Ein Dorfverein im Europa-Pokal-Finale

HABSCHEID/BRÜSSEL. Auftritt auf der EU-Bühne: José Barroso, Präsident der EU-Kommission, überreichte Andrea Peters vom Habscheider Sportverein (HSV) in Brüssel die Urkunde fürs HSV-Jugendprojekt. Die Eifeler haben für ihre integrative multilaterale Jugendarbeit den zweiten Rang in ihrer Kategorie in ganz Europa erreicht.

"Ich bin überrascht von der hohen Qualität der Jugendprojekte. Das ist hervorragend, denn wir brauchen die Ideen der Jugend für unsere Arbeit. Europa ist im Wandel und darin liegt die wahre Herausforderung", sagte José Barroso, Präsident der EU-Kommission, bei der Preisverleihung zum Youth Award 2005. Einzig in der Kategorie "Aktive Bürgerschaft", in der der HSV unter die Top Fünf nominiert worden war, stand er Pate. Der HSV hat ausschließlich mit ehrenamtlichem Engagement ein multilaterales und integratives Programm mit Jugendlichen aus Litauen, Irland und Italien, das vier Jahre lang dauern soll, auf die Beine gestellt. (der TV berichtete). Andrea Peters (18) ging für den HSV im Brüsseler EU-Center auf die Bühne. Die Gymnasiastin meinte: "Ich war schrecklich nervös und hatte Angst, kein Wort raus zu bringen." Nach spannungsgeladenen Minuten wurde die Entscheidung der Jury verkündet. Andrea kaute auf der Unterlippe. Dänemark hatte mit dem Internetforum "Girl talk" das Rennen gemacht. Die Vertreterinnen aus Estland, Lettland, Frankreich und der Eifel bekamen statt der Glastrophäe eine Urkunde. Jedoch keine Spur von Enttäuschung bei den HSV-lern. Joana Winkler (19) sagte bei der anschließenden Cocktail-Party: "Das ist doch egal. Hauptsache wir waren nominiert und haben uns gegen Tausende anderer Projekte europaweit abgesetzt." Erwin Dahm (22) ergänzt: "Wir können stolz sein, weil wir quasi zweiter wurden." Sponsor Freddy Hermes bringt es auf den Punkt: "Es ist so, als wenn ein Kreisligist ins Europa-Pokal-Endspiel kommt. Ist doch super, wenn aus Arbeit Erfolg wird." Allerdings bedauerten die HSV-ler, dass nur vier Vertreterinnen zur Preisverleihung in den Saal durften. Sie mussten im Foyer warten und das Geschehen auf der Leinwand verfolgen. Nach und nach schwappte dann die Atmosphäre über. Sponsorin Cordula Hahn aus Bleialf sagte: "Ich bin fasziniert von den frei gelassenen Emotionen." Kaum gesagt, kommt Roberta Laterra (18) angestürmt und umarmt etliche Eifeler Freunde. Die Sizilianerin gehört zum HSV-Projekt. Sie resümierte: "Wir sind zu einer großen Familie geworden." Monika Dorniak (17) ergänzte: "Ich habe freundschaftliche Kontakte zu Jugendlichen aus jedem unserer Partnerländer." Auch HSV-Chef Johann Heck stand die Freude ins Gesicht geschrieben als er sagte: "Dieser Erfolg ist klasse fürs Image unseres Vereines." Immerhin war der HSV quasi die Vertretung für den Westen der Republik. Von den insgesamt 25 nominierten Teams in fünf Kategorien kamen nur zwei aus Deutschland. Neben dem HSV noch eine Gruppe aus Berlin, die von der litauischen Konkurrenz ausgestochen wurde. Heute Abend sind die HSV-ler live in der SWR-Landesschau ab 19.15 Uhr zu sehen.