Ein Hauch von Monte Carlo an der Nims

Ein Dorf im Rennsportfieber: Jedes Jahr an Pfingsten steht Wolsfeld Kopf. Für die Ausrichtung des traditionellen Bergrennens zeigen die Wolsfelder beispielhaften Gemeinsinn.

 Faszination Rennsport: Beim Bergrennen mutiert Wolsfeld jedes Jahr an Pfingsten zum Fahrerlager und die Holsthumer Straße wird zur Boxengassen. TV-Foto: Jürgen C. Braun

Faszination Rennsport: Beim Bergrennen mutiert Wolsfeld jedes Jahr an Pfingsten zum Fahrerlager und die Holsthumer Straße wird zur Boxengassen. TV-Foto: Jürgen C. Braun

Wolsfeld. Es ist ein bisschen wie in Monte Carlo bei der Formel 1, wenn der große Rennzirkus in Wolsfeld einfällt. Der Ort mutiert zum Fahrerlager, die Holsthumer Straße zur Boxengasse. Mehr als 150 Fahrer rasen beim Training und den vier Wertungsläufen über die 1640 Meter lange Rennstrecke. Dicht an dicht reihen sich die bunten aufgemotzten "Gebirgsjäger" am Straßenrand.

Viele Anwohner stehen fachkundig dabei und diskutieren mit den Fahrern der papageien-bunten PS-Boliden, unter deren tief heruntergezogene Frontspoiler meist nicht einmal mehr das Programmheft passt. Unverkennbar mischen sich viele Luxemburger Töne unter das Stimmengewirr. Für die "Union des Pilotes" ist Wolsfeld ein Heimspiel.

Der Lauf zählt zur luxemburgischen Bergmeisterschaft. "Wir kommen immer wieder gerne", sagt Yves Kremer aus Bettendorf. "Hier sind wir wie daheim." Etliche Teilnehmer haben schon ihren festen Stellplatz auf privaten Grundstücken, schauen bei dem einen oder anderen Anwohner mal kurz vorbei. "Manche kennt man seit vielen Jahren, da entwickeln sich richtige Freundschaften", sagt Fahrerkollege Mike Souvigne aus Cruchten.

In der Luft liegt der Geruch von Bezin



In der Tat ginge nichts ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer an und auch lange vor den Pfingsttagen. "Ohne die Leute hier, die uns Jahr für Jahr unentgeltlich helfen, wären wir verloren", bestätigt Günter Hoor. Der Rennleiter vom veranstaltenden Eifel Motorsport Club (EMSC) Bitburg gehört an Pfingsten in Wolsfeld zum "Inventar". Er weiß, was er an den Mitgliedern der örtlichen Vereine hat, die größtenteils im Hintergrund wirken.

"Beschwerden über den Lärm kennen wir hier nicht. Ich glaube, die Wolsfelder wären uns böse, wenn wir nicht wieder kämen", sagt Hoor. Schließlich profitieren auch viele Dienstleistungsbetriebe, Hotels, Gaststätten, Pensionen oder Tankstellen von den geschätzten 5000 Gästen.

Im großen Festzelt an der Nimsbrücke geht beim Sommernachtsball am Sonntagabend so richtig "die Post ab" und auch sonst herrscht in dem mit unzähligen, bunten Fahnen geschmückten Ort Feierlaune. So haben etliche Leute Flohmarkt-Stände unweit des Startbereichs aufgebaut. Die Anwohner sitzen in den Vorgärten ihrer Häuser, machen gut gelaunt Picknick, untermalt vom Brüllen der im 30-Sekunden-Takt startenden Rennfahrzeuge. Es riecht nach verbranntem Gummi, nach Benzinschwaden, Steaks, Bratwurst und frisch gezapftem Eifeler Kaltgetränk. Das alles gehört zum Bergrennen dazu, das macht die einzigartige Wolsfelder Pfingst-Atmosphäre aus.Weiterer Bericht: Wie die Fahrer beim Wolsfelder Bergrennen abgeschnitten haben, lesen Sie heute im Sportteil, Seite 22.

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