Ein Endlager für PFT in Bitburg?

Umwelt : Ein Endlager für PFT in Bitburg?

Der Bund und der Zweckverband wollen die Vermarktung des Bitburger Flugplatzes vorantreiben. Das Problem: Gewerbegrundstücke sind mit krebserregenden Schad­stoffen verunreinigt. Und die Altlasten sind nur schwer zu entsorgen. Jetzt präsentiert der Bund eine Lösung: Das Material soll auf dem ehemaligen Militärgelände gelagert werden.

150 Hektar sind noch frei. Mehr als irgendwo sonst in Rheinland-Pfalz. Laut einer Broschüre, die Stadt, Kreis und der Zweckverband Flugplatz herausgegeben haben, ist der ehemalige US-Stützpunkt in Bitburg die größte zusammenhängende Industrie- und Gewerbefläche im Bundesland. Das Problem: Derzeit kommen Unternehmer nicht ran. Denn die Anlage ist stark mit krebserregenden Perfluorierten Tensiden, kurz: PFT, belastet.

Die Chemikalien stammen aus Löschschäumen, die die Feuerwehren der US-Truppen bei Bränden und Übungen versprüht haben. Das ist seit Jahren bekannt. Wie man die Altlasten loswerden kann, hingegen nicht. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der der Großteil des Geländes gehört, hat die Vermarktung von Gewerbeflächen daher 2016 ausgesetzt.

Dieser Verkaufsstopp wurde inzwischen aufgehoben (der TV berichtete). Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (A.R.T.) hat Ende 2018 ein Grundstück gekauft, um dort eine Müllumladestation zu bauen. Und auch ein Holzverarbeiter aus Nattenheim will ein Gelände kaufen. Dass das grundsätzlich erlaubt ist – darauf haben sich Bima und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord, also die zuständige obere Umweltbehörde, geeinigt. Das angedachte Prozedere: Gebaut wird erst, wenn die Altlasten weg sind. Die Kosten für das Abtragen der verunreinigten Erde übernimmt die Bima.

Doch noch hat kein Bagger die Schaufel in den kontaminierten Grund gestochen. Und das hat einen Grund: Der Bund weiß nicht, wohin mit dem belasteten Boden. Ohne weiteres kann dieser nämlich nicht entsorgt werden.

Laut einem Sprecher der Bima gibt es nur zwei Deponien in Deutschland, die mit den Altlasten umgehen können: eine in Nordrhein-Westfalen und eine in Sachsen. Doch „selbst bei einer einzigen Baumaßnahme würden so große Mengen anfallen, dass die Kapazitäten der Deponien, die für die Entsorgung infrage kommen, überschritten würden“, schreibt der Pressesprecher.

Die einzige andere Möglichkeit nach Ansicht der Bima: Das Material zwischenzulagern, bis es ein günstigeres und technisch praktikables Verfahren gibt. Doch „für die Einlagerung hochkontaminierter Böden stehen nur wenige Untertagedeponien zur Verfügung“, sagt der Sprecher. Und die Wege dorthin wären weit. Also will die Bima jetzt selbst ein Lager errichten – und zwar in Bitburg, womöglich auf dem Flugplatz.

Dass es diese Pläne gibt, bestätigt der Pressesprecher der Bundesbehörde auf TV-Anfrage. Wo die Lagerstätte gebaut werden soll und wie sie aussehen mag – darüber verrät er allerdings nur so viel: Im Blick habe man „eine begrenzte Fläche in Bitburg“. Dort sollen rund 80 000 Kubikmeter abgetragene Böden vom gesamten früheren US-Stützpunkt konzentriert werden. Und aussehen könnte das ganze wie „ein Landschaftsbauwerk“, also etwa eine Folie, die mit Erde überdeckt wird.

Aber kann ein solches Lager eine sichere Aufbewahrung garantieren? Immerhin handelt es sich bei PFT um Chemikalien, die nachweislich krank machen. Ja, schreibt der Sprecher der Bima. Alles, was es brauche, sei „eine wasserundurchlässige beziehungsweise wasserableitende Abdeckung“, damit die Stoffe nicht durch Niederschlag oder „den Sicker­pfad“ ins Grundwasser gelangen. Der Umweltaktivist Günther Schneider hält es hingegen nicht für den richtigen Weg, ein Lager zu bauen. Laut dem Binsfelder ist der Boden bis in Tiefen von mehr als 120 Meter belastet. Nur die Oberfläche abzutragen und die Fläche dann zu versiegeln, könne das Problem nicht lösen. „Denn wenn der kontaminierte Boden erstmal einbetoniert ist, kann man ihn nicht mehr sanieren“, sagt der Eifeler PFT-Experte des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Stattdessen fordert Schneider, dass die Bima ein umfassendes Sanierungskonzept aufstellt und den Boden dann durch alle Schichten „dekontaminiert“. Das belastete Grundwasser müsste dazu abgepumpt und aufbereitet werden – ein kostspieliges und zeitaufwändiges Verfahren. „Aber ansonsten“, ist sich der Landwirt sicher, „muss die Bevölkerung das irgendwann ausbaden.“

Schneider befürchtet nämlich, dass über die Zeit immer mehr Schadstoffe ins Grundwasser und somit auch in private wie öffentliche Brunnen sickern werden.

Die Bedenken sind bekannt. Umweltschützer bringen sie seit Jahren vor. Doch die Bima lässt sich davon nicht beirren. „Mit dem Bau des Lagers“, schreibt ein Sprecher, „wird nach Abschluss der in Kürze beginnenden Planungsphase begonnen.“

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