Ein Blick in die Zukunft

Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Dennoch lässt sich erahnen, was den Eifelkreis im Jahr 2010 bewegen wird: Flugplätze, Schulen, Reformen, neue Köpfe, rollende Köpfe, ein großes Fest und Literatur. Eine Vorab-Analyse.

Bitburg/Prüm. Landkreise mögen eine Geburtsstunde haben. Dennoch fände sich wohl niemand, der ihnen ein Horoskop erstellt. Aus der Hand lesen fällt bei Kreisen wegen Handmangels flach. Karten legen, Kristallkugel gucken und Knochen würfeln sind einfach nicht seriös genug. Versuchen wir es also vernünftig: Was wird den Eifelkreis 2010 wohl bewegen?

Bewegen werden den Kreis 2010 sicher mal wieder die Flugzeuge. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass aus Spangdahlem eine F-16-Staffel mit den dazugehörigen 575 Soldaten abgezogen wird. Ebenfalls hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass an ihrer Stelle andere Flugzeuge und Soldaten in die Eifel kommen: Im Gespräch ist, die Airbase zum Luft-Drehkreuz auszubauen, wo die großen Transportmaschinen der US-Air-Force auf ihrem Weg zu den Krisenherden dieser Welt einen Zwischenstopp einlegen. Trotz hochfliegender Pläne ist wenig passiert



Mit weitaus weniger Bewegung ist am Flugplatz Bitburg zu rechnen. Für ihn gibt es zwar hochfliegende Pläne: Schon in wenigen Jahren will ein luxemburgischer Projektentwickler die ehemalige Airbase in einen richtigen Flughafen mit Werft, Frachtbetrieb und bis zu 2,5 Millionen Passagieren jährlich verwandelt haben. Finanzrahmen: 400 Millionen Euro oder auch mehr. Allerdings ist nach Bekanntwerden der Pläne weder viel passiert, was zu ihrer Realisierung beitragen würde, noch lässt sich ein Experte finden, der dem Projekt Aussicht auf Erfolg bescheinigt. Vermutlich wird es daher bei den bloßen Plänen bleiben - und der Projektentwickler so unauffällig wie möglich wieder in die Anonymität abtauchen, aus der das Projekt Bit-Airport ihn herauskatapultiert hatte.

Auch wenn das Scheitern der Flugplatz-Pläne für ihn ein weiterer herber Schlag wäre - wohl wieder aus der Versenkung auftauchen wird im Jahr 2010 der 2009 tief gestürzte CDU-Fürst Michael Billen. Er wird kämpfen: kämpfen um sein Landtagsmandat, kämpfen um seine Position im Eifelkreis Bitburg-Prüm, kämpfen um den Rest von Macht, der ihm geblieben ist. Ein Kampf mit offenem Ausgang, der aber in der Partei Spuren hinterlassen wird. Denn seine "Parteifreunde" haben ihn fallen gelassen. Nachdem bekanntwurde, dass er sich im Rahmen seiner Nürburgring-Recherche geheime Polizeidaten verschafft hatte, haben Landes- und Bezirks-CDU Billens Rücktritt von seinem Landtagsmandat gefordert, und selbst sein Kreisverband hat ihm das Vertrauen entzogen.

Der CDU-Vorstand im Kreis will 2010 einen neuen Kandidaten für die Landtagswahl 2011 aufstellen. Er wird Billen jedoch einbinden müssen, um zu verhindern, dass der Abgeordnete beim Nominierungs-Parteitag nicht doch seinen Hut in den Ring wirft. Dies würde dann den tiefen Riss, der durch die Bitburg-Prümer CDU geht, endgültig sichtbar machen. Fest steht, dass statt Billen der Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder den Vorsitz der Bezirks CDU übernehmen wird. Fest steht auch, dass nach der Wahl-Schlappe des Jahres 2009 und dem Fehltritt ihres ersten Mannes die Eifeler-CDU im Umbruch ist, der sich 2010 fortsetzen wird.

Zwar wird 2010 kein Superwahljahr. Doch hat der Erfolg, den Patrick Schnieder bei der Bundestagswahl verzeichnen konnte, Folgen: Die Verbandsgemeinde Arzfeld braucht einen neuen Bürgermeister. Die Wahl dürfte spannend werden. Schon jetzt sind sechs Kandidaten im Rennen. Dass zwei davon, Klaus Juchmes und Andreas Kruppert, aus einer in sich gespaltenen Arzfelder CDU stammen, bekräftigt das Bild einer Partei mit Personalproblemen.

In vielen der anderen Verbandsgemeinden und der Stadt Bitburg hingegen hat sich Mitte 2009 bereits entschieden, wer ab dem 1. Januar im Chefsessel sitzt. In den Verbandsgemeinden Irrel und Bitburg-Land sowie der Stadt Bitburg gibt es neue Bürgermeister und daher vielleicht auch neue Projekte, neue Schwerpunkte und neue Herangehensweisen. Für besonders viele Überraschungen dürfte der neue Landrat Joachim Streit gut sein - wie er an seinem zweiten Amtstag bereits mit beherztem Einschreiten demonstriert hat: Er besichtigte spontan die maroden Toiletten der Otto-Hahn-Realschule und versprach baldige Abhilfe.

Schulen bleiben ein wichtiges Thema



Ohnehin werden die Schulen auch 2010 ein wichtiges Thema sein: Viele von ihnen müssen - wie die Otto-Hahn-Realschule - dringend saniert werden. Für den Kreis ein Investitionspaket von rund 30 Millionen Euro. Auch die Zukunft der Schulstandorte wird den Kreis weiter beschäftigen: Das Ende der weiterführenden Schulen in Schönecken, Waxweiler, Daleiden Kyllburg und Mettendorf ist bereits besiegelt. Irrel und Speicher werden sich nach einem gescheiterten Versuch 2010 weiter bemühen, eine Integrierte Gesamtschule zu bekommen.

Ein ähnliches Dauerthema wie die Schulen ist die Kommunalreform. Drei Verbandsgemeinden des Eifelkreises stehen auf der Abschussliste des Innenministeriums: Sie sollen bis 2013 freiwillig mit anderen Kommunen verschmelzen, oder sie werden zwangsfusioniert. 2010 wird die Uni Trier erforschen, wer zu wem passen würde und ihre Ergebnisse in einer Studie präsentieren.

Doch gleichgültig, wie das Ergebnis auch ausfällt: Es ist damit zu rechnen, dass sich die Kommunalpolitiker die Köpfe heißreden. So trocken das Wort Kommunalreform klingen mag - so emotional ist das Thema. Denn niemand stutzt gerne seinen eigenen Kirchturm. Und es ist unwahrscheinlich, dass es der Uni gelingt, eine Lösung zu finden, mit der alle einverstanden sind.

Für wohl weniger explosiven Gesprächsstoff wird 2010 hingegen ein Großereignis sorgen, das seine Schatten vorauswirft: der Rheinland-Pfalz-Tag, der vom 27. bis 29. Mai 2011 in Prüm stattfinden wird.

Prüm ist auch die Heimatstadt Josef Zierdens, der der Eifel 2010 mal wieder zu einem angenehmen Großereignis verhelfen wird: dem Eifel-Literatur-Festival, das ab dem 23. April, dem Tag des Buches, hochkarätige Autoren in die Eifel lockt. Schon jetzt steht fest, dass Katja Riemann, Roger Willemsen, Richard David Precht, Sarah Kuttner und Inge Jens beim Festival dabei sein werden.

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