Ein Herz für Hühner

BITBURG. Theater-Premiere am Europäischen Berufsbildungswerk (Euro-BBW): "Hühner" lautete der Titel einer musikalischen Marionetten-Aufführung. Die Gemeinschaftsproduktion von Schülern, Lehrern und Ausbildern bot nicht nur flottes Theater, sie regte vor allem zum Nachdenken an.

Das Euro-BBW als modernes Zentrum für berufliche Qualifikation und Rehabilitation bietet jungen Menschen aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Luxemburg vielseitige und gezielt transnational ausgerichtete Ausbildungsmöglichkeiten. Auch der Eigeninitiative, Kreativität und Phantasie der Schüler sind keine Grenzen gesetzt. Das bewiesen sie mit den "Hühnern", dem vielleicht ersten Marionetten-Musical überhaupt. Schulleiter Günther Weydt begrüßte die Zuschauer im voll besetzten Theatersaal. Der Inhalt des Stücks ist schnell auf einen Nenner gebracht. "Ein Herz für Hühner", lautet die Botschaft, "helft der gequälten Kreatur". In sechs Szenen wird die Massentierhaltung an den Pranger gestellt. Das Drehbuch hat Lehrer Theo Ohlmeier geschrieben. Währenddessen informierten sich die Schüler über Hühner und ihre "Produktion". Sie recherchierten, was in Legebatterien passiert und was die "Eiermafia" treibt. Das Ergebnis war als Dokumentation im Theaterraum zu besichtigen. "In unserem Stück geht es zwar primär um die Situation der Hühner, die Handlung steht stellvertretend für viele ähnlich gelagerte Missstände", sagt der 17-Jährige Peter Schmitz, einer von 35 "Hühner"-Mitwirkenden. Das Spiel der Marionetten wurde vom Schülerchor begleitet. Zündende Texte, gesungen oder gesprochen, entlarvten die Tragik der Massentierhaltung. "Niederträchtig und gemein, jeder weiß ich bin ein Schwein - darum mach ich Kohle und du nicht": So beispielsweise rühmt sich der Ober-Eier-Mafiosi seiner Geschäftsmethoden. Ein Menschenpärchen beschließt, die Hühner zu befreien. Das gelingt auch. Aber die Tierfreunde werden verhaftet. "Das Treiben der Massentierhalter ist nicht verboten und kann deshalb nicht bestraft werden", verkündet die Richterin. Selbstjustiz könne es im Rechtsstaat nicht geben. "Aber", sagt die Vorsitzende, "der Gesetzgeber möge sich mit der Novelle des Tierschutzgesetzes beeilen". Der Schülerchor gibt den Zuschauern mit auf den Heimweg: "Denkt an die Hühnergeschichte, jeden Morgen beim Frühstücksei!"