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Ein Europatag, den sich so niemand wünscht

Dasburger Grenzbrücke : Ein Europatag, den sich so niemand wünscht

Fünfunddreißig Jahre nach Inkrafttreten des Schengener Abkommens ist der Schlagbaum wieder unten. Auf dem deutsch-luxemburgischen Übergang Dasburger Brücke sprachen sich die Bürgermeister der angrenzenden Gemeinden für eine Beendigung der coronabedingten Grenzkontrollen aus.

"Schengen ist ein Meilenstein und steht für freien Güter- und Personenverkehr in Europa", sagt Emile Eicher, Bür-germeister der Gemeinde Clervaux und Abgeordneter des lu-xemburgischen Parlaments. Die Ansprache, die Eicher auf der kleinen Brücke bei Dasburg hält, wird zeitgleich an vielen weiteren Grenzübergängen zwischen Deutschland und Luxemburg durch die örtlichen Bürgermeister verlesen. "Schengen steht auch für Freundschaft, für ein Europa der offenen Grenzen", heißt es in der Rede.

Aber der europäische Gedanke hätte in den vergangenen Wochen sehr gelitten, sagt Emile Eicher. "Weil dem einen oder anderem die Rettung der eigenen Haut wichtiger erschien, als das gemeinsame Ziel." Wohl keiner hätte sich in seinen kühnsten Träumen vorstellen können, dass Nationalstaaten Barrieren aufrichten und Kontrollen durchführten, die einen Grenzübertritt erschweren oder gar unmöglich machen, sagt der Politiker. "Europa steht für Zusammenarbeit und Zusammenleben. Niemand sollte das Recht haben, die Menschen und ihre Lebensgewohnheiten durch Grenzen zu blockieren."

Auch Andreas Kruppert, Bürgermeister der mit Luxemburg be-nachbarten Verbandsgemeinde Arzfeld, stören die derzeit ge-kappten Verbindungen. "Das ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren wollen." Erst gestern habe man dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor nunmehr 75 Jahren gedacht - "und wer hätte sich damals vorstellen können, dass überhaupt eine Partnerschaft mit einem Nachbarland möglich sein wird und daraus sogar eine länderübergreifende Freundschaft erwachsen kann?", fragt Kruppert. "Wir wollen hier an diesem Grenzübergang, der schon lange keiner mehr ist, ein Zeichen setzen: Wir halten zusammen, wir stehen zusammen, wir sind Europa."

Nach dem feierlichen Hissen der Europaflagge zu den Klängen von Beethovens "Ode an die Freude" erläutert der Abgeordnete Emile Eicher, wie es aus luxemburgerischer Sicht weitergehen soll: "Es gab erst heute ein Gespräch mit Außenminister Jean Asselborn. Wir bemühen uns intensiv darum, mit dem deutschen Innenminister Seehofer eine Lösung zu finden und beharren darauf, die Grenzen wieder zu öffnen." Die Schließungen einiger Grenzen und die Einführung der Grenzkontrollen durch die Bundesrepublik Deutschland seien absolut unverständlich, auf beiden Seiten der Grenze seien Pendler und ihre Familien die Leidtragenden der Maßnahme.