Ein feuriges Vergnügen

Ein geheimnisvoller Brauch treibt die Eifeler zu Beginn der Fastenzeit um. Am ersten Sonntag nach Aschermittwoch ist Scheefsunnech. Ein Tag, an dem es feurig zugeht.

Daun/Bitburg/Prüm Was bedeutet Scheefsunnech? Dabei meinen alle das Gleiche, nämlich einen uralten Feuerbrauch am ersten Fastensamstag oder -sonntag. Dabei werden sogenannte Strohhütten abgebrannt, um den Winter auszutreiben. Das ist ein gutes Beispiel für einen alten heidnischen Ritus, der in die Tradition des Christentums übernommen wurde.
Bereits einige Wochen zuvor sammeln die Jugendlichen im Dorf Holz und Stroh ein, um es dann auf den Höhen zu größeren Haufen, den "Hütten" aufzuschichten. In die Mitte wird ein großes Holzkreuz, das mit Stroh umwickelt ist, aufgestellt. Das Feuer wird entzündet. Nach dem Abbrennen ziehen die jungen Leute durch den Ort und sammeln Eier oder auch Geld . Die gesammelten Eier werden bei dem Ehepaar gebraten und gegessen, das zuletzt geheiratet hat.
Aber in manchen Orten wie in Gees oder Neroth gibt es auch das "Radscheewen", bei dem ein Feuerrad eine große Rolle spielt. Dies ist ein ebenfalls alter Brauch, der dazu dient, den Winter auszutreiben und den Frühling willkommen zu heißen. Dabei wird ein großes eisernes Rad mit Stroh gestopft und brennend einen Berg herunter befördert.
Der Unkundige bringt das Wort "Radscheewen" viel zu oft in Verbindung mit "Radschieben" und suggeriert dadurch, das Dialektwort "scheewen" habe etwas mit "schieben" zu tun. Und genau dies ist falsch. Dies spüren auch viele Artikelschreiber, denn im gleichen Text schreiben sie, "wo brennende Räder den Berg hinabrollen!" Das ist logisch, denn bergab braucht kein Mensch ein Rad zu schieben.
Der Begriff "Radscheewen" wurde auch in der Umgangssprache nie gebraucht, auch nicht Scheewe-Sunnich, dafür aber "Scheef-, Schoaf- oder Schöfsunnich". Sunnich steht für Sonntag. Das Dialektwort "Scheef oder Schoof" leitet sich ab von dem mittelhochdeutschen "schoup, schof" hin zum hochdeutschen Wort "Schaube". Damit ist stets "Stroh" (-bündel, -wisch) gemeint. Und dass Stroh den Inhalt der variierenden Bräuche bestimmt, ist allerorts feststellbar.
Die Strohräder werden geflochten und rollen dann brennend einen Berg herunter - oder sie werden neuerdings, wegen möglicher Unfälle, an einer Querstange heruntergeleitet. "Je ruhiger das Rad läuft, desto besser werde das Jahr, besagt der uralte Brauch. Das brennende Rad ist das Symbol für die Sonne, die mit ihrer Wärme den Winter vertreibt", berichten die Steffeler, die diesen Brauch schon lange pflegen.
Aber: Die Räder werden nie geschoben. Stroh- und Holzhaufen werden angezündet, um den Frühling willkommen zu heißen, Strohpuppen als ungeliebtes Wintersymbol verbrannt. In Hillesheim wird eine Strohpuppe, der "Nubbel", verbrannt und in Udler mit Schimpf und Schande aus dem Dorf gejagt. In alten Sprüchen, Liedern, Redewendungen und im Eifeler Brauchtum wird "Schoof" als Dialektwort und in Verbindung mit Stroh gebraucht: "Er liegt auf Schoof, es läutet auf Schoof" (Der Tote liegt aufgebahrt auf Stroh. Es läutet für einen Verstorbenen). "Bifle, bifle, Böfchen (= Bübchen, Knabe), get oos e kle Schöfchen!" deklamierten Kinder im Fleringer Raum, wenn sie um Stroh baten, während die Kinder im Gerolsteiner Raum es so formulierten: "Dir - li löfchen, get mir e kle Schöfchen, so dick wie e Perdsleif (= Pferdeleib), bis Johr git et Koor reif." Von daher sollte statt dem Wort "Radscheewen" die Bezeichnung "Feuerbrauch an Scheef-(Schauf-, Schoof-)sonntag" oder "Räder brennen in ... am Scheefsunnech (Scheefsamstech)" benutzt werden, wo brennende Strohräder oder Holzstöße Menschen erfreuen.