Ein Kulturgut zum Schnäppchenpreis

Ein Kulturgut zum Schnäppchenpreis

Schadhafte Dächer, Risse in der Mauer, Schädlinge im Inneren: Als die Verbandsgemeinde Kyllburg 1989 das Eigentum an Schloss Malberg übernahm, war das Anwesen in einem desolaten Zustand. Inzwischen wurden zehn Millionen Euro in das Schloss investiert. Und dennoch wird es vermutlich nur für einen Bruchteil dieser Summe verkauft - wenn überhaupt.

Als "Pflegefall" wurde das Schloss Malberg noch Mitte der 90er Jahre in einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschrieben. Lang, lang ist's her, denn ein Pflegefall - das ist das Wahrzeichen der Kyllburger Waldeifel, das seit 1989 im Eigentum der Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg steht, heute wahrlich nicht mehr: Seit im Herbst des vergangenen Jahres die Arbeiten an der Fassade des Neuen Hauses abgeschlossen wurden, erstrahlt das Schloss in neuem Glanz und präsentiert sich als imposanter Blickfang. Ein Sorgenkind ist das Malberger Schloss allerdings weiterhin.

Seit Jahren wird im Kyllburger Verbandsgemeinderat regelmäßig darum gerungen, ob angesichts des defizitären Haushalts der VG diese oder jene Baumaßnahmen an dem Kulturdenkmal überhaupt noch umgesetzt werden sollen. Seit Jahren geben die Ratsmitglieder meist zähneknirschend ihr Okay - weil zum einen ein Großteil der Maßnahme von Bund, Land oder Stiftungen bezahlt wird und zum anderen immer noch die Hoffnung mitschwingt, das Schloss werde dadurch für potenzielle Investoren attraktiver. Denn seit Jahren sucht die VG Kyllburg nach einem Käufer für das Wahrzeichen der Waldeifel. Bislang sucht sie vergeblich - und das, obwohl seit 1989 fast zehn Millionen Euro in das Kulturdenkmal geflossen sind (siehe Extra). Geld, das womöglich einem Geschäftsmann aus Bangladesch zugutekommt: Seit mehr als zwei Jahren laufen zwischen der VG und dem Industriellen, der nach eigenem Bekunden in der hochwertigen Bekleidungsindustrie sein Geld verdient und für sein Unternehmen eine repräsentative Niederlassung in Europa sucht, Gespräche über den Kauf des Schlosses (der TV berichtete). Neben einer privaten Nutzung sieht sein Konzept für das Kulturgut auch ein Hotel, Seminarräume und ein Gesundheitszentrum vor. Zuletzt habe er im Dezember mit einem Rechtsanwalt des Geschäftsmanns gesprochen, sagt Bernd Spindler, Bürgermeister der VG Kyllburg. Ob dabei auch über die Höhe eines Kaufpreises gesprochen wurde, sagt Spindler nicht: "Jede Zahl, die ich nennen würde, wäre falsch."

Im Internet wird das für zehn Millionen Euro sanierte und restaurierte Schloss Malberg für 600 000 Euro angeboten - also nicht einmal für ein Zehntel dessen, was in den vergangenen 21 Jahren investiert wurde, und weniger als das, was 1989 bezahlt wurde. "Ich will Schloss Malberg auf keinen Fall verschleudern", will Spindler Diskussionen darüber, ob hier ein millionenschwer subventioniertes Schloss zu einem Spottpreis verkauft werden soll, gar nicht erst aufkommen lassen. "Aber glauben Sie denn, dass jemand das Schloss für den tatsächlichen Investitionswert von rund zehn Millionen Euro kaufen würde?" Ähnlich sieht dies auch Bernhard Gies, Vorsitzender des Fördervereins Schloss Malberg - einem Verein, der seit seiner Gründung im Jahr 1996 mehr als 40 000 Euro aus privater Hand für die Arbeiten an dem Kulturdenkmal gespendet hat: "Wenn jemand kommt, der echtes Interesse am Schloss hat, es erhalten will und das finanziell auch kann, der darf Schloss Malberg gerne auch geschenkt haben!" Ob der Interessent aus Bangladesch diese Vorgaben erfüllt, vermag Gies nicht zu beurteilen. Er wünscht sich für das Schloss eine Nutzung, in der kulturelle Veranstaltungen ihren Platz haben und die Öffentlichkeit weiterhin Zugang hat. Ein Wunsch, dem sich der derzeitige "Schlossherr" Spindler nur anschließen kann: "Das Schloss hat es verdient, dass es mit Leben gefüllt wird!"

Extra

Die Investitionen im Überblick: Insgesamt wurden seit 1989 circa 9,99 Millionen Euro in das Schloss Malberg investiert. Den größten Anteil in Höhe von rund 3,44 Millionen Euro trug das Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam mit dem Kultusministerium, der Bund zahlte 2,16 Millionen Euro, 1,79 Millionen Euro stammten aus dem Investitionsstock des Landes, und die VG Kyllburg bezahlte rund 886 000 Euro. Die teuersten Maßnahmen waren die Sanierung der Ring- und Stützmauern an der Schlossanlage in den Jahren 1992/1993 (580 000 Euro), die Dach- und Mauerwerkssanierung im Alten Haus und im Arkadenbau sowie die Sanierung des Außenputzes und der Fenster im Alten Haus 1998/1999 (916 000 Euro), die Nutzbarmachung der Schlosskapelle zwischen 2000 und 2001 (880 000 Euro) und die 2010 begonnenen Arbeiten am Neuen Haus (Fassade, Restaurierung von Räumen im Erdgeschoss sowie der Treppe zum Runden Garten für 2,4 Millionen Euro). (neb)

Meinungzum Thema:

Preis darf nicht entscheidend sein

Es ist eine beachtliche Summe an (Steuer-)Geld, die in den vergangenen 21 Jahren in das Schloss Malberg geflossen ist. Daraus ergibt sich für die Verbandsgemeinde Kyllburg und all jene, die sie bei dem Verkauf unterstützen, die Verpflichtung, aufs Peinlichste genau zu überprüfen, wem sie die Schlüssel fürs Schloss in die Hände geben: Die Denkmalpflege muss darauf achten, dass das Kulturdenkmal mit der geplanten Nutzung keinen Schaden nimmt. Bank- und Wirtschaftsexperten müssen sicherstellen, dass der Käufer die finanziellen Möglichkeiten hat, das Schloss nicht nur für die angedachte Nutzung herzurichten, sondern auch darüber hinaus zu erhalten. Überhaupt jemanden zu finden, der diese Voraussetzungen erfüllt, ist schwer genug. Da sollte der Kaufpreis nicht die ausschlaggebende Rolle spielen, auch wenn der Verkauf unterm Strich ein Verlustgeschäft ist. Zumal die nicht wünschenswerte Alternative hieße: überhaupt keine Nutzung – und das, obwohl in Malberg schon so viele Millionen verbaut wurden. aheu/ah n.ebner@volksfreund.de

Mehr von Volksfreund