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Die 50er Jahre im Schnelldurchlauf: Ein Kanzler, elf Männer und eine Kaiserin

Die 50er Jahre im Schnelldurchlauf : Ein Kanzler, elf Männer und eine Kaiserin

Konrad Adenauer – sein Name ist das Synonym für die 50er Jahre der jungen Bundesrepublik. Es war die Zeit, in der sich Deutschland dank Wirtschaftsboom und ersten Erfolgen auf internationalem Parkett von den Folgen des Zweiten Weltkriegs erholte.

Er setzte durch, dass Bonn Bundeshauptstadt wurde. Mit seiner eigenen Stimme wählte er sich am 14. August 1949 zum ersten Bundeskanzler der noch jungen Republik – und prägte eine ganze Ära. Die Rede ist von Konrad Adenauer (1876-1967), der für die deutsche Wiederbewaffnung und die Westintegration kämpfte, der mit Charles de Gaulle (1890-1970) im Januar 1963 den Elysée-Vertrag schloss und damit den Grundstein für die deutsch-französische Freundschaft legte. Wenige Monate später endete die Ära Adenauer im Bundeskanzleramt.

In den 50er Jahren wurde der Weg in die Europäische Union geebnet. Mit der Gründung der sogenannten Montanunion durch die Pariser Verträge im April 1951 wurden die Kohle- und Stahlmärkte in Belgien, der BRD,  Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden geöffnet. Die mit diesem Vertrag ins Leben gerufene Hohe Behörde war das Vorbild für die Kommission der Europäischen Gemeinschaften und der EU. Gleichwohl war die Montanunion umstritten. Die SPD-Opposition sprach wegen des Fehlens des Vereinigten Königreiches von einem „nichttragfähigen Kleineuropa“.

Die Montanunion war einer der Motoren für das Wirtschaftswunder. Mitte der 50er Jahre arbeiteten in Deutschland rund 600 000 Menschen im Steinkohlenbergbau. 1955 kamen die ersten Gastarbeiter aus Italien ins Land. Ende der 50er Jahre herrschte mit einer Arbeitslosenquote unter zwei Prozent Vollbeschäftigung. Die Reallöhne der Arbeitnehmer stiegen um zehn Prozent und mit dem Käfer wollte der Brenner oder die Provence erobert werden.

Historiker wie der Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Joachim Fest (1926-2006) glauben, dass das eigentliche Gründungsdatum der Bundesrepublik Deutschland der 4. Juli 1954 sei. Beim „Wunder von Bern“ besiegte die deutsche Fußballnationalmannschaft um ihren Kapitän Fritz Walter die ungarische Mannschaft und wurde Weltmeister. Der Sieg im Wankdorf-Stadion löste in der jungen Bundesrepublik eine Aufbruchstimmung aus.

Die Bundeswehr wurde 1955 gegründet, gleichzeitig trat die Bundesrepublik der NATO bei. Beide Entscheidungen wurden von der Opposition abgelehnt, fürchtete sie doch, dass damit die Wiedervereinigung mit der DDR unmöglich gemacht werde.

Während sich die Bundesrepublik schnell von den Folgen des Zweiten Weltkriegs erholte, war die Lage in der DDR eine andere. 1953 drohte eine Ernährungskrise als Folge der Bodenenteignungen und der Bodenreform. Das führte in der DDR teilweise zu höheren Preisen für Grundnahrungsmittel als in der Bundesrepublik. Der Ministerrat der DDR versuchte auf diese Notlage mit höheren planwirtschaftlichen Vorgaben zu reagieren. Deshalb streikten am 17. Juni 1953 die Belegschaften in vielen Betrieben. Der Aufstand konnte nur mithilfe sowjetischer Armeeangehöriger zerschlagen werden.

Rundfunk und Fernsehen gewannen an Bedeutung. Sendungen wie die Tagesschau oder das Quizz „Was bin ich?“ etablierten sich. Die Deutschen hörten Schlager, während sich die Welt allmählich mit dem Rock’n’Roll anfreundete. Elvis Presley (1935-1977) eroberte als amerikanischer Soldat in Heidelberg die Herzen der deutschen Frauen. Hula-Hup-Reifen und Toast Hawai waren in Mode.

Der spätere Nobelpreisträger Heinrich Böll (1917-1985) setzte sich kritisch mit den gesellschaftlichen Zuständen der 50er auseinander. Mit Romy Schneider (1938-1982) ging ein Stern am Kinohimmel auf. Dank der Sissy-Filme war sie eine der bestbezahlten Filmschauspielerinnen Deutschlands.