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Ein Dorf, ein Geschäft und jede Menge Plätzchen

Ein Dorf, ein Geschäft und jede Menge Plätzchen

Das ist eine Erfolgsgeschichte: 2015 feiert der Mettericher Dorfladen sein 20-jähriges Bestehen. Gäbe es ihn nicht, würden das in diesem Jahr zwei Personen in Bamberg und Neuseeland besonders zu spüren bekommen.

Metterich. Heute Morgen hat Frau Arnoldi nicht viel auf der Liste. Eigentlich ist sie nur wegen des Pakets gekommen. Das Paket mit den selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen, das nach Bamberg geht, zu ihrem Enkel. Frau Arnoldi macht das jedes Jahr. Immer in der Vorweihnachtszeit, da verschickt sie Plätzchenpakete. Eins nach Bamberg, eins nach München und eins, und darauf ist sie besonders stolz, eins bis nach Neuseeland. "Auch da lebt ein Enkel von mir", erzählt sie. Dieses Paket ist schon länger unterwegs, sie hat es vor Wochen losgeschickt, "das braucht ja sehr lange bis nach Neuseeland". Frau Arnoldi heißt mit Vornamen Katharina. Sie ist 86 Jahre alt. Seit Jahrzehnten lebt sie in Metterich.
Überwiegend ältere Menschen


Einem Ort, in dem knapp 500 Menschen leben. Kein Bäcker, kein Metzger: Aber um die Zutaten für ihre Weihnachtsplätzchen kaufen zu können, muss Katharina Arnoldi ihren Heimatort nicht verlassen.
Denn Metterich hat einen Dorfladen. "Das ist ein Segen für uns hier", sagt die Seniorin. "Ich kriege hier alles, was ich zum Leben brauche." Obst, Käse, Wurst, Getränke, alles ist im Laden an der Erdorfer Straße 2 zu haben - außerdem gibt es eine Postannahmestelle.
"Der Dorfladen macht es mir möglich, weiter selbstständig zu leben. Wenn es ihn nicht geben würde, müsste ich immer meine Tochter bitten, mich nach Bitburg zu fahren."
Seit 1995 besteht die Einkaufsmöglichkeit im Herzen von Metterich. In wenigen Wochen feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund ist in den vergangenen Wochen einiges passiert. "Wir haben dem Innenraum neue Farbe verpasst, neue Regale gekauft und den Verkaufsraum umgestaltet", erzählt Carmen Jutz. Sie ist eine von zwei Geschäftsführern des Dorfladens. Der zweite ist Metterichs Ortsbürgermeister Rainer Wirtz.
Carmen Jutz und vier weitere Frauen arbeiten von montags bis sonntags im Laden. "Der überwiegende Teil der Kunden sind ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind", berichtet die Geschäftsführerin. "Wir können natürlich keine Discounterpreise bei uns anbieten", betont Jutz, "aber bevor die Leute mit dem Bus oder einem Taxi nach Bitburg fahren, lohnt es sich eher bei uns einzukaufen."
Die Idee für den Laden sei Anfang der 90er Jahre im Rahmen der Dorferneuerung entstanden. Damals habe sich ein "Arbeitskreis Dorfladen" mit knapp 50 Gesellschaftern gegründet. "Jeder von ihnen zahlte damals 300 Mark an Einlagen", erzählt Jutz. Das Geld sei zur Einrichtung des Ladens genutzt worden.
"Die Gesellschafter bezuschussen den Laden heute nicht mehr", so die Mettericherin. "Dafür organisieren sie mehrmals im Jahr Aktionen wie einen Weihnachtsbaumverkauf." Der Erlös fließe dann in den Laden. "Wir sind immer froh, wenn wir am Ende des Jahres eine schwarz Null vorweisen können." Sie würde sich wünschen, dass mehr junge Leute bei ihnen einkaufen würden.
Zumindest ein junger Kunde steht an diesem Morgen an der Wursttheke. Sein Name: Alexander Otten. Er ist 14 Jahre alt und kauft Tomatenmark und Fleisch. "Meine Mutter kocht Chili con Carne und das sind die Zutaten." Mehrmals in der Woche nutze er den Dorfladen, erzählt Otten. "Mir würde etwas fehlen, wenn er nicht mehr da ist."
Geht es nach Carmen Lutz und ihren Kolleginnen muss er sich in dieser Hinsicht allerdings keine Sorgen machen. "Wir werden alles dafür tun, damit die Leute in Metterich auch in Zukunft alles vor Ort einkaufen können."
Das hört auch Frau Arnoldi gerne. Sie ist mittlerweile auf dem Heimweg. Das Paket ist weg. Wurst und Käse hat sie noch gekauft - mehr stand heute nicht auf ihrer Liste.Extra

Zum Sortiment des Mettericher Dorfladens gehören Wurst, Käse, Milchprodukte, Getränke, Brot, Brötchen und eine Postannahmestelle. Wurst und Fleisch kommen vom Metzger aus Spangdahlem, Brot vom Bäcker aus Dudeldorf, Honig vom Imker aus Hüttingen und Eier und Nudeln von der Geflügelfarm in Metterich. Öffnungszeiten: montags, dienstags, donnerstags und freitags, 9 bis 12 Uhr, 16 bis 18 Uhr; mittwochs, 9 bis 12 Uhr; samstags von 8 bis 12 und sonntags von 7.30 bis 10.30 Uhr. mfr