Ein Ausbau, der die Stadt Speicher verändert

Regionalentwicklung : Ein Ausbau, der die Stadt Speicher verändert

Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) will zwei Hauptverkehrsadern in Speicher sanieren. Rund 3,4 Millionen Euro sollen in der Kapellenstraße und der Lindenstraße verbaut werden. Jetzt sind die Planer ein paar Schritte weiter.

Der Töpfer hat die Kapellenstraße seit Jahren im Blick. Und der Mann mit der Keramik im Rucksack wendet den Kopf wohl nur deshalb nicht ab, weil er ihn nicht drehen kann. Die Statue am Markt würde mit Sicherheit nicht so entspannt auf der Bank sitzen, wenn sie die Risse und Schlaglöcher in der Speicherer Hauptverkehrsader sehen könnte.

Mehr als 45 Jahre haben Reifenspuren hinterlassen. So lange liegt der Bau der L 39 zurück. Die Strecke wird zwar kaum von Lastwagen befahren. Aber fast jeder, der durch die Töpferstadt will, muss über die Holperpiste, die vom Bahnhof bis zum Ortsausgang Richtung Herforst führt. Und so kommt es, dass inzwischen täglich rund 6000 Autos über die Kapellenstraße brettern.

Damit die auch weiterhin sicher fahren, plant der Landesbetrieb Mobilität in Gerolstein (LBM), die Strecke umfassend zu sanieren (der TV berichtete). Und auch die L 36, die in Speicher Lindenstraße heißt, soll generalüberholt werden. Deren Zustand ist nach Ansicht der Straßenplaner sogar noch schlimmer. Wer Richtung Philippsheim will, muss seit Jahren auf seine Achsen aufpassen.

Doch nicht nur eine neue Deckschicht sollen die beiden Verbindungen bekommen. Auch Verkehrsinseln, Verschwenkungen und Grünflächen sind geplant. Mit Kosten von 3,4 Millionen Euro ist es der teuerste und umfangreichste Straßenausbau in der Töpferstadt seit Jahren. Und noch ist nicht klar, was die Gehwege, Straßenlaternen und Kanäle kosten werden, die die Verbandsgemeinde zahlen muss, die neuen Netzanschlüsse, die die Kreisverwaltung hier im Boden versenken will. „Wenn die Straßen fertig sind, wird Speicher nicht mehr wiederzuerkennen sein“, fasst VG-Bürgermeister Manfred Rodens zusammen.

Bis es soweit ist, könnte es dauern. Denn weil so viele Kommunen und Behörden bei dem Projekt mitwirken, muss alles von langer Hand geplant sein. Langsam wird das Vorhaben aber konkreter. So ist inzwischen klar, dass die Lindenstraße zuerst drankommt, bevor es an die Kapellenstraße geht. Auf Wunsch des Stadtrats wird die Lindenbaumallee, die der Straße ihren Namen gibt, erhalten bleiben. Kranke Bäume sollen ersetzt werden.

Baubeginn ist laut Helmut Bell, Leiter der Planungsabteilung des LBM, „frühestens 2020, sofern Haushaltsmittel zur Verfügung stehen“. Dann soll aber zusammen mit der Lindenstraße auch gleich die Maarstraße Richtung Rothaus saniert werden. Hier wird es aber mit einer neuen Asphaltschicht getan sein, schätzt Bell.

Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind, können die Bagger an der L 39 rollen. Denn während die Kappellenstraße zur Baustelle wird, soll die L 36 als Umleitung dienen. Die Planung für die Hauptstraße erstreckt sich auf 1,5 Kilometern vom Ortsausgang Richtung Herforst bis zur Einmündung in den Weilerweg. So viel wie ursprünglich angedacht wird sich dort aber nicht ändern, schreibt Bell. Ein vorgesehener Kreisverkehr an der Einmündung der Maarstraße in die Kappellenstraße sei „aus mehreren Gründen nicht umsetzbar“, meint der Leiter der Planungsabteilung. Auch der Engpass am „Strunksecken“, also etwa an der Stelle auf die die Statue schaut, werde „nur geringfügig optimiert“. Weil dort für eine breitere Fahrbahn und Gehwege kein Platz bleibe.

Viel Platz ist hingegen beim Gewerbegebiet am Ortsausgang nach Herforst. Hier spricht Bell von einer „überbreiten Landesstraße“, die eine Linksabbiegerspur für Supermarktkunden möglich macht. Aber auch für die Besucher des gegenüberliegenden Friedshofs soll es sicherer werden. Der LBM plant an der Ruhestätte drei neue Parkplätze, zwei Zebrastreifen und eine Fahrbahnverschwenkung, die Raser stoppen soll.

Die Bagger werden dann noch ein Stückchen weiterrollen, bis zur Einmündung der Kreisstraße 40 Richtung Beilingen. Auch dieser 700 Meter lange Streckenabschnitt soll in einem Zug auf Vordermann gebracht werden.

Insgesamt ist der LBM in den nächsten Jahren also an 3,8 Kilometern Straße in und rund um Speicher im Einsatz. Wenn die alte Statue am Markt das alles sehen könnte, würde sie sicher lächeln.

Mehr von Volksfreund