbeitsmäßig zu inaktiv.“  Dennoch scheint zwischen dem Paar anfangs ein gutes Vertrauensverhältnis bestanden zu haben. Durch ihren Schichtdienst sei sie oft lange außer Haus gewesen. Deshalb habe  sie ihn ermächtigt, erzieherisch auf die Tochter einzuwirken und ihr Grenzen zu setzen. „Ich merkte nach dem Heimkommen öfter, dass zwischen denen irgendwie ,dicke Luft‘ herrschte, gesagt haben die beiden mir aber nichts. Dann sei sein Verhalten immer merkwürdiger geworden, er habe sie heimlich mit dem Handy (im Blumentopf versteckt) im Bad gefilmt.

Zum großen Knall kam es  im Herbst  2018, als sich der Angeklagte, ein durchtrainierter Amateurboxer, mit einem Küchenmesser umbringen wollte. Es folgten Ärger mit der Polizei und Sanitätern, die er angriff, und dann seine Einweisung in die Psychiatrie nach Gerolstein. Dies war das Ende des gemeinsamen Zusammenlebens. Nach dem Klinikaufenthalt zog der Angeklagte  in eine eigene Wohnung in Bitburg. Die Mutter: „Erst fragte meine Tochter, ob er wirklich nicht mehr zurückkomme.“ Danach sei das Mädchen mit immer mehr Details herausgerückt, „obwohl ich ihr erst die Würmer aus der Nase ziehen musste“. Sie habe  sich erst verweigert,  vor der Polizei auszusagen. „Sie hat sich seither zum Positiven entwickelt“, sagt die Zeugin, aber ihre Zimmertür müsse in der Nacht zu sein und im Bad schließe sie sich ein. Ihre Begründung damals,  warum sie sich nicht früher der Mutter anvertraut habe: „Ich wollte nicht, dass ihr euch wegen mir trennt.“

Die Verhandlung wird am 20. August, 9 Uhr, fortgesetzt.

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