Ein Badesee in Echternach entsteht

Kostenpflichtiger Inhalt: Natursee : Ein Badesee in Echternach entsteht

Bald dürfen Besucher im Echternacher See baden. Nur noch wenige Hürden gilt es zu überwinden.

Ein rechteckig geformtes Boot fährt langsam brummend durch den nasskalten Winternebel auf dem Echternacher See. Vorne hängt ein dicker Schlauch ins Wasser, wie von einem übergroßen Staubsauger. Doch nicht Staub, sondern nassen Schlamm zieht das Sauggerät gluckernd vom Grund des Sees ab. Das Boot schwankt. Der Mann, der auf dem Boot sitzt, trägt Ohrenschützer und eine dicke Jacke. Anhand von GPS-Daten weiß er, wo er schon gefahren ist.

Ein Bild, das Anfang nächsten Jahres in den Morgenstunden am Echternacher See einige Male zu beobachten sein wird. Zwei Wochen lang soll der See an zwei der insgesamt 27 Hektar Wasseroberfläche entschlammt werden. Rund 200 000 Euro kostet das die Stadt Echternach. Vorher will sie noch einen Damm auf der Wiese zur Naturschutzzone hin bauen, der das Schlammsammelbecken – das sogenannte Spülfeld – absichern soll.

Der Grund: Im entschlammten Bereich des Echternacher Sees soll bald gebadet werden können, ohne dass die Schwimmer durch bis zu 40 Zentimeter tiefen Matsch waten müssen. „Offiziell wird der See zum Baden freigegeben, wenn die nötigen Infrastruktur-Arbeiten fertiggestellt sind“, kündigt Ben Scheuer, seit 2011 Erster Schöffe der Stadt Echternach, an. Mit nötiger Infrastruktur meint er außer dem Damm beispielsweise den zusätzlichen Parkplatz, der neben der Jugendherberge entstehen soll.

Der blau markierte Bereich soll Anfang kommenden Jahres entschlammt werden und später als Badebereich ausgewiesen werden. Grafik: Stadt Echternach/Johannes Schramm. Foto: TV/Schramm, Johannes

Und dann sind da noch die Wasserproben, die das Wasserwirtschaftsamt Luxemburg seit 2017 nimmt und die im Jahr 2020 endlich vollständig sein könnten. Denn bisher ist es nicht erlaubt, im Echternacher See zu schwimmen, weil er nicht als offizielles Badegewässer ausgewiesen ist.

Nach Angaben des Wasserwirtschaftsamtes ist der See im Osten das „zweitgrößte stehende Gewässer in Luxemburg nach dem Stausee Obersauer“. Er wurde Mitte der 70er Jahre künstlich angelegt. Der See wird vom Lauterbuererbach eingespeist, war aber nie ein offizielles Badegewässer.

Seit 2014 versucht die Stadt Echternach nun, das Baden im See zu ermöglichen. Doch das luxemburgische Umweltministerium hat strenge Auflagen, wie die Wasserqualität geprüft werden soll (der TV berichtete). „Die Wasserqualität des Sees ist immer gut gewesen“, sagt Scheuer, denn man habe es über 20 Jahre regelmäßig analysieren lassen.

Im Jahr 2017 hat die Gemeinde dann ein Gutachten vom Luxemburger Umweltministerium bekommen, welches die Maßnahmen zur Anerkennung als Badesee beschreibt. So erzählte es Bürgermeister Yves Wengler dem Volksfreund 2017. Nach einer Anhörung im Umweltministerium damals bekamen die Anwesenden den „Rapport“ in die Hand gedrückt, der besagte: Die seit 2014 einmal jährlich von der Gemeinde entnommenen Proben reichten nicht. Es musste praktisch noch einmal bei null angefangen werden.

Auch Tretbote kann man am Echternacher See mieten. Foto: TV/Katharina Fäßler

Drei Jahre lang werden nun an drei klar definierten Messstellen am Rand und mitten im See Proben genommen, um sicherzustellen, dass sich keine Krankheitserreger im zukünftigen Badewasser befinden. Die seither gemessene Qualität des Wassers sei weiterhin gut, so Scheuer.

Der Schlamm, der nun zusätzlich entfernt wird, sei unbelastet und seine Entfernung habe nichts mit der Wasserqualität zu tun, erklärt der Schöffe Scheuer. Er habe sich lediglich über die Jahre angesammelt und mache das Wasser sehr trüb.

Die Jugendherberge Echternach liegt direkt am See. Sie bietet Gästen eine Indoor-Kletterwand mit Boulderbereich, eine Sporthalle und am See einen Trampolinpark. Foto: TV/Katharina Fäßler

Der See wird durch das Absaugen auch nicht unbedingt tiefer. Etwa 20 bis 40 Zentimeter, insgesamt 10 000 Kubikmeter Schlamm, soll eine darauf spezialisierte holländische Firma entfernen. Scheuer wurde versichert, dass das ungefährlich für Fische und Krebse sei. Carole Zeimetz, die Vorsitzende der grünen Partei „déi gréng“ in Echternach, sagt dazu: „Wir haben das Thema bisher im Gemeinderat noch nicht besprochen und hoffen, bald mehr Informationen dazu zu bekommen. Bisher scheinen die Brutzeiten der Vögel im Zeitplan der Entschlammung aber berücksichtigt zu werden.“

Insgesamt wollen die Grünen am Echternacher See einen Teil des Sees ganz der Natur überlassen, dem stehe die Nutzung von zwei Hektar Badegebiet aber erst einmal nicht im Wege. Die Genehmigung zur Entschlammung liegt derzeit aber noch beim Umweltministerium des Landes, das von der Grünen Carole Dieschbourg geführt wird. Deshalb kann noch nicht genau gesagt werden, wann die Bauarbeiten am Damm und die Entschlammung beginnen.

Und wie könnte so ein Strandbad spätestens 2021 aussehen? „Es gibt noch keine genauen Pläne, wie das Gelände umgestaltet wird“, sagt Scheuer. Sicher sei aber: „Es werden dafür keine Bäume gefällt.“

Und sonst? Schlammfreie Zugänge in den See, soweit so klar, aber auch Liegewiesen sollen an der Badestelle entstehen. Eintritt wird das Baden im See voraussichtlich nicht kosten, da der Bereich schwer abzugrenzen sei, so Scheuer.

Das wird auch den einen oder anderen Schwimmer aus dem Eifelkreis freuen, denn außer den Maaren gibt es in der Region nur wenige Naturseen, in denen geschwommen werden darf. Vorerst liegt der Echternacher See aber noch ruhig und wie unberührt im herbstlichen Morgennebel.

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