Ein Mann ohne Furcht

BITBURG. Er ist die Verkörperung des furchtlosen Kämpfers, ein lebendes Symbol für Zivilcourage, ein Muster an Beharrlichkeit: Leoluca Orlando, der die Mafia in ihre Schranken verwies, liest am Freitag, 8. Oktober, im Haus Beda in Bitburg.

Er war so gut wie tot. 1992 hatte die Mafia ihre ärgsten Feinde Giovanni Falcone und Paolo Borsellino aus dem Weg geräumt. Dann stand sein Name ganz oben auf der Todesliste: Leoluca Orlando, damals Bürgermeister von Palermo. Als "wandelnde Leiche" bezeichnete ihn die sizilianische Polizist. Aber: Er überlebte. Nicht zuletzt deshalb, weil er es schaftte, die Bevölkerung von Palermo auf seine Seite zu bringen. Weil er es schaffte, ihnen klar zu machen, dass man der Angst nicht davon rennen kann. Denn: Sie holt die Menschen immer wieder ein. "Heute stirbt man in Palermo nicht mehr durch Mord", schreibt Orlando in seinem neuen Buch "Der sizilianische Karren" und meint damit das innere Sterben der Menschen, die Resignation. Orlando geht sogar noch weiter. Er verurteilt jede Art von Arrangement mit der Mafia: "Verflucht sei dieses Volk, wenn es verliert, verflucht sei jedes Volk, wenn es das Gedenken an die verliert, die gestorben sind, um das eigene Land lebenswet zu machen." Orlando selbst ist dem Tod bisher von der Schippe gesprungen - und hat einen hohen Preis dafür gezahlt. Getrennt von seiner Familie lebte er jahrelang zwischen Flugzeug, gepanzerten Wagen und Polizeikasernen. Doch er hält durch, angetrieben von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Deshalb kämpft der 57-Jährige, in Palermo geborene Sohn einer Adligen und eines Juristen weiter gegen die Mafia - und ist bis heute von ihr bedroht. Seine Erfolge - er schaffte es, dem sinnlosen Morden in Palermo Einhalt zu gebieten - sind kein Grund für den gelernten Juristen, die Schärfe aus dem Kampf gegen das Verbrechen und die Korruption herauszunehmen. Das zeigt er auch in seinem Buch "Der sizilianische Karren", in dem er Begegnungen mit Menschen schildert, die "in meinem Leben eine entscheidende Bedeutung haben". Dazu gehören die einfachen Leute von Palermo ebenso wie seine Frau Milli und Fidel Castro. Am Freitag, 8. Oktober, 20 Uhr, stellt Leoluca Orlando im Rahmen des Eifel-Literatur-Festivals sein Buch "Der sizilianische Karren" vor. Nächster Termin des Eifel-Literatur-Fetsivals: Günter Kunert, einer der ganz Großen der deutschen Gegenwartsliteratur, liest am Freitag, 15. Oktober, 20 Uhr, im Fürstensaal des Regino-Gymnasiums in Prüm. Seit mehr als einem halben Jahrhundert setzt er sich mit der deutschen Geschichte auseinander. Karten: siehe unten.