Ein Lothar für Franziskus
Die 57. Ausstellung der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen in Prüm ist eröffnet. Sie ist bis Sonntag, 31. August, in der ehemaligen Abtei zu sehen.
Prüm. Die 57. Ausstellung der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK) ist gestartet, mit einer feierlichen Eröffnung in der Basilika Prüm. Den Kaiser-Lothar-Preis verlieh Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy am Samstag dem in Daun geborenen Maler Franziskus Wendels (der TV berichtete) - und bekannte, richtig gerührt zu sein. Wo doch der Künstler, wie die Bürgermeisterin, aus dem Kreis Vulkaneifel stammt.
"Papa, kriegst du eine Krone?", sagt Wendels, hätten ihn seine Kinder gefragt. Nein, aber 2500 Euro und eine schicke Spirale: "Das hat Niveau", freut er sich in seinem kurzen Dankwort und verweist darauf, dass er vor 34 Jahren gleich nebenan, am Regino-Gymnasium, Abitur gemacht habe. Und das ohne Kunstunterricht. Warum das seiner Malerei sogar gut getan habe, will er in seinem Vortrag verraten: am Samstag, 23. August, 15.30 Uhr, im Gymnasium.
Die Förderpreise (je 1000 Euro), gestiftet von der Kreissparkasse Bitburg-Prüm, gingen an Marina Herber aus dem luxemburgischen Osweiler und an Jonas Eberle aus Wittlich.
Bei all der Feierlichkeit fragt sich der Besucher, ob die Ausstellung dem großen Rahmen gerecht werden kann. Ja, lautet die Antwort - vor allem, wenn man den Hauptpreisträger betrachtet: Franziskus Wendels - seine Entwicklung wird im diesmal sehr ansehnlich geratenen Katalog umrissen - präsentiert sich als souveräner Künstler, der sich in seiner Malerei immer stärker auf das für ihn Wesentliche konzentriert. In seinen aktuellen Bildern mag, anders als früher, auf den ersten Blick wenig geschehen, aber sie sind hinreißende Malerei, die sich im Fürstensaal der Abtei elegant gegen den Kronleuchterprunk behauptet.
"Die Nacht", sagt in der Laudatio die Wittlicher Kunsthistorikerin Ute Bopp-Schumacher, "ist dabei die von ihm bevorzugte Tageszeit". Wendels setze das wenige, meist künstliche Licht gezielt ein, dabei entstünden geheimnisvolle Stimmungsbilder von eigentümlicher Spannung. Kurz: "Subtil und überlegen bespielt Franziskus Wendels seine Leinwände." Kein Widerspruch: Die Auszeichnung für Wendels ist ein Glücksfall für Prüm und die EVBK. Dabei war der Künstler der Vereinigung einige Jahre lang verloren gegangen - nun ist er zurück, als würdiger Preisträger.
Die 34-jährige Förderpreisträgerin Marina Herber arbeitet illustrativ, erzählt an Comics und Pop Art erinnernde, mit klarer Linie gezeichnete Geschichten in ihren Bildern, von Ferne grüßt der britische Zeichner Ralph Steadman. Es sind Arbeiten, wie man sie bei der EVBK bisher selten zu sehen bekam. Der 26 Jahre alte Jonas Eberle kommt sozusagen von der Straße in den ehrwürdigen Fürstensaal: Mit Graffiti fing er an, auch heute benutzt er noch die Sprühdose für seine plakativen Bilder. Die drei Preisträger plus die dort repräsentierten Bildhauer machen den Besuch im Saal in diesem Jahr zum anregenden Erlebnis.
Wie immer kaum zu bremsen ist am Eröffnungstag die EVBK-Präsidentin: "Haben Sie gesehen, was wir für schöne Fotoarbeiten haben in diesem Jahr?", sagt Marie-Luise Niewodniczanska noch vor der Eröffnungsfeier zum TV. "Die Qualität ist sehr gestiegen." Und besser zu sehen, denn der Fotografie hat die EVBK diesmal einen eigenen Raum gewidmet.
Eine gute Entscheidung angesichts der schieren Menge an Kunst, die wieder geboten wird: Insgesamt 180 Arbeiten von 104 Künstlern präsentiert die Schau, das ist immer noch sehr viel, auch wenn man streng gesiebt habe, wie die Präsidentin betont.
Dennoch ist etwas anders diesmal - die Ausstellung wirkt, auch wenn immer noch manches belanglose, vereinzelt auch nahezu amateurhaft wirkende Werk es dann doch hinein geschafft hat, - weniger beliebig als in manchem vergangenen Jahr. Das Verhältnis der zwingenden Arbeiten zu denen, auf die man hätte verzichten können, hat sich deutlich zum Guten entwickelt. Die Arbeit von Frau Niewo und des neuen Führungsteams scheint, nach den internen Querelen des Frühjahrs (der TV berichtete), nun so richtig Fahrt aufzunehmen.
Extra
Die Ausstellung im Kreuzgang und dem Fürstensaal der ehemaligen Abtei dauert bis Sonntag, 31 August. Tägliche Öffnungszeiten: 13.30 bis 18 Uhr. Die nächsten Programmpunkte: Mittwoch, 6. August, 15.30 Uhr: Führung durch die Ausstellung Marie-Luise Niewodniczanska, Samstag, 9. August, 15.30 Uhr: Katharina Fischborn, "Vom Drucken mit Holz", Sonntag, 10. August, 15.30 Uhr: Hildegard Monssen und Gery Oth, "Ein Bild sagt mehr", Gedanken zur Fotografie, Mittwoch, 13. August, 15.30 Uhr: Führung durch die Ausstellung, Samstag, 16. August, 15.30 Uhr: Ursula Hülsewig, "Abenteuer Radierung" - Techniken des Tiefdrucks, Sonntag, 17. August, 15.30 Uhr: Dr. Gabriele Lohberg, "Expressiv". Internet: <%LINK auto="true" href="http://www.evbk.org" class="more" text="www.evbk.org"%>Extra
Schirmherr der 57. Ausstellung ist Christian Krings, Bürgermeister von St. Vith in Belgien. Die Kunst habe kein Vaterland, zitiert er den Komponisten Carl Maria von Weber, "aber sie kann überall zu Hause sein": Und in Prüm habe sie ein sehr gutes Zuhause gefunden. Krings erinnert daran, wie gut die Partnerschaft zwischen St. Vith und der Abteistadt in den vergangenen Jahrzehnten gewesen sei. Er gemahnt an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und daran, welche tiefen Spuren dieses Trauma in den Grenzländern hinterlassen habe. Diese Länder aber "haben vor mehr als 50 Jahren auch gemeinsam an der Wiege des neuen Europa gestanden". Dieser Gedanke habe zuletzt an Attraktivität verloren - "umso mehr brauchen wir Initiativen wie die EVBK, um den Gedanken lebendig zu halten". fpl