Ein Kind zu wenig - Buslinie eingestellt

Kostenpflichtiger Inhalt: Von Sülm nach Biesdorf ist kein Halten mehr : Ein Kind zu wenig – Buslinie eingestellt

Die Kreisverwaltung hat eine Verbindung gestrichen, der vom Bitburger Land nach Welschbillig fuhr. Deswegen haben Schüler jetzt erhebliche Schwierigkeiten, es zum Gymnasium nach Biesdorf zu schaffen. Ihre Eltern sind frustriert.

Ende Juli klingelt bei Familie Eppers das Telefon. Am Apparat ist ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Und der hat, 14 Tage vor Beginn des neuen Schuljahrs, schlechte Nachrichten. Die Verwaltung hat den Bus, in den der 15-jährige Sohn Steven fast jeden Morgen einsteigt, eingestellt. Die Eppers und andere Eltern aus dem Bitburger Land fragen sich seitdem, wie ihre Kinder in die Schule kommen sollen.

Steven besucht seit fünf Jahren das Sankt-Josef-Gymnasium in Biesdorf (VG Südeifel). Mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Sülm dorthin zu kommen, ist aber nicht möglich – ebenso wenig übrigens wie von Dahlem, Trimport, Idenheim, Röhl, Ittel oder Hofweiler aus. Die nächste Haltestelle, an der eine Linie nach Biesdorf abfährt, liegt in Welschbillig (VG Trie- Land).

In solchen Fällen muss der Landkreis einspringen. Denn die Beförderung der Schüler ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen. Deshalb hat der Eifelkreis seit 2012 einen Bus eingesetzt, der die Kinder morgens nach Welschbillig bringt und sie später dort wieder abholt. Doch diesen Zubringer hat die Behörde nun gestrichen.

Der Grund: Bis zuletzt saßen nur vier Kinder im Bus, die einen Anspruch auf Schülerbeförderung haben. Es müssten aber fünf sein, damit die Verwaltung einen Bus schicken muss. So steht es in der Schülerbeförderungssatzung des Eifelkreises. Dabei stiegen sogar acht Kinder regelmäßig in den Zubringer ein. Vier von ihnen haben aber laut Kreis keinen Anspruch auf einen Transport, weil sie bereits in der elften oder zwölften Klasse sind. Bei Familie Eppers ist man darüber irritiert: „Unter den älteren Schülern ist ein 17-Jähriger aus Sülm. Der darf nicht Auto fahren. Wie soll der künftig zur Schule kommen?“ Beim Kreis stellt man sich diese Frage nicht. Als Antwort auf eine TV-Mail heißt es von einem Sprecher lediglich: „Paragraf 69 Absatz 8 des Schulgesetzes schließt den Einsatz von Schulbussen für Schüler der Klassenstufen 11-13 ausdrücklich aus.“ Gescheitert ist die Linie an einem einzigen Kind. Das Mädchen entschied sich zwei Wochen vor Schulbeginn, lieber in Bitburg zur Schule zu gehen. Deshalb wurden die Eltern erst so spät darüber informiert, dass der Bus nicht mehr kommt. „Da hatten wir Steven ja längst angemeldet“, sagt seine Mutter: „Es wäre zu spät gewesen, ihn nach Bitburg zu schicken.“ Die Überlegung habe es gegeben, denn in die Kreisstadt fährt ein Bus: „Aber Steven hat ja seine Freunde in Biesdorf.“

Also sei den Eltern nichts anderes übrig geblieben, als in 14 Tagen eine Fahrgemeinschaft auf die Beine zu stellen: „Und das gestaltet sich  schwierig.“ Die Kinder hätten unterschiedliche Stundenpläne. Außerdem seien viele Mütter und Väter berufstätig – was es schwierig mache, Termine für die Fahrten nach Welschbillig zu organisieren. „Ich bezweifle auch, dass wir damit was für den Klimawandel tun, wenn anstatt eines Busses  vier bis sechs Autos an der Bushaltestelle stehen“, sagt Benno Eppers.

Immerhin: Der Kreis bietet den Eltern an, ihnen einen Teil des Spritgeldes zu zahlen. Auf Antrag erstattet die Behörde „monatlich den Preis eines vergleichbaren öffentlichen Verkehrsmittels“, heißt es von einem Sprecher. Nur nütze das nichts, sagen die Eppers: „Es fehlt nicht an Geld, sondern an Zeit.“

Und daran wird sich so schnell nichts ändern. Den Zubringer wieder einzusetzen, kommt nach Angaben der Verwaltung nämlich nicht infrage: „Die neuerliche Einrichtung des Verkehrs kommt nur in Betracht, wenn mindestens fünf Schüler gemeinsam zu befördern sind.“ Stevens Eltern glauben nicht daran, „dass jemals wieder ein Bus fährt“.

Hoffen können sie noch auf das Nahverkehrskonzept, das der Verkehrsverbund Region Trier derzeit zusammen mit den vier Landkreisen auf den Weg bringt. Insgesamt soll dabei der Busverkehr um 80 Prozent ausgebaut werden. Derzeit ist das Linienbündel Südeifel in der Umsetzung (der TV berichtete). Ob im Zuge dessen auch Sülm eine Verbindung nach Biesdorf erhält? „Das kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht berurteilt werden“, schreibt ein Kreissprecher.

Bis dahin jedenfalls werden sich die Eppers was überlegen müssen: „Das bereitet uns schlaflose Nächte.“ Ob ihr Problem ein Einzelfall ist? Nach Auskunft des Kreises sei es „gängige Praxis, dass aus unterschiedlichen Gründen Linien eingestellt, neu eingerichtet oder umstrukturiert werden“. Welche Routen in der Vergangenheit gestrichen wurden, kann oder will der Kreis nicht beantworten. Das herauszufinden bereite einen zu hohen „Verwaltungsaufwand“.

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