Ein Chef fehlt: Zwei Feuerwehren fusionieren

Ein Chef fehlt: Zwei Feuerwehren fusionieren

Der demografische Wandel hat erste Konsequenzen: Der Freiwilligen Feuerwehr in Seinsfeld fehlt ein qualifizierter Wehrführer und Stellvertreter. Um auch in Zukunft im Notfall helfen zu können, fusionieren im April die Wehren Seinsfeld und Kyllburgweiler.

Seinsfeld/Kyllburgweiler. Kommt es zu einem Brand, muss der Wehrführer seine Feuerwehrmannschaft koordinieren. Er muss die Stärken und Schwächen seines Teams kennen, um im Notfall schnellstmöglich zu reagieren. Diese Aufgaben hat in Seinsfeld bisher Stefan Densborn übernommen. Da ihm jedoch die erforderliche Ausbildung fehlt, kann er die Wehr zukünftig nicht weiter führen. So steht es in der Feuerwehrverordnung Rheinland-Pfalz. In Deutschland benötigt jede freiwillige Feuerwehr einen qualifizierten Wehrführer und Stellvertreter. Der Freiwilligen Feuerwehr in Seinsfeld fehlen beide. Dies ist auf Dauer gesetzlich nicht haltbar. "Aus beruflichen Gründen ist es für mich schwierig, die lange Ausbildung zum Wehrführer zu absolvieren", sagt Densborn. Denn die rund 175 Stunden lange Ausbildung zum Wehrführer findet in Vollzeit an der Landesfeuerwehrschule in Koblenz statt. Das größte Problem ist aber, dass die Wehr in Seinsfeld nur aus acht aktiven Feuerwehrleuten besteht. Aufgrund der personalen Engpässe könnte er auch nach einem Lehrgang kaum effizient arbeiten.Um auch in Zukunft eine Feuerwehr vor Ort zu erhalten, führt die Feuerwehr Seinsfeld seit vergangenem Jahr Gespräche mit der Wehr in Kyllburgweiler über eine organisatorische Zusammenlegung. Diese wurde laut Bernd Spindler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kyllburg (VG), in vielen Gesprächen vorbereitet. Dabei war viel Zeit und Überzeugungskraft notwendig: "Ich bin sehr glücklich darüber, dass die Gespräche zu einem Ergebnis mit breiter Akzeptanz bei allen Beteiligten geführt haben", sagte Spindler in der jüngsten Verbandsgemeinderatssitzung. Die Freiwillige Feuerwehr in Kyllburgweiler besteht derzeit aus zehn aktiven Wehrmännern. Ihr Wehrleiter Klaus-Josef Krisor wird in Zukunft auch für Seinsfeld zuständig sein. "Die Führungsstruktur der Feuerwehr Kyllburgweiler bleibt weiter bestehen. Wir werden die Wehrmänner aus Seinsfeld in diese eingliedern", sagt Krisor. In beiden Orten werden die Standorte vorerst erhalten bleiben. Im Hinblick auf Ausstattung und Ausrüstung sind keine Veränderungen vorgesehen. "In Zukunft werden wir jedoch gemeinsam üben, damit wir im Notfall als Team agieren", so Krisor. Die Zusammenlegung der Wehren ist für April geplant.Bernd Spindler, oberster Dienstherr der Feuerwehren in der VG Kyllburg, ist der Erhalt der Wehren in den kleinen Dörfern sehr wichtig: "Wir wollen auch künftig schlagkräftige und zukunftsfähige Feuerwehren in unseren Dörfern einsetzen können. Deshalb ist eine solche Zusammenlegung sehr sinnvoll." Seinsfeld kein Einzelfall

Unter den 20 Feuerwehren der Verbandsgemeinde, in der es 380 Feuerwehrleute gibt, wird Seinsfeld kein Einzelfall bleiben. "Wer in die Zukunft schaut, erkennt Handlungsbedarf in verschiedenen Feuerwehren", so Spindler. Denn die gesetzlichen Anforderungen an Führungskräfte - wie Fach- und Führungswissen oder Einsatzerfahrung - können nicht immer erfüllt werden. Die Situation wird sich durch den demografischen Wandel weiter verschlechtern. Neben Seinsfeld wird auch schon in Usch und Zendscheid über eine organisatorische Zusammenlegung nachgedacht. Für Stefan Densborn ist eine Fusion "die optimale Lösung, mit der die Zukunft dieser kleinen Feuerwehren gesichert ist".Extra

.... Wolfgang Rütz, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Bitburg-Prüm. Welche Bedeutung haben die Feuerwehren in den kleinen Ortschaften? Rütz: In vielen Orten ist die Feuerwehr noch der einzige ortsansässige Verein: Das kulturelle Gemeinschaftsleben und die Brauchtumspflege würden zusammenbrechen, wenn es in den Dörfern keine eigene Feuerwehr mehr gibt. Gerade deshalb ist der Erhalt der Wehren vor Ort sehr wichtig! Nun werden aber ja beispielsweise die Wehren in Seinsfeld und Kyllburgweiler zusammengelegt. Was halten Sie davon? Rütz: Eine Zusammenlegung von Freiwilligen Feuerwehren, besonders in Dörfern, ist sehr sinnvoll. Es werden Anschaffungskosten eingespart und die Effektivität ist auf längeren Zeitraum gesichert. Glauben Sie, dass das ein Einzelfall ist, oder wird es in Zukunft noch weitere Fusionen geben? Rütz: Eine solche Zusammenarbeit wird es auf kurz oder lang auf dem Land immer häufiger geben. Viele aktive Feuerwehrleute werden altersbedingt aufhören. Andere sind aus beruflichen Gründen nur am Wochenende in der Feuerwehr aktiv. Damit die Freiwilligen Feuerwehren auch unter der Woche einsatzbereit sind, müssen in Zukunft auch andere Wehren zusammenarbeiten. maba