Ein frisch gemachtes Bett für Fluss und Fische

Stadtkyll · Der Landkreis Vulkaneifel hat die Kyll zwischen Stadtkyll und der Siedlung Hammerhütte auf 200 Metern in ein neues Bett verlegen lassen. Dabei verschwand auch eine Sperre, die den Fischen das Wandern erschwerte.

Der neue Verlauf der Kyll zwischen der Siedlung Hammerhütte und Stadtkyll. Rechts zu sehen: Der trockengelegte Arm des Flusses. TV-Foto: Fritz-Peter Linden

Stadtkyll. Die flache Wiesenlandschaft zwischen Stadtkyll und der Siedlung Hammerhütte: Mittendrin fließt die Kyll, es ist eine der schönsten und idyllischsten Stellen am Fluss. Das wissen auch die Angler, die dort gerne ihrem Hobby nachgehen.
Allerdings konnten sich bisher die Flussbewohner dort nicht frei bewegen: Ein altes, etwa 1,50 Meter hohes Wehr, das früher den Zufluss zum ehemaligen Mühlenteich im Dorf regulierte, stand den Tieren unüberwindlich im Weg. So kamen viele Bachforellen auch nicht zu ihren Laichgebieten in den kleinen Seitenflüssen wie der Kerschenbach oder die Simmel.
Der Landkreis Vulkaneifel klemmte deshalb an dieser Stelle ein Stück Kyll ab und verschaffte dem Fluss auf etwa 200 Metern Länge ein neues Bett. Die kürzlich abgeschlossenen Arbeiten stellen die inzwischen vierte Maßnahme an der Kyll dar, die der Kreis infolge der "Europäischen Wasserrahmenrichtlinie" ausführen ließ. Die Richtlinie, im Dezember 2000 in Kraft getreten, schreibt einen "guten ökologischen Zustand" von Grundwasser, Seen, Flüssen und Mündungsgebieten vor, der bis Ende 2015 erreicht werden soll. Dazu gehört neben der verringerten Schadstoffbelastung auch, dass sich die Flussbewohner ungehindert darin bewegen können. Besser bewegen kann sich aber nun auch das Wasser selbst: Die Kyll fließt schneller ab - und weil das Wehr kein Hindernis mehr darstellt, verursacht es bei Hochwasser auch keinen Rückstau mehr; ein Umstand, der sich bei starken Regenfällen oder Schneeschmelze sehr positiv auswirken kann.
Das für den neuen Flussarm ausgebaggerte Erdreich wurde neben der Bundesstraße 421 auf eine landwirtschaftlich genutzte Fläche aufgetragen. Außerdem hat man die hinter dem alten Flussarm zur Straße aufragende steile Böschung neu befestigt. Kosten für alle Arbeiten: 190 000 Euro.
Bereits vor zwei Jahren ließ der Kreis in Pelm ähnliche Arbeiten verrichten: An der Pintenmühle wurden ein weiteres Hindernis geöffnet und eine Fischtreppe eingebaut. Ebenfalls in Pelm wurde an einer Gemeindebrücke außerdem ein Höhenunterschied im Flussbett ausgeglichen (Gesamtkosten: 195 000 Euro).
Das dritte Vorhaben wurde, ebenfalls im laufenden Jahr, in Oberbettingen umgesetzt, der Kreis ließ ein weiteres altes Wehr zurückbauen, um auch dort den Wasserdurchfluss zu verbessern. Die Kosten dafür betrugen 21 000 Euro. Alle diese Arbeiten, sagt Heinz-Peter Hoffmann, der Leiter des Kreis-Bauamts, seien vom Land zu 90 Prozent bezahlt worden: "Wenn es diese hohe Förderquote nicht gäbe, hätte der Kreis Probleme, das umzusetzen." Freuen können sich darüber auch die Fischer: "Für uns ist das nur von Vorteil", sagt Uli Meyer, Vorsitzender des Angelsportvereins (ASV) Kronenburg, der diesen Fluss-Abschnitt zwischen Kronenburg und Jünkerath pachtet und betreut. "Wir hatten zwar ein paar Tage lang dreckiges Wasser, aber da kann man drüber wegsehen. Das ist wirklich sehr schön geworden."
Dder Umstand, dass die Forellen und andere Fische nun ungebremst bis zum Stauwehr in Kronenburg gelangen können, sei von großer Bedeutung. Uli Meyer bestätigt, dass dieser Kyll-Abschnitt ein besonders populärer sei: Der ASV vergibt dort Angelscheine an viele Fischer aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Frankreich. "Die kommen von überall her. Und gerade diese Strecke ist bei denen sehr beliebt."