Ein Garten mit grünem Gewissen

Vor dreißig Jahren hat das alte Pfarrhaus in Dockendorf neue Besitzer bekommen, und der östlich gelegene Grundstücksteil verwandelte sich in ein Paradiesgärtlein. Jedenfalls lässt das geometrische Grundmuster daran denken. Und gegen irdische Gartenschädlinge setzt man auf die Selbstheilungskräfte der Natur.

Dockendorf. So also fühlt sich das an, unter einem Löwenmaul durchzuschlüpfen. Mit aufgerissenem Schlund und stechendem Blick wirft der Löwenkopf über dem Portal einen prüfenden Blick auf alle, die da ein- und ausgehen. Er ist Symbol der Gerichtsgebäude und Wegweiser zum ehemaligen Pfarrhaus in Dockendorf. Nach napoleonischer Zeit war das Nebengerichtsgebäude der Props tei Bitburg an die Kirchengemeinde verschenkt worden.

Ende der 1970er Jahre hielt die Pfarrkirche im Zuge der Zusammenlegung von Kirchgemeinden Ausschau nach einem neuen Besitzer. Zur gleichen Zeit befand sich Familie Jakobi auf der Suche nach einem alten Haus.

Als dem Sohn aus dem Ortsteil "Dockendorfer Mühle" und seiner Frau das Anwesen mit den vier Baustilen unter einem Dach angeboten wurde, erfüllte sich ihr Traum. "Wir ließen das Gebäude sofort unter Denkmalschutz stellen", erzählt Herbert Jakobi.

Historische Vorbilder standen auch Pate für die Anlage des Gartens im regionaltypischen Stil. "Ich hatte das Bild des Bauerngartens meiner Großmutter vor Augen", sagt Hannelore Jakobi. Zur Betonung des Mittelpunktes wurden die beiden in den Hecken fündig. "Dort lag ein altes Taufbecken aus rotem Sandstein versteckt", berichten sie. Um in den geometrisch angelegten Garten mit Buchseinfassung und Rondell zu gelangen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die erste führt aus dem Gewölbekeller ins grüne Paradies, die zweite vom Vorhof des Hauses über fünf Treppenstufen in den abgesenkten Garten. Ein Wegekreuz teilt die Fläche in vier gleich große Zellen. Außen stehen die Stauden, innen wachsen Kräuter und Gemüse.

Um Missetaten durch Schädlinge vorzubeugen, wird bei den Nutzpflanzen präventiv auf Fruchtfolge gesetzt. Das stärkt die Widerstandkraft. Nur gegen die Nacktschnecken ist noch kein Kraut gewachsen. Den "Mundräubern" unter den Schädlingen kamen die Gartendetektive selbst mit Holzbrettern und Bierfallen nicht bei. "Die Dahlien mussten wir wegen der Schnecken aufgeben", sagt die Freizeitgärtnerin. Aber Currykraut, Ysop und Bergbohnenkraut blühen munter drauflos und locken auch noch Bienen und Hummeln an.

Dass sich der Garten Jakobi als Anwalt der Natur versteht, wird an der einfriedenden Wildhecke ebenso deutlich wie im Firstbereich des Hauses. Dort haben sich Mauersegler eingenistet. Und die Spatzen pfeifen's von den Dächern: Um einen Garten mit "grünem Gewissen" anzulegen, muss man nicht in einem ehemaligen Gerichtsgebäude wohnen.