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Ein Mann verlässt sein Biotop

Ein Mann verlässt sein Biotop

Der Naturpark Nordeifel sucht einen neuen Geschäftsführer für den rheinland-pfälzischen Abschnitt: Ernst Görgen geht nach fast 17 Jahren in den Ruhestand. Allerdings will er weiter Wanderungen zu den Westwall-Anlagen und den dort entstandenen Biotopen leiten.

So zufrieden sind nicht viele mit ihrem Posten: "Das war mir schon auf den Leib geschneidert", sagt Ernst Görgen, Noch-Geschäftsführer des Naturparks Nordeifel auf rheinland-pfälzischer Seite. "Mir hat die Arbeit immer riesige Freude gemacht."Im Februar 1996 wurde Görgen Chef des Parks, nachdem bis dahin immer der jeweilige Verbandsbürgermeister automatisch auch die Einrichtung geleitet hatte.Görgen, gelernter Verwaltungsmann und studierter Agraringenieur, hatte bis dahin mit seiner Frau Agnes den heimischen Bauernhof in Feuerscheid bewirtschaftet, wo er auch seit 1994 Ortsbürgermeister ist. Er bewarb sich und erhielt den Job.Dialog auch mal im Dialekt


Was macht man eigentlich in einem Naturpark? "Wir versuchen, die Menschen dafür zu interessieren, in was für einer wunderschönen Landschaft sie in der Eifel leben", sagt Ernst Görgen. Es gehe darum, "sie in die Natur hineinzubringen und nicht, sie davon abzuhalten". Das allerdings umweltschonend: Zum Beispiel in die Moore - wie das Braghphenn bei Ormont, das Eschfenn bei Auw oder das Rohrfenn in Roth. Der Park legte dort Wanderstege und an einigen Stellen Aussichtsplattformen an.
Das alles nützt der "ungeheuren Artenvielfalt", die man hier finde und schützen müsse. Auch durch die Renaturierung von Bachläufen. "Als ich angefangen habe, haben wir den Auwer Bach renaturiert. Damals hat mir der Ortsbürgermeister Paul Fuchs sehr geholfen - aber auch die Bauern waren schnell einverstanden. Das war ein gelungenes Projekt." Denn dazu gehöre es auch, das Vieh von den Ufern fernzuhalten und dafür Flächen aufzugeben. Schon ist er bei den vielen Begegnungen mit Menschen im Prümer Land, die ihm immer besonderen Spaß bereitet hätten, zumal er als ehemaliger Landwirt die Situation der Bauern besser habe verstehen können. "Und Platt sprechen zu können, das hilft schon gewaltig. Da rennt man offene Türen ein."

Ein Lieblingsthema für Ernst Görgen ist der Westwall, mit dem er sich in den vergangenen Jahren immer stärker auseinandergesetzt hat. Hier kommen für ihn nämlich zwei Dinge zusammen - Naturschutz und Kulturhistorie. "Das gehört zu unserer Geschichte hier in der Westeifel."

Görgen setzte sich mit dafür ein, dass die letzten Bunkerruinen und weiteren Überreste nicht mehr zerstört wurden. Denn die Anlagen seien mittlerweile "ein Biotop ersten Ranges" geworden, für allerlei größere und kleinere Lebewesen.

Da kommt er hemmungslos ins Schwärmen: "Was sich da an Tierwelt angesiedelt hat, ist eine ganz fantastische Angelegenheit." Dachs, Fuchs, Fledermäuse - die Ruinen böten ihnen "geradezu ideale Bedingungen". Besonders der Wildkatze, die dort überall Unterschlupf findet und ihren Nachwuchs aufzieht. "Wenn Sie eine Verbreitungskarte der Wildkatze vor sich haben und die über die Betonlinien legen, deckt sich das fast schon eins zu eins." Der Westwall stehe aber eben auch für das schrecklichste Kapitel in der deutschen Geschichte. Und in dieser Kombination aus bestens gedeihender Natur und Pflicht zur Erinnerung entsteht für Görgen das Faszinierende - deshalb wird sich der 64-Jährige auch im Ruhestand dort noch weiter engagieren: "Da werde ich auf jeden Fall noch Führungen machen." Ansonsten aber steht der Abschied bevor: "Mit einem zwiespältigen Gefühl", sagt Ernst Görgen. "Das war schon eine Erfüllung."