Ein bisschen verrückt

SCHLEIDWEILER. Kurioses Hobby, ein menschlicher Typ, eben ein Dorforiginal im positiven Sinn: Edwin Keilen ist ein liebenswerter Mitbürger mit einer besonderen Passion: Er sammelt Dreschmaschinen. Und grundehrlich ist er auch. "Ich war mal ganz daneben. Heute weiß ich, was ich will."

Der 65-jährige Edwin Keilen, der in Schleidweiler (Landkreis Trier-Saarburg) wohnt, ist Junggeselle ("Ich hatte mal Pech in der Liebe"), pflegt ein außergewöhnliches Hobby und gilt als freundlicher und hilfsbereiter Mitbürger. "Seit 51 Jahren bin ich als Sägewerker tätig. Als ich 14 war, ging das Ganze los", erinnert sich Keilen, der eine karge Jugendzeit erlebt hat: "Ich hing meiner Mutter am Kittel und ging später zur Bundeswehr, wo ich mein Hobby entdeckt habe." In der Nähe von Darmstadt übermannte es ihn, nachdem er mit 20 Jahren seinen Dienst beim "Bund" geleistet hatte. Er geriet in eine Schreinerei und entdeckte seine neue Leidenschaft: die Liebe zu landwirtschaftlichen Geräten. "Ich bastelte die ersten kleinen Dreschmaschinen aus Spaß", erinnert sich Keilen. "Aus dem Kopf baute ich weiterhin einen Lanz aus dem Jahre 1934 nach", sagt der Tüftler. Ein Patent hat er nie angemeldet, doch das passt zu Edwin Keilen: Er ist bescheiden, ein hilfsbereiter Mann, der auch mal aushilft, wenn es in Scheidweiler "brennt". Etwa ein Dutzend Dreschmaschinen im Kleinformat sind es bis heute geworden: Die Kleinste misst gerade einmal zehn mal zehn Zentimeter, die Größte ist immerhin ein Meter mal 80 Zentimeter groß. Beschriftet sind sie alle mit "EHk" , den Initialien von Edwin Heinrich Keilen. Dahinter folgt eine Ziffer für die "Baujahr-Reihe". "Ein bisschen spinnen muss man schon", sagt der Hobbybastler, der auch einige Nachbildungen von Dampf-Lokomotiven gefertigt hat. Keilen: "Das sind Loks aus aller Herren Länder." Und Traktoren sammelt er - diese aber im Eins-zu Eins-Maßstab. Einen Deutz mit Kreissäge, dazu einen Zwölfer-Fendt, Baujahr 1958 nennt er sein eigen. Doch das Tollste ist: Edwin Keilen hat mal einen Traktor bei einer Tombola gewonnen: "Da hatte ich mal echtes Losglück in Piesport."Jede Menge Fanpost

Edwin Keilen ist ein humorvoller Zeitgenosse. Anlässlich einer Traktoren-Schau in Prüm sagt er: "Ich habe keine Zeit, um zum Friseur zu gehen." Der Rentner steckt voll im "Unruhestand" und hat Termine ohne Ende: "Fast täglich gibt es Fanpost sowie Einladungen und Glückwünsche." Und der Eifelliebhaber ergänzt: "Die kommt nach Schleidweiler, obwohl Zemmer unsere Hauptstadt ist." Edwin Keilen - ein ganzer Mann, ein uriger Typ. "Tja, man muss einfach ein bisschen spinnen mit diesem kuriosen Hobby" , sagt er: "Viele Zeitgenossen ärgern sich im Leben, sogar im Urlaub, reisen nach Honululu, kommen genervt nach Hause. Das kann mir nicht passieren. Mein Hobby hat durchaus einen Sinn und Ärger gibt es nicht." Der rüstiger Mittsechziger ist denn auch allerorts aktiv - besonders bei Ausstellungen. Ob im Saarland, in Belgien oder Holland, Edwin reist mit seinem VW-Bus an, packt seine Modelle aus, baut sie bei Ausstellungen liebevoll auf und bringt sie in Bewegung. Bis zu zehn Dreschmaschinen beginnen dann ihren "Tanz" auf der Fläche - mittendrin Keilen, der schraubt, ölt und schaut, dass alles passt. "Das Geknattere ist wie ein Lied", sagt er schmunzelnd . Ist Edwin Keilen wieder übers Wochenende auf Tour, schläft er in seinem Bus und vertreibt sich die freie Zeit mit Reparaturen an seinen Mini-Maschinchen. "Es ist wie eine Sucht", bekennt er offen. "Doch keine von der schlechten Art, die hatte ich früher mal." Humor ist Keilens Stärke und seine Ehrlichkeit: "Ja, ich hing mal an der Flasche, aber das ist fast 40 Jahre her - schreiben Sie es ruhig auf." Auf seiner Fensterbank vermittelt eine Modell-Dreschmaschine mit einer Stoffkatze, was Edwin Keilen seit Jahrzehnten in den Bann zieht: bäuerliches Arbeiten früher, seine Eifelheimat, die Achtung vor der Schöpfung und eben ein Stückchen heile Welt. EIN HOCH AUF DIE DORFORIGINALE: Kennen auch Sie ein echtes Original, einen dieser Menschen, die in ihrem Dorf nicht mehr wegzudenken sind, die überall mitanpacken, überall helfen die alles wissen und auch für alles gefragt werden? Schreiben Sie uns eine E-Mail mit ein paar Stichworten an d.schommer@volksfreund.de Wir bringen Dorforiginale groß raus.