Ein deutlicher Denkzettel

37,6 Prozent. Eine Zahl, die erschreckend ist – besagt sie doch, dass ein Großteil der Wahlberechtigten im Landkreis Vulkaneifel am vergangenen Sonntag darauf verzichtete, einem der beiden Bewerber für das Landratsamt die Stimme zu geben. Fast zwei Drittel enthielten sich, indem sie gar nicht erst zur Urne gingen: eine katastrophale Wahlbeteiligung, daran gibt es nichts zu deuteln.

Deswegen allerdings, wie in der Folge im Vulkaneifelkreis zum Teil geschehen, gleich die Direktwahl von Landräten infrage zu stellen, ist verfehlt. Eher sollte zu denken geben, dass bei den vergangenen beiden Landratswahlen im Kreis Bernkastel-Wittlich wie auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm jeweils eine Wahlbeteiligung von mehr als 60 Prozent erreicht wurde.

Dies zeigt, dass viele Bürger sehr wohl ihre Gestaltungsmöglichkeiten im Rahmen der direkten Demokratie ernst nehmen: Auch die Beteiligung an den Kommunalwahlen, die zwar an Eifel und Mosel seit Anfang der 1980er stetig zurückgeht, aber in den Landkreisen Vulkaneifel, Bernkastel-Wittlich sowie im Eifelkreis immer noch bei mehr als 60 Prozent liegt, beweist das.

Bei der desaströsen Wahlbeteiligung im Landkreis Vulkaneifel spielte vergangenes Wochenende sicherlich auch eine Rolle, dass "nur" ein Landrat gewählt wurde und nicht gleichzeitig noch andere Wahlen, etwa für den Kreis-, Land- oder Bundestag stattfanden. Aber allein damit lässt sich das Desinteresse der Vulkaneifel-Bürger nicht erklären. Viel eher schon mit dem vergifteten politischen Klima, das in den vergangenen Monaten im Kreis herrschte. Die Nichtwähler waren der ewigen Streitereien und Anfeindungen überdrüssig und haben den Akteuren vor Ort mit ihrer Weigerung, zur Urne zu gehen, einen deutlichen Denkzettel verpasst.

Wenn dies dazu führt, dass die politisch Verantwortlichen nun anfangen, ihr bisheriges Tun zu hinterfragen und sich künftig in ihrer Arbeit wieder mehr an den Menschen und ihren tatsächlichen Sorgen und Nöten orientieren, dann kann auch eine niedrige Wahlbeteiligung ihren Sinn haben.

Zu wünschen wäre es auf jeden Fall.