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Ein halbes Jahrhundert Prüfungsstress

Ein halbes Jahrhundert Prüfungsstress

Vor 50 Jahren haben am Biesdorfer St.-Josef-Gymnasium die ersten Schüler ihr Abitur absolviert. Die Zahl derer, die damals bis zur Prüfung durchgehalten haben, war recht überschaubar. Denn an Latein und Altgriechisch als Prüfungsfach führte kein Weg vorbei. Das hat sich inzwischen geändert. Und vieles andere auch.

Biesdorf. Man muss kein Mathematiklehrer sein, um zu sehen, dass bei der Gleichung am Ende ein recht mageres Ergebnis herauskommt. Dass Werner Mayers Mathematiklehrer geworden ist, hängt aber mit dieser Gleichung zusammen. Denn Mayers gehörte seinerzeit zu den wenigen Biesdorfer Schülern, die im langjährigen Prozess der Subtraktion bis zum Ergebnis durchschlagen konnten. Was wiederum die Voraussetzung für seinen Beruf war. "Wir hatten damals bei der Aufnahmeprüfung 60 bis 70 Schüler", erklärt er. "Davon wurden 33 aufgenommen. Und von denen haben genau sieben das Abitur gemacht."
Allerdings seien im Lauf der Jahre auch noch Jungs von anderen Schulen hinzugekommen, sagt Mayers. Sodass sich am Ende dann doch noch 13 Abiturienten und vier Patres für das Gruppenfoto auf der Klostertreppe des St.-Josef-Gymnasiums Biesdorf zusammengefunden haben.
Das war 1967 - ein Jahr, nachdem in Biesdorf die ersten Schüler ihr Abitur absolviert hatten. Seitdem hat sich einiges getan. Anfang der 70er Jahre kamen die ersten Busse und damit auch die ersten Mädchen nach Biesdorf.
Die Schule wurde erweitert, der Anteil des weltlichen Lehrpersonals nach und nach deutlich erhöht, Mitte der 90er das Internat geschlossen und in den Jahren darauf die Trägerschaft des Gymnasiums vom Orden der Missionare von der Heiligen Familie schließlich auf eine gemeinnützige Gesellschaft übertragen. An dem einst rein altsprachlichen Gymnasium, an dem Latein und Altgriechisch neben Mathe und Deutsch zu den vier vorgegebenen Prüfungsfächern gehörte, können die Schüler längst selbst entscheiden, in welchen Fächern sie im Abitur geprüft werden.
Familiäre Atmosphäre


Vieles hat sich verändert. Nach wie vor geblieben ist allerdings das obligatorische Gruppenfoto der Abiturienten auf der Klostertreppe. Christine Conradt stand nie auf dieser Treppe. Zumindest nicht als Abiturientin. Denn anders als Mayers, der in seiner Schullaufbahn zunächst in Biesdorf unterrichtet wurde, um dort dann von 1973 bis 2010 selbst zu unterrichten, ist Conradt erst als Lehrerin nach Biesdorf gekommen. "Was mir damals auffiel, war, dass das mündliche Abitur eine sehr strenge Kleiderordnung hatte", sagt die Lehrerin für Englisch und Geschichte.
Die Jungs in Anzügen mit Krawatten und die Mädchen in Kleidern. "Und einmal kam sogar einer mit Melone und Schirm", fügt sie lachend hinzu. Conradt ist seit 1981 in Biesdorf, ihre Kollegin Apollonia Hillesheim seit 1982. Die beiden gehören damit zu den ersten weiblichen und derzeit dienstältesten Lehrern des Gymnasiums. Sie haben Hunderte von Schülern auf dem Weg zum Abitur begleitetet und inzwischen an mehr als 30 Verabschiedungen teilgenommen. Der "Glamour-Faktor" sei in den vergangenen Jahrzehnten spürbar gestiegen, sagen beide. Und auch der Aufwand rund um das Abitur.
Und aus der einst eher provisorisch zusammenkopierten Abi-Zeitung ist inzwischen ein Magazin geworden Was allerdings im Lauf der Jahre ein wenig auf der Strecke geblieben ist, sind die Abi-Scherze. Früher hätten die Abiturienten dafür noch richtig viel Aufwand betrieben, sagt Conradt. Doch das sei heute längst nicht mehr so. Wobei das ein Stück weit mit dem Termin zusammenhänge, wie die Lehrerin erklärt. Denn dadurch, dass die Prüfungen seit einigen Jahren nicht mehr in der Mitte, sondern zu Beginn des Jahres seien, beschränke sich das Abi-Scherz-Programm witterungsbedingt auf die kleine Turnhalle, so Conradt. In der kleinen Turnhalle ist am Tag der Zeugnisübergabe auch die Abschlussfeier.
"Besonders schön ist dabei die familiäre Atmosphäre, an der sich die ganzen Jahre nichts geändert hat", schwärmt die Englischlehrerin. "Und dass unter den Eltern der Abiturienten auch viele sind, die früher selbst in Biesdorf waren", fügt sie hinzu. Manche Schüler kommen als Eltern zurück. Andere als Lehrer. Und einige sowohl als auch.
Wie zum Beispiel Werner Mayers. Erst hat er das Biesdorfer Gymnasium besucht, dann die Tochter und nun ist bereits der Enkel des ehemaligen Mathematik- und Physiklehrers auf dem Weg zum Abitur.Extra

Feier mit Ehemaligen: Um die 50 Jahre Abitur gebührend zu feiern, lädt das St.-Josef-Gymnasium Biesdorf sämtliche Abiturienten der vergangenen fünf Jahrzehnte am 1. Oktober zu einer großen Feier ein. Beginn ist um 16 Uhr mit einem gemütlichen Kaffeetrinken, gefolgt von einem gemeinsamen Gottesdienst. Danach wird bei Abendessen und Musik weiter gefeiert. Anmeldung bis 15. Juli. Weitere Infos unter <%LINK auto="true" href="http://www.sjg-biesdorf.de" text="www.sjg-biesdorf.de" class="more"%>