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Ein alter Bekannter kehrt zurück

Ein alter Bekannter kehrt zurück

Ende Juni wurde ein Gänsegeier beim Eifelort Ferschweiler gesehen. Seit 150 Jahren ist der Großvogel in Deutschland ausgestorben. Sein Auftauchen ist ein Alarmsignal. Die Großvögel sind in akuter Gefahr. Sie sind aufgrund einer drastischen Nahrungsverknappung in den Brutgebieten Südeuropas am Verhungern. Der Naturschutzbund (NABU) bittet um Meldung von Sichtungen.

Ferschweiler. (red) Fünf Tage hielt sich der Gänsegeier in der Nähe der Schafherde des hauptberuflichen Schäfers Günther Czerkus auf. Zur Biotop-Pflege weideten seine Tiere in einem Wasserschutzgebiet bei Ferschweiler. "Aufgrund des milden Winters haben die Schafe Ende Juni zum zweiten Mal in diesem Jahr gelammt", erklärt der aus Wallendorf stammende Schäfer. 300 Lämmer wurden in dieser Zeit geboren. Der Geier fraß sich an den Nachgeburten satt. Danach zog er weiter.Gänsegeier sind seit 150 Jahren in Deutschland ausgestorben. Seit einigen Jahren werden die Großvögel jedoch immer wieder einzeln oder in Gruppen über Deutschland gesichtet, in Rheinland-Pfalz zum Beispiel im April nahe Mainz. Der Hunger führt sie nach Norden

"Die Rückkehr der in Deutschland ausgestorbenen Vögel ist kein gutes Zeichen", erläutert Michael Hahn, Ornithologe vom Nabu Südeifel. Den großen Aasfressern geht in ihren südeuropäischen Brutgebieten immer mehr die Nahrung aus, der Hunger führt sie dann über mehr als tausend Kilometer nach Norden. Der Grund: Die 2002 von der EU in Kraft getretene Hygieneverordnung zur Vorsorge gegen BSE führte vor allem in Spanien zur Schließung tausender traditioneller Tierkadaver-Sammelstellen. Dort haben bislang die Geier für eine hygienische Beseitigung der Tierkadaver gesorgt. Gänsegeier sind reine Aasfresser, für die Jagd auf lebende Tiere sind sie nicht wendig genug. Im Mittelalter waren sie noch verbreitet und brüteten auch im Süden Deutschlands, selbst an Mittelrhein und Mosel. "Oft folgten sie den großen Schafherden und erfüllten als natürliche Kadaverbeseitiger eine wichtige Aufgabe", soHahn. Als zur Seuchenbekämpfung Tierkadaver aber nicht mehr auf den Weiden liegen gelassen wurden, entzog dies den Geiern die Nahrungsgrundlage. Jagd und Vergiftungsaktionen taten ihr übriges.Heute besiedelt der Gänsegeier eine Zone von der Iberischen Halbinsel über den Balkan und die Türkei bis nach Arabien, den Iran, Nordindien und die Mongolei. Dank Schutz- und Fütterungsprogrammen haben sich seit 1980 die Gänsegeier vor allem in Spanien wieder deutlich vermehrt. Dort kommen heute rund 22 000 Brutpaare vor. Weitere europäische Vorkommen sind in Portugal, in Griechenland, in der Türkei sowie in den Balkanstaaten. Aufgrund erfolgreicher Auswilderungen in den Pyrenäen und den Cevennen sind sie auch in Frankreich wieder heimisch.Zum Schutz der europäischen Geier wurde vom Naturschutzbund ein Strategiepapier entwickelt. "Der Nabu schlägt neben einer Verbesserung der europäischen Gesetzesgrundlage die Einrichtung großflächiger Weidegebiete an geeigneten Orten in Deutschland und deren geierfreundliche Entwicklung vor", erklärt Michael Hahn.Meldungen von Beobachtungen des mit einer Flügelspannweite von knapp drei Metern imposanten Gänsegeiers nimmt Michael Hahn vom Nabu Südeifel, Telefon 06525/933443, michael_ hahn@eifel-net.de, entgegen. Von Interesse sind neben Anzahl, Datum, Uhrzeit, Ort, Beobachter/Quelle auch Angaben zu Zugrichtung/Rast, Verhalten und Alter sowie Fotodokumente.