Ein Echo geht durchs Kylltal

Ortsbürgermeister stellen sich gegen Elektrifizierung der Eifelstrecke : Viel Lärm um die Eifelstrecke

Kommunalpolitiker setzen sich seit Jahren für die Elektrifizierung der Eifelstrecke ein. Dorfchefs im Kylltal sehen das kritisch. Sie befürchten, dass die Lärmbelastung steigen wird.

Erst ist es ein Brummen aus weiter Ferne. Dann ein Grollen, als der Zug in den Bahnhof einfährt. Das bald unterbrochen wird von Quietschen und Kreischen, wenn der Lokführer in die Eisen geht. Anwohner der Orte an der Eifelstrecke zwischen Trier und Köln sind diese Geräuschkulisse gewohnt. Auch im Dörfchen Sankt Thomas (Bitburger Land) halten stündlich Züge Richtung Trier und Köln.

Das hat selbstredend Vorteile, aber auch einen entscheidenden Nachteil: den Lärm. „Wenn der Zug am Ortseingang einfährt, hört man ihn durchs ganze Dorf“, sagt Ortsbürgermeister Rudolf Höser. Denn im engen Kylltal verursache der Schall ein gewaltiges Echo, und viele Häuser liegen direkt an den Gleisen.

Geht es nach den meisten Eifeler Politikern, sollten trotzdem häufiger Züge durchs Kylltal brettern. Seit Jahren fordern Kommunalvertreter die Elektrifizierung und – zumindest auf Teilstücken – einen zweispurigen Ausbau der Bahnlinie.

Die Gründe liegen auf der Hand: Selbstredend wäre es umweltfreundlicher, wenn die Züge mit Strom, statt mit Diesel führen. Außerdem würde der Ausbau es möglich machen, mehr Eisenbahnen durchs Kylltal zu schicken und so die Fahrzeiten zu verkürzen. Derzeit beklagen Passagiere, dass sie stundenlang in den Regionalbahnen sitzen.

Vergangenes Jahr schickte der Kreistag daher eine Resolution an Bund und Bahn. Dort heißt es: Ein Ausbau der Eifelstrecke sei „verkehrspolitisch, umweltpolitisch und regionalpolitisch zur Stärkung des ländlichen Raumes dringend geboten“.

Ortsbürgermeister Höser macht das wütend: „Niemand, der hier lebt oder sich für den Tourismus starkmacht, kann wollen, dass es hier wird, wie im Mittelrheintal.“ Dort sei die Lärmbelastung, vor allem durch Güterverkehr, unterträglich geworden. „Ich verstehe nicht, warum wir uns diese Probleme importieren wollen?“, fragt sich Höser.

Ausbau der Eifelstrecke

Denn neben dem Lärm, sieht der Dorfchef auch kaum Vorzüge eines Ausbaus. Das aktuelle Angebot auf der Eifelstrecke sei völlig ausreichend. „Das Problem ist doch, dass niemand in den Zügen sitzt“, sagt Höser. Und das liege nicht an der schlechten Taktung oder dem verheizten Sprit, sondern an den viel zu teuren Tickets. „Wer die Bürger zum umsteigen bewegen will,“ sagt Höser, „muss dafür sorgen, dass die Preise sinken.“

Einige Kilometer weiter nördlich sieht die Lage nicht anders aus. Auch in Densborn, VG Gerolstein, liegt der Bahnhof mitten im Ort. Bürgermeister Jürgen Clemens kann den Kollegen Höser daher verstehen: „Mehr Verkehr bedeutet immer auch mehr Lärm.“ Clemens fürchtet vor allem, dass nachts Güterzüge über die Strecke geschickt werden. Und das könne für Bürger und Touristen eine Belastung werden. „Natürlich ist es eine Bereichung, die Bahn im Ort zu haben“, sagt Clemens: Einen Ausbau sieht er aber, wie Höser, kritisch.

Rainer Wirtz (CDU), Erster Beigeordneter im Bitburger Land, kann die Bedenken verstehen, sagt er. Er teile sie aber nicht. „Die Wirtschaftsstruktur im Mittelrheintal ist anders als in der Eifel. Güterverkehr in diesem Umfang werden wir hier niemals haben“, ist sich Wirth sicher. Ein Ausbau käme daher vor allem dem Personenverkehr zugute, glaubt der Beigeordnete: „Möglich, dass dann mehr Züge zwischen Trier und Gerolstein fahren. Aber das sehe ich nicht als Nachteil.“

Noch liegt ein Ausbau aber ohnehin in weiter Ferne. Sprecher von Bund, Land und Bahn haben der Resolution des Kreises nämlich eine Absage erteilt. Derzeit werde ein Ausbau der Strecke nicht als wirtschaftlich angesehen.

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