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Ein Flugplatz im Ausnahmezustand

Kostenpflichtiger Inhalt: Coronavirus : Interview zu Corona-Fällen auf Airbase Spangdahlem: Ein Flugplatz im Ausnahmezustand

Das Corona-Virus hat die Airbase Spangdahlem erreicht. Auch der Flugplatz muss nun Sicherheitsvorkehrungen verschärfen. Im Volksfreund-Interview spricht der Vizekommandeur der Airbase über die Herausforderungen der Corona-Krise für den Flugplatz.

Sie fliegen noch, die F-16-Maschinen von der Airbse Spangdahlem. Das heißt aber nicht, dass Covid-19 hinter dem Zaun nichts verändert hätte. Auch der US-Flugplatz hat sich in den vergangenen Tagen und Wochen auf die Ankunft des neuartigen Corona-Virus eingestellt, Sicherheitsvorkehrungen verschärft und ein medizinisches Kontrollsystem etabliert. Im Interview mit unserer Zeitung erzählt Oberst Jason Hokaj, Vizekommandeur in Spangdahlem, von den Herausforderungen einen militärischen Betrieb durch die Krise zu manövrieren.

Oberst Hokaj, die Air Base Spangdahlem hat kürzlich die beiden ersten Corona-Fälle auf dem Flugplatz bestätigt. Ist es möglich, dass bereits weitere Militärangehörige infiziert sind?

Jason Hokaj: Es gibt außer den beiden Airmen noch 17 Militärangehörige, die getestet wurden. Zwei Corona-Tests kamen mit positiven Ergebnissen zurück, die meisten waren also negativ. Aber wir testen natürlich weiter auf der Base.

Müssen Infizierte und Verdachtsfälle sich einer Quarantäne unterziehen?

Hokaj: Die zwei Erkrankten leben in deutschen Gemeinden. Sie und ihre Familien dürfen ihre Wohnungen derzeit nicht verlassen. Gleiches gilt für die Verdachtsfälle.

Welche weiteren Maßnahmen hat die Airbase ergriffen, um die Verbreitung des Virus einzudämmen? Hält sich der Flugplatz andeutschen Kontaktverbote?

Hokaj: Ja, wir setzen die Richtlinien unserer Gastgeber um, wo immer dies unsere Mission nicht gefährdet. Das heißt: Zusammenkünfte von mehr als zwei Personen sind untersagt. Geschäfte, Schulen, Kitas und andere öffentlichen Einrichtungen auf der Base bleiben geschlossen. Restaurants dürfen Essen nur ausliefern.

In ihrer Freizeit sind die Militärangehörigen von der Air Base oft viel unterwegs, erkunden die Umgebung. Gibt es auch fürs Reisen Beschränkungen?

Hojak: Ja, die gibt es. Die Militärangehörigen sollen nur noch absolut notwendige Fahrten unternehmen — etwa zum Arzt oder zum Supermarkt. Und auch Flüge zurück in die Heimat, und aus ihr nach Deutschland, sind unseren Truppen nur noch in Ausnahmefällen erlaubt, etwa bei Notfällen in der Familie. Wir versuchen das Hin- und herpendeln auf ein absolutes Minimum zu begrenzen. Deswegen sind auch Besuche von Zivilisten auf der Base derzeit untersagt.

Aber wie sieht es mit Übungen aus? Da werden doch mehr als zwei Personen zusammenkommen?

Hokaj: Richtig, wir trainieren weiterhin. Es wird auch geflogen. Wir versuchen es aber möglich zu machen, den persönlichen Kontakt dabei zu reduzieren. Das gilt übrigens nicht nur für den militärischen Betrieb, sondern auch für den zivilen. VIele unseer Beschäftigten haben wir ins Home-Office geschickt. Wer nicht am Computer arbeiten kann – und das gibt es auf einem Flugplatz – arbeitet auch auf der Base isoliert vom Rest des Teams. So hoffen wir unsere Angestellten vor Ansteckung zu schützen.

Ist es denn überhaupt möglich, den militärischen Betrieb und die Einsatzbereitschaft der Truppe in diesen Zeiten aufrechtzuerhalten?

Hokaj: Glücklicherweise ja. Unsere Einsatzbereitschaft ist nicht durch das Corona-VIrus gefährdet. Wir haben Möglichkeiten gefunden, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Aus Sicherheitsgründen darf ich dazu aber keine Details verraten.

Die vielen deutschen Zivilbeschäftigten müssen also nicht fürchten, nach der Krise keinen Job mehr zu haben?

Hokaj: Darüber haben wir noch nicht einmal diskutiert. Die Arbeitsplätze sind sicher. Es steht nicht zur Debatte, jemanden zu entlassen.

Die Anwohner wird es aber auch interessieren, wie es mit dem Fluglärm weitergeht. Schließlich arbeiten auch in den umliegenden Ortschaften viele Menschen im Home-Office, einige haben wegen geschlossener Kitas und Schulen die Kinder zuhaue. Da ist der Krach vielleicht belastender als vor der Krise. Können Sie diese Sorgen verstehen?

Hokaj: Das kann ich absolut verstehen. Aber auch in Schulen, Kitas und an vielen Firmenstandorten würden Menschen die Jets hören. Ich glaube nicht, dass die Belastung in diesen Zeiten viel größer ist. Überhaupt erfahren wir in letzter Zeit sehr viel Unterstützung von den Einheimischen.

Wie steht es denn in der Krise um die deutsch-amerikanische Partnerschaft?

Hokaj: Genauso gut wie zuvor. Unsere Mediziner stehen in gutem Kontakt zu den Gesundheitsämtern und Ärzten in der Region. Wir bekommen außerdem Unterstützung von den Bürgermeistern und der Bevölkerung. Auch sind wir sehr dankbar dafür, dass unsere Militärangehörigen in Notfällen auch in den lokalen Krankenhäusern versorgt werden können. Wir haben auf der Base nur eine kleine Klinik, in der nicht alle Behandlungen möglich sind. Und unser nächstes Militärkrankenhaus liegt in Landstuhl.

Auch die Bundesrepublik steht vor großen Herausforderungen in der Krise. Derzeit wird  überlegt, die Bundeswehr für logistische und medizinische Aufgaben zu Hilfe zu bitten. Wird auch die Air Base der lokalen Bevölkerung in der Not zur Seite stehen?

Hokaj: Ja, auch wir denken derzeit darüber nach, wie wir unsere Gastgeber in diesen Zeiten unterstützen können. Die Zusammenarbeit läuft auch jetzt schon gut.
An dieser Stellte möchte ich noch einmal meinen Dank aussprechen. Wir können den Gastgeber-Gemeinden eigentlich nicht genug für ihre Unterstützung danken: Ohne eure Hilfe, könnten wir diese Krise nicht durchstehen.