1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Ein bayerischer Bierbrauer in Bitburg

Ein bayerischer Bierbrauer in Bitburg

Rudolf Wahl ist Braumeister mit Leib und Seele und sein Arbeitsplatz ein unauffälliges Büro in der Bitburger Brauerei. In der von Edelstahl dominierten Kulisse der modernen Abfüllanlage wirkt seine Arbeitskluft - eine lederne Kniebundhose und eine grüne Weste - wie ein Farbtupfer aus längst vergangener Zeit.

Bitburg. "Ich stamme aus einer Brauereifamilie", erzählt Rudolf Wahl. "Schon als kleiner Junge habe ich meinem Großvater bei der Arbeit zugeschaut." Nicht nur die Lederhose, der ganze Mann ist authentisch: Die Antworten kommen im schönsten Dialekt daher - doch rein bayerisch klingt es nicht. "Ich stamme aus Dillingen an der Donau. Wir sind Schwaben, gehören aber zu den Bayern, weil die uns vor langer Zeit geerbt haben", sagt der Braumeister lachend.
Seine Lehre als Brauer und Mälzer hat Rudolf Wahl nicht im elterlichen Betrieb absolviert, sondern bei einer Brauerei in Mittelfranken. Nach seiner Bundeswehrzeit studierte er in Weihenstephan. "Der Studiengang nennt sich Brauwesen und Getränketechnologie und schließt mit einem Ingenieur-Diplom ab", sagt Wahl. Wer bei dem Ortsnamen Weihenstephan, einer Außenstelle der Technischen Universität München, nur an die Herstellung des von dort stammenden weltberühmten Weizenbiers denkt, liege falsch, erklärt der 39-jährige Wahl-Bitburger: "Der Schwerpunkt liegt natürlich auf dem Bier, aber es geht um die Getränketechnologie insgesamt - also auch um Mineralwasser, Limonade, Wein und Spirituosen."
Da es diesen Studiengang nur in Weihenstephan und in Berlin gebe, sei die Brauereiszene recht übersichtlich, man kenne sich untereinander, Kontakte gebe es auch innerhalb großer Konkurrenzunternehmen.
Die familieneigene Brauerei in Dillingen stellte ihren Betrieb während Wahls Studium ein, und der angehende Diplom-Ingenieur bewarb sich auf eine Stellenanzeige der Bitburger Brauerei. "Ich hegte keine großen Erwartungen, aber irgendwann musste ich ja mit den Bewerbungen anfangen", erzählt er. Zu seiner Überraschung landete eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in seinem Briefkasten.
"Ich habe die Chance wahrgenommen, die Stelle in Bitburg zu bekommen, und bin nach wie vor begeistert, hier zu arbeiten - und das seit zwölf Jahren."
Nach einigen Positionswechseln innerhalb der Bitburger Brauerei ist Rudolf Wahl mit seinen 170 Mitarbeitern für die Filtration des Biers und für die Abfüllung zuständig. "In solch einer großen Brauerei läuft die Produktion im Team - ein einzelner Braumeister kann nicht für alle Bereiche, wie etwa den Einkauf der Rohstoffe, die Herstellung des Bieres und auch noch die Abfüllung verantwortlich sein."
Auch als Privatmensch fühlt sich der Junggeselle in Bitburg wohl. "Ich komme aus einer Kleinstadt und habe also kein Problem, in einer ländlichen Umgebung zu leben", sagt er. Man müsse eben selbst die Initiative ergreifen und auf die Menschen zugehen - für ihn sei das kein Hindernis.
"Vereine sind ein großes Thema. Wir haben hier den ältesten Brauerei-Chor Deutschlands. Im vergangenen Jahr haben wir den 80. Geburtstag gefeiert. Ich singe mit, und mittlerweile habe ich es bis zum Vorsitzenden gebracht", sagt er lachend.
Es bleibt noch die Frage nach dem Lieblingsgetränk des bayerischen Schwaben: "Morgens Milch, mittags Wasser, abends Bitburger", kommt die prompte Antwort.
Extra

Rudolf Wahl wurde am 15. Februar 1973 in Dillingen/Donau in einer Brauereifamilie geboren. Seine Lehre als Brauer und Mälzer absolvierte er in Mittelfranken, bevor er Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan studierte und als Diplom-Ingenieur abschloss. Seit zwölf Jahren ist er Braumeister bei der Bitburger Brauerei und für die Filtration und Abfüllung zuständig. Wahl ist eines von rund 3000 Mitgliedern des Deutschen Brau- und Malzmeisterbunds. In Deutschland sind 1300 Brauereien in Betrieb. now