Ein Mann mit Sinn fürs Nötige

Ein Mann mit Sinn fürs Nötige

WELCHENHAUSEN. Der kleine Grenzweiler Welchenhausen an der Our lebt vom Gemeinschafts- und Bürgersinn. Viele Mitbürger engagieren sich für den 35-Einwohner-Ort, einer davon ist Jakob Jakoby.

Der 60-jährige Ex-Landwirt und Maurer bewohnt bis heute mit Ehefrau Hedwig das elterliche Anwesen, die beiden Kinder hat es nach Luxemburg gelockt, wo sie Arbeit fanden. Kühe gibt es keine mehr auf dem Hof - doch eine einzige Kuh steht grüßend im Hofgarten - eine Plastikkuh. "Die habe ich kürzlich von meiner Familie zum runden Geburtstag erhalten", sagt Jakoby schmunzelnd und freut sich noch im Nachhinein. Doch das blieb nicht sein einziges Geschenk: Die kleine Sarah Becker (3 Jahre jung) fertigte dem Opa ein Bild von Welchenhausen, fügte einen Globus hinzu und markierte per Stecknadel den Heimatort. "Damit du weißt, wo du hingehörst", steht dabei geschrieben. Klar, dass Jakob Jakoby sich mächtig über so viel Anerkennung freute. "Ja, dieser Ort hat seine besonderen Reize", sagt Ehefrau Hedwig, die ihre Heimat geradezu verehrt. "Lage, Landschaft und frische Luft - was will man mehr?", fragt sie und strahlt. In der Tat: Diese Ecke hat ihre besonderen Vorzüge, kein Zweifel. Jakoby engagiert sich - trotz zeitweiser Erkrankung - mächtig für seinen Heimatort. Im Winter räumt er den Schnee, er hilft beim Mähen aus und steigt immer dort ein, wo Not am Mann ist. Leonie Simons und Bernd Kersting vom Museumsverein beschreiben den fleißigen Mitbürger "als stets hilfsbereiten Menschen, der da mitanpackt, wo gerade Arbeit ist". Leonie Simons: "Er ist Ratgeber, Freund, Dorfverschönerer, Mauerbauer." Apropos Mauerbauer: Derzeit ist Jakoby damit befasst, an der Wartehalle in der Dorfmitte eine Trockenmauer aufzusetzen. "Ohne Beton - ich will, dass hier auch Kleintiere leben können", sagt der passionierte Maurer. So wird aus einem ehemaligen Schandfleck eine Zierde: Natursteine geben ein schönes Bild ab, ein Schieferkreuz nimmt Bezug auf den ehemaligen Erbauer: Peter Theisen. Und warum eine Trockenmauer? "Die Mauer muss atmen können, das Wasser kann hindurchfließen - so ist diese Mauer mit ihren Bewohnern ein lebendiger Ort", erklärt Jakoby. Blindschleichen und Käfer finden in den Hohlräumen Platz. Das Mauerwerk passt sich gut der Lage an, ist nach hinten geneigt und besteht ausschließlich aus unbehauenem Rohmaterial. Wenn es die Gesundheit erlaubt, soll das Werk in diesem Jahr fertig werden. Ein herrlicher Blickfang - mit "blauem Hassel" (Natursteine aus Luxemburg), einer angemessenen Bepflanzung und fließendem Wasser. Dass Besitzer Jakoby die Mauer auf seinem Grundstück um zwei Meter zurückversetzte, entspricht seinem gemeinnützigen Denken: "Dann können die Besucher hier parken oder sich ausruhen, früher war das einfach zu eng hier." An weitere Projekte ist auch schon gedacht: "Im Dorf gibt es sechs Wegekreuze, ich will versuchen, sie zu sanieren", sagt Jakob. Er ist eben immer zur Stelle, wo Mithilfe gefragt ist. Manche Projekte werden von der Ortsgemeinde Lützkampen an ihn herangetragen, manche sucht er sich selbst. Seine Dienste stellt er - fast selbstverständlich - unentgeltlich der Allgemeinheit zur Verfügung. In seinem "Welchen" gilt er als hoch angesehener Mitbewohner. Jakob Jakoby ist Mitglied im Gemeinderat und im Verwaltungsrat der Pfarrgemeinde, er fungiert als Jagdvorsteher, war 42 Jahre in der Freiwilligen Feuerwehr und ist Mitglied im Museumsverein. "Für die Heimat etwas zu tun, lohnt sich immer" - fast ein Lebensmotto des Mannes aus dem Ourtal. Und Worte machen ist nicht sein Ding, dann schon lieber zupacken.

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