Ein Kunsthandwerker schwimmt sich frei

Ein Kunsthandwerker schwimmt sich frei

NIEDERPRÜM. Der Schwarm der fliegenden Fische (der TV berichtete) erhält weiteren Zuwachs: Hubert Kruft lässt neue Werke über der Prüm schweben. Was so schwerelos aussieht, hat allerdings einen durchaus gedankenschweren Hintergrund.

"Ich bin halt ein etwas pessimistischer Mensch", sagt Hubert Kruft. "Und was die Zukunft der Menschheit angeht, bin ich eher skeptisch." Argumente für diese Einstellung hat er genug: Kriege, Hungersnöte, Umweltverschmutzung. "Und die Ressourcen gehen zur Neige." Kein Wunder, dass der Künstler sich sorgt. Jüngster Ausdruck dieser Seelen-Nöte: Die rund 60 Kilogramm schweren und gut zwei Meter langen Fisch-Gerippe, die seit einigen Tagen über der Prüm im Skulpturenpark der Kruft-Brüder Hubert und Alfred schweben. "An die Verseuchung der Meere erinnern"

Wie viele seiner Arbeiten sind sie aus Altmetall und ausrangierten landwirtschaftlichen Geräteteilen zusammengesetzt. Die Grätentiere hängen nicht einfach nur herum: "Die sollen an die Verseuchung der Meere und der Umwelt erinnern", sagt der Bildhauer. Das klingt sehr ernst und bedeutungsgeladen. Bevor wir uns aber allzu tief ins Apokalyptische wühlen, sei deshalb gesagt: Kruft hat Spaß bei seiner Arbeit. Denn überzeugende Skulpturen kommen dabei nur heraus, wenn er ungezwungen vorgehen kann: "Das muss man zusammenbauen, ohne zu streng zu denken. Und zumindest ist da auch etwas Skurriles, Spaßiges dran - das kann man schon erkennen." Trotzdem: Der Künstler meint es ernst. Das gilt auch für seine weiteren Arbeiten. Zum Beispiel der "Sensenmann", derzeit im nordrhein-westfälischen Kloster Knechtsteden ausgestellt. Oder der "Feuerteufel" - eine ebenfalls mannshohe Metallfigur. Noch liegt sie am Boden seiner Werkstatt, die Einzelteile sind noch nicht miteinander verbunden. "Den wollte ich ins Niederprümer Burgfeuer stellen. Das brennt dann runter - und am nächsten Tag steht nur noch die Figur da. Aber das wird zeitlich ein bisschen knapp." Das dürfte dann einen schön gruseligen Anblick bieten - genauso wie eine seiner ersten Arbeiten: Ein "Bombenkreuz", zusammengesetzt aus Granaten. In den 70-er Jahren war das, kurz nach seiner Wehrdienst-Verweigerung. Dennoch sieht er, bei aller Düsternis, einen Hoffnungssschimmer: "Ganz so schlimm ist es nicht. Ich denke schon, dass es letztlich irgendwie weitergeht." Eines Tages wird er deshalb einen Engel schmieden, der das Rettende symbolisieren soll. Ein christliches Motiv also? "Weiß ich nicht genau", sagt Kruft. "Auf jeden Fall ist das mit dem Glauben verbunden. Ich bin zwar keiner, der jeden Tag in die Kirche rennt, aber ich denke schon, dass wir irgendwie gelenkt werden." Nicht zuletzt deshalb hat er auch an der Wander-Ausstellung "Der lächelnde Christus" teilgenommen (der TV berichtete). Verkauft hat er noch keine seiner ernsthafteren Skulpturen. Für den Lebensunterhalt sorgen die kunsthandwerklichen Arbeiten. Allerdings macht Hubert Kruft davon nicht mehr so viele wie früher: "Als ich 50 Jahre alt geworden bin, habe ich mir gesagt: Du musst noch was anderes machen und nicht immer nur dem Geldverdienen hinterherrennen. Und das ist das Schöne: Wenn man sich nicht mehr verbiegen muss, um anderen zu gefallen. Das ist ein schöner zweiter Lebensabschnitt." Der Skulpturenpark ist täglich von zehn bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet ein Euro und ist für Prümer und Niederprümer frei.

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