Ein kleiner Pieks und die Kanüle sitzt

SPEICHER. "Blut kann man nicht kaufen": So lautet die Botschaft der Werbekampagne des Deutschen Roten Kreuzes. Vor allem junge Menschen sollen dazu bewegt werden, Blut zu spenden. TV -Mitarbeiterin Daniela De Sabato folgte der Aufforderung und ließ sich "anzapfen".

 Blut lassen für einen guten Zweck: 500 Milliliter Blut zapfen Ärzte für eine Blutspende ab - eine Menge, an der zahlreiche Erstspender scheitern.Foto: TV -Archiv/Bernd Schlimpen

Blut lassen für einen guten Zweck: 500 Milliliter Blut zapfen Ärzte für eine Blutspende ab - eine Menge, an der zahlreiche Erstspender scheitern.Foto: TV -Archiv/Bernd Schlimpen

Es ist kurz nach 17 Uhr, als ich den Vorraum der Speicherer Hauptschule betrete. Noch etwas orientierungslos stelle ich mich in die Schlange vor der Anmeldung, ganz gespannt darauf, was mich erwartet. Was an diesem Abend dort stattfindet, ist nicht etwa ein Elternabend, sondern ein Termin zur Blutspende. "Sie sind also Erstspenderin", sagt ein älterer Herr hinter der Anmeldung zu mir. "Schön. Dann bräuchte ich zunächst einmal Ihren Personalausweis." Mit diesen freundlichen Worten heißt man mich in der Riege der Spender willkommen. Meine Personalien werden im Computersystem gespeichert und ich werde überhäuft mit Infomaterial und zwei Fragebögen, die ich ausfüllen soll. Vollbepackt und mit fragendem Blick suche ich nach einer Sitzmöglichkeit und entdecke einige kleine Tische, die an einander gereiht sind. "Das sind die Wahlkabinen. Da können Sie ruhig Platz nehmen", sagt der Herr von vorhin.Gewissensappell bevor die Nadel naht

Ich lege erstmal das ganze Infomaterial ab und beobachte meine Nachbarin: eine ältere Frau, die konzentriert über ihrem Bogen sitzt. Ach, stimmt ja, ausfüllen, denke ich mir. Ich greife zum Stift und lese mir die Fragen aufmerksam durch. Manchmal sogar zweimal, um alles korrekt zu beantworten. Währenddessen höre ich, wie jemand sagt: "Der Nächste bitte!" Mein Blick gleitet zu einer Tür rechts neben mir, vor der sich bereits wartende Menschen tummeln. Einer nach dem anderen wird hinein gebeten, und auch ich gehe schließlich mit meinem ausgefüllten Bogen in das Sprechzimmer, wo bereits ein Arzt auf mich wartet. "Setzten Sie sich ruhig hin. Ich werde jetzt Ihren Blutdruck messen und Ihre Arme untersuchen." Also mache ich meinen Arm frei und löcher‘ den Arzt mit Fragen. Zum Beispiel, was es mit diesem zweiten Fragebogen auf sich hat, den man mit einem Siegel verschließen muss. "Es geht darum, dass der Spender noch einmal an sein Gewissen appelliert, ob das Blut auch wirklich verwendet werden darf." Diese Frage stellt sich bei Menschen, die eine Ansteckung durch ein Virus (HIV, Syphilis, Hepatitis) nicht ausschließen können und ihr Gesicht in der Gruppe wahren möchten: Ehepartner, die fremd gegangen sind, Homosexuelle, die sich nicht outen möchten oder Drogenabhängige. Nachdem der Arzt grünes Licht gibt, mache ich mich etwas nervös auf den Weg zum Blutspendezimmer, begleitet von dem Gedanken, ob ich nicht doch einen Rückzieher machen werde. Doch zu spät: Da sitze ich der Ärztin schon gegenüber. Zuerst sticht sie mir kurz ins Ohrläppchen für eine Eisenwert-Analyse meines Blutes und fragt mich, ob ich auch genug getrunken habe. Das sei ganz wichtig, erklärt sie mir. Zwei Liter seien Minimum, damit der Körper den Blutverlust schnell wieder ausgleichen kann. Oh oh, ertappt! Mit einem Kopfschütteln muss ich beichten, dass ich sowieso viel zu wenig trinke. Also muss ich mich noch etwas gedulden und trinke erst einmal eine Flasche Wasser. Mit einem Gluckern im Bauch darf ich dann meinen letzten Schritt zur Blutspende gehen: Ich lege mich auf die Liege, und noch während ich mit dem Arzt rede, der meine Venen untersucht hat, macht es einmal Pieks, und die Kanüle sitzt.Nach 250 Millilitern geht nichts mehr

Etwas verwundert darüber, dass ich nichts gespürt habe, sehe ich, wie mein Blut in die Konserve fließt. Ein netter Helfer fragt mich, ob alles in Ordnung sei und ich muss zugeben, dass es doch nicht so schlimm ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Doch nach etwa vier Minuten und 250 Milliliter gespendetem Blut später wird es mir schummrig, und ich frage den Helfer, ob das normal ist. "Ein Taubheitsgefühl im Arm ist nichts Ungewöhnliches, aber wenn es Ihnen schlecht wird, dann sagen Sie frühzeitig bescheid." Eine halbe Minute lang ringe ich noch mit mir. Soll ich, soll ich nicht. Aber dann geht's nicht mehr, und ich muss aufgeben. Mission gescheitert, denk ich nur. Die Kanüle wird entfernt, mein Puls wird gemessen, und ich bekomme schnell was zum Trinken. "Stellen Sie sich einen Menschen vor, der das erste Mal einen Marathon läuft. Der weiß auch nicht, ob er beim Ziel ankommt", versucht Hans-Jörg Mühlenhoff, Leiter der Organisation für Blutspende, mich aufzumuntern. "500 Milliliter Blut sind für einen Erstspender manchmal einfach zu viel. Da spielt die Psyche auch eine entscheidende Rolle." Nach ein paar Minuten hilft man mir auf die Liege gegenüber, wo ich mich, wieder mit einem vollen Glas Wasser in der Hand, ein wenig ausruhe. Meine Nachbarin, eine junge Frau, die die Szene beobachtet hat, tröstet mich mit den Worten, dass sie auch beim ersten Mal frühzeitig aufgeben musste. Eine Viertelstunde später werde ich dann von Hans-Jörg Mühlenhoff zum Speisesaal begleitet, wo die Spender in einer gemütlichen Runde beisammen sitzen und sich stärken. Von ihm erfahre ich Interessantes über den Weg, den das Blut nun nimmt. An einem Blutspendetag werden rund 850 Konserven mit jeweils 500 Milliliter gespendet. Das auf 19 Grad gekühlte Blut wird dann am gleichen Abend noch mit zwei LKW nach Bad-Kreuznach gebracht. Dort wird es im Labor untersucht, und erst wenn alle Tests abgeschlossen sind, wird es an die Krankenhäuser freigegeben.