Ein Himmel voller Geigen

ALSDORF. Was treibt einen Geigenbaumeister in die Eifel? Ganz einfach: die Abgeschiedenheit und Ruhe, die man zum Geigenbauen braucht. So ging es auch Philip Kraus, der in seiner Werkstatt in Alsdorf Meisterstücke anfertigt.

"Ein Himmel voller Geigen", sang schon vor Jahrzehnten die deutsche Sopranistin, Anneliese Rothenberger, in einer ihrer Opern. "Wahnsinnsgeiger" hat es in den letzten Jahrhunderten immer wieder gegeben - etwa die beiden Russen David Oistrach und Eugeniy Chevkenov sowie Helmut Zacharias, Anne-Sophie Mutter und Yehudi Menuhin. Als größter Geiger aller Zeiten gilt der Italiener Niccolò Paganini (1782-1840).Doch kein Musiker hätte je das Spielen dieses Instruments erlernt, gäbe es da nicht die filigrane Arbeit des Instrumentenbauers. Einer von ihnen ist Philip Kraus aus Alsdorf. Vielleicht ist es gerade die Abgeschiedenheit und Ruhe, die den Geigenbaumeister Kraus in die Eifelidylle getrieben hat. Zum Instrumentenbau kam der in Mailand geborene Violinenbauer in Mexiko, wo er als Sohn eines Diplomaten im Auswärtigen einige Jahre verbrachte.Kraus: "Die Arbeit eines Geigenbauers in Mexiko hat mich damals so fasziniert, dass ich beschloss, einmal selbst diesen Beruf zu erlernen. Und ein paar Jahre später landete ich in Cremona (Italien), der ultimativen Stadt des Geigenbaus. Vier Jahre studierte ich an der berühmten I.P.I.A.L.L., der "Internationalen Geigenbauschule von Cremona".Berühmt ist diese Schule wirklich, denn die Familie des bedeutenden Geigenbauers Nicolò Amati gehört zur Gründerdynastie der Cremoneser Schule. Amatis prominentester Schüler war Antonio Stradivari (1644-1737). Die Violinen, die Stradivari baute, hatten Ähnlichkeit mit denen seines Lehrers Amati, waren aber im wesentlichen kleiner und schwerer. Nach 1680 erkannte man die klare Handschrift Stradivaris und um 1700 entwickelte Antonio Stradivari sein eigenes Modell. Zum Bau einer Stradivari verwendete er Fichten-, Ahorn- und Weidenholz. Ebenso vergrößerte er das Format der Violine und nahm Veränderungen an den f-Löchern vor. In Fachkreisen schätzt man die Zahl der "Stradivaris" auf etwa 1000 Violinen, hinzu kommen noch einmal so viele Violen (Bratschen), Violoncelli (Cello) und andere Instrumente (z.B. Kontrabass).In Deutschland gilt der bayerische Ort Mittenwald neben dem sächsischen Markneukirchen als Hochburg des Geigenbaus. Mit Beginn der der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts, als der kirchliche Besitz verweltlicht wurde, gingen Klöster und Kirchen als Kunden der Instrumentenbauer verloren. Der Mittenwalder Geigenbau erlebte eine schwere Krise und die Künstler wanderten meist in die Städte der Alpenregionen aus. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich wieder Streichinstrumentenbauer in Mittenwald an. 2003 sind es wieder elf Werkstätten, in denen Zupf- und Streichinstrumente hergestellt werden.Eine Meistergeige wie die von Philip Kraus hebt sich selbstverständlich von der Massenware einer Fabrik ab: Die hochwertigen Hölzer, die der Geigenbaumeister verwendet, sind lange abgelagert und somit widerstandsfähiger und klangvoller und bei Kraus ist und wirklich alles Handarbeit, was den auf den ersten Blick hohen Preis einer Einzelanfertigung rechtfertigt. 200 Arbeitstunden muss Kraus investieren, bevor eine Violine oder Bratsche ihren ersten Ton preisgibt.