Ein Dorf wird grundsaniert

Ein Dorf wird grundsaniert

EUSCHEID. Rund 7400 Euro pro Einwohner: In Euscheid wird die komplette Ortsdurchfahrt (Kreisstraße 118) erneuert. Die Arbeiten sollen Ende September abgeschlossen sein.

"Die haben das ganze Dorf umgekrempelt", sagt Patrick Schnieder, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld. "Euscheid wird richtig grundsaniert", ergänzt Gerhard Gompelmann vom Ortsgemeinderat. Stimmt: Die Kanalisation ist bereits - auf insgesamt fast vier Kilometern Länge - nahezu komplett verlegt, ebenso die Wasserleitungen. Gerade haben die Mitarbeiter der Irrhausener Firma Weiland wieder alle Löcher dicht gemacht. "Jetzt kommen noch die reinen Straßenarbeiten", sagt Andreas Weiland. Baubeginn war im vorigen September, geplant wurde der Ausbau vom Prümer Büro Scheuch. Reine Routine eigentlich. "Das einzig Knifflige", erzählt Weiland, "war das Wetter." Der harte Winter habe "glatt zwei Monate" Zwangspause gebracht. Aber nach dem letzten Schnee habe man ab Ende März unter Volldampf gearbeitet - "zum Teil mit vier Baggern." Mittlerweile sei die Verzögerung nahezu aufgeholt. Andreas Weiland: "Wir sind mehr oder weniger im Plan." Gesamtkosten: 1,09 Millionen Euro, gemeinsam getragen vom Kreis, der Verbands- und der Ortsgemeinde. Das sind umgerechnet rund 7350 Euro für jeden der 148 Euscheider - allerdings müssen die Anwohner auch anteilig für die neuen Gehwege bezahlen. Pro Grundstück sind es im Schnitt ab 1500 Euro. Das habe anfangs durchaus zu Diskussionen geführt, berichtet Gerhard Gompelmann. "Eine schwierige Geburt", sagt Schnieder, und der erste Beigeordnete der Gemeinde, Franz-Josef Daus, erklärt in Vertretung des urlaubenden Ortsbürgermeisters Willi Heckemanns: "Es war anfangs eine große Herausforderung, mit den Anwohnern eine einvernehmliche Lösung zu finden. Aber kritische Stimmen hat man überall." Der Rat jedenfalls sei in der Sache völlig einer Meinung. Daus: "Vor allem bei der Planung der Bürgersteige stand der ganze Rat dahinter. Uns ist wichtig, dass die Straße in Zukunft für Kinder und ältere Leute sicher ist." Mittlerweile, sagt Gerhard Gompelmann, seien die Kritiker ohnehin verstummt, denn alle könnten langsam sehen, was nach dem Ausbau aus dem Dorf werde. "Wir sind immer bemüht, den Bürgern so wenig Behinderungen wie möglich zukommen zu lassen", sagt Andreas Weiland. "Das geht auch immer ganz gut, wenn man ein offenes Gespräch führt." Entsprechend verständnisvoll ist offenbar die Stimmung, trotz staubiger Schotterpiste: "Unsere Arbeiter", sagt Weiland, "werden von den Leuten zum teil schon mit Brot und Kaffee versorgt." Neben Straße und Gehwegen werden außerdem Elemente zur Verkehrsberuhigung angelegt, das Dorf erhält eine erweiterte Beleuchtung, 800 Meter neue Wasserleitung und die bereits erwähnte Kanalisation. Auch die Telekom hat sich eingeklinkt und ihre Leitungen mit in die Euscheider Erde gelegt. Die bisherigen Masten können daher verschwinden. Fehlt fast nur noch eines zum vollständigen Straßenglück: Der ebenfalls notwendige Ausbau des Abschnitts zwischen Lünebach und Euscheid. Denn erst dann kann die K 118, wie vorgesehen, zur Landesstraße hochgestuft werden. "Das ist schon lange in der Diskussion," sagt Bürgermeister Patrick Schnieder. "Ich gehe davon aus, dass das im Anschluss in Angriff genommen wird."

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