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Ein Aufruf an die Vernunft

Ein Aufruf an die Vernunft

Seit 30 Tagen Gefangener von Unbekannten: Die Bewohner des Rittersdorfer Baugebiets Damesberg vermissen ihr Damesbergmännchen.

Die 1500-Seelen-Gemeinde Rittersdorf wird von einem Entführungsfall in Atem gehalten. Täter und Motiv: völlig unklar. Das Opfer: das Damesbergmännchen. Immerhin über den Zeitpunkt der Tat weiß man grob Bescheid: Die 80 Zentimeter große Kunststofffigur sei in der Silvesternacht verschwunden, berichtet ein Anwohner. "Am Mittag war es auf jeden Fall noch an seinem Platz - und am nächsten Tag dann fort."

Das Damesbergmännchen hatte Zeit seines Lebens die Autofahrer auf der K 67 auf Höhe der Einmündung zum Damesberg auf spielende Kinder aufmerksam gemacht. Hier gilt Tempo 50, die Autos brausen auf der geraden Stecke zügig vorbei. Viele Kinder seien auf und an der Straße unterwegs, berichtet der Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte. Eine gefährliche Verkehrssituation für die nicht immer hundertprozentig verkehrssicheren Heranwachsenden. Angeschafft worden sei das Damesbergmännchen von den Bewohnern des Damesbergs, die 2015 Geld zusammenlegten, um die 60 Euro teure Figur bei einem Internetversandhaus zu kaufen - mit Wissen und Zustimmung des Ortsbürgermeisters Walter Heyen, der aber ebenso wie alle anderen ratlos ist, wer das Männchen gestohlen haben könnte, und vor allem: warum.

Mit einem Aufruf an den oder die Täter auf der Internetseite des Ortes versucht man nun, das Männchen zurückzubekommen. "Im Laufe unseres Lebens haben wir gelernt, was richtig und was falsch ist", heißt es in dem Aufruf. Weiter: "Und das Wichtigste ist, dass man Fehler auch wieder gut machen kann. Vorausgesetzt, man hat den Schneid dazu."

Ein Anwohner auf dem Damesberg vermutet hinter der Tat jugendlichen Übermut, einen schlechten Scherz oder reine Lust an der Zerstörung im vom Alkoholdampf der Silvesternacht vernebelten Gehirn. Das Männchen sei auf einem Eichenholz festgeschraubt gewesen, sagt er. Zwar habe man Spuren von einem Auto am Standort entdeckt, doch wenn die Figur einem unvorsichtigen Autofahrer zum Opfer gefallen wäre, hätte man Bruchstücke oder Überreste der Figur gefunden. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Das gelbe Damesbergmännchen ist und bleibt mit (Plastik-)Haut und (imaginären) Haaren spurlos verschwunden.

Ortsbürgermeister Walter Heyen bezweifelt, ob über den freundlichen Aufruf im Internet hinaus viel getan werden kann: "Es macht in so einem Fall kaum Sinn, die Polizei einzuschalten. Der Sachwert der Figur an sich ist ja sehr gering. Und über Täter und Motiv kann man nur Vermutungen anstellen." Also bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten. Und zu hoffen, dass der Entführer ein Herz zeigt und das Damesbergmännchen wieder an seinen alten Platz bringt.

Der Aufruf an die Entführer des Damesbergmännchens ist i m Internet auf der Seite der Ortsgemeinde Rittersdorf nachzulesen .Kommentar

Mehr als nur Sachschaden

Man kann es den Anwohnern auf dem Damesberg nur wünschen, dass die Figur wieder auftaucht. Hier wurde mehr als nur finanzieller Schaden angerichtet, es geht im Endeffekt nicht um ein paar Euro Sachschaden: Hier wurde das Verantwortungsbewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl der Anwohner für die Gemeinde und die Mitmenschen mit Füßen getreten - völlig ohne Sinn und Verstand. d.falkner@volksfreund.de