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Ein König auf dem Spielfeld

Ein König auf dem Spielfeld

Auf andere Menschen zu schießen - auch wenn es sich nur um Farbkugeln handelt -, gilt bei vielen noch immer als verpönt. Markus König ist Paintballspieler der ersten Stunde. Er erzählt, was ihn seit nunmehr 22 Jahren an diesem Sport fasziniert.

Bitburg/Trier. Bis zu den Zähnen bewaffnete Männer in Tarnanzügen, die durch den Wald laufen und wild brüllend mit Farbkugeln aus "Gewehren" auf andere Männer in Tarnanzügen schießen - das ist das Bild, das viele Menschen haben, wenn sie Paintball beschreiben sollen. Sicherlich gibt es diese Art Paintballer. Doch Markus König, 41-jähriger Angestellter bei einer Bank in Luxemburg, hat einen treffenden Vergleich: "Nicht jeder, der einen Baseballschläger hat, spielt damit Baseball."
König kommt in Fahrt, wenn er von seinem Hobby, das schon eher eine Passion ist, erzählt. Für ihn ist Paintball eine Art "Völkerball mit technischen Mitteln". Die Mannschaften spielen auf einem Feld, das mit einer sogenannten Sup-Air-Deckung, also künstlichen Hindernissen, ausgestattet ist (siehe Extra). Tarnanzüge sind wie rote Farbkugeln strikt verboten, es heißt nicht "Waffe", sondern "Markierer", und das Regelwerk ist dick wie ein Buch.
Mit Kriegsspielen habe das alles wenig zu tun. Die Verletzungsrate liege weit unter der von Fußballern und zu Ausschreitungen sei es in seinen 22 Jahren als Paintballspieler noch nie gekommen, sagt König. "Paintballer sind relaxte Menschen, die Dampf auf dem Spielfeld ablassen können", sagt er, der sein Hobby als echten Ausgleich zu seinem Job bei einer Depotbank sieht. Wild drauflos ballern ist jedoch nicht die Devise, auch wenn es für Außenstehende auf den ersten Blick so aussehen mag.
Strategisch durchdacht



Bevor die Mannschaften auf das Spielfeld gehen, werden die vom Teamcaptain aufgestellten Spielpläne durchgegangen. "Wie bei einem Schachspiel setzt man die Spieler auf bestimmte Positionen", erklärt König, der auch im Ü-40-Kader der Deutschen Nationalmannschaft steht. Jede Position ist strategisch durchdacht. "Frauen tun sich mit dieser Sportart etwas schwerer", meint König und erklärt, warum. Auf dem Spielfeld trifft man sich - im wahrsten Sinne des Wortes - und bekommt blaue Flecken von den Farbkugeln, was mitunter schmerzhaft ist. Auch die Art, wie sich die Spieler auf den schmierigen, von aufgeplatzten Kugeln übersäten Boden werfen und darüberschlittern, sei nicht "jederfraus" Sache.
Im vor zehn Jahren gegründeten Bitburger Verein "Elysium" ist derzeit nur eine Spielerin - eine ehemalige Gardetänzerin. Obwohl Paintball eine relativ teure Sportart ist, sind bei "Elysium" alle Berufsgruppen vertreten. "Vom Straßenbauer bis zum Roboteringenieur ist alles dabei", betont Teamcaptain König.
Die 30 Mitglieder im Alter von 18 bis 45 Jahren verbindet die Leidenschaft zu einem noch immer exotischen Hobby. "Einer unserer Spieler hat sich sogar den Schriftzug ,Elysium\' auf den Unterarm tätowieren lassen." Dass Paintball eher eine Randsportart ist, liegt sicherlich nur zum Teil am schlechten Kriegsspiel-Image.
Als Zuschauer fällt es nämlich bei dem rasanten Geschehen auf dem Feld oft schwer, dem Spielverlauf zu folgen. Wer einmal live bei einem besonderen Paintball-Event dabei sein will, hat von Freitag bis Sonntag, 8. bis 10. Mai, die Gelegenheit - die größte Paintball-Turnierserie Europas macht dann Halt in Bitburg. Dann werden auch Markus König und seine "Elysianer" mit am Start sein.
Die Spielreihe ist in mehrere Turniere aufgeteilt, die in verschiedenen Orten Europas stattfinden.
Der erste Teil fand in Puget-sur-Argens (Südfrankreich) statt, der zweite Teil wird in Bitburg ausgetragen, es folgen Teil 3 in London und Teil 4 in Paris.
Weitere Informationen im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.psv-bitburg.de" class="more" text="www.psv-bitburg.de"%>
Extra

 Paintball ist sein Hobby: Markus König.
Paintball ist sein Hobby: Markus König. Foto: (e_bit )

Ein Sup-Air-Feld ist eine rechteckige Fläche, auf der mit Luft gefüllte große verschiedenförmige Deckungen aufgestellt sind - vom Material vergleichbar mit Kinder-Hüpfburgen. Der Untergrund besteht meistens aus Rasen, Kunstrasen oder Sand. Bei dem Wettbewerb "Millennium Series" ist eine Mindestzahl an Deckungen auf einem Spielfeld vorgeschrieben.