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"Ein Muster für das Bundesgebiet"

"Ein Muster für das Bundesgebiet"

HALLSCHLAG. 86 Jahre nach der Explosion auf dem Rüstungsgelände Espagit in Hallschlag (Kreis Daun) und 14 Jahre nach dem Beginn einer geordneten Sanierung sind die Arbeiten vor Ort weitgehend abgeschlossen. Die neue Anlage wird dauerhaft das kontaminierte Sickerwasser reinigen.

Rund 50 geladene Gäste aus den beteiligten Gremien, Behörden, Firmen und Medien folgten der Einladung zur Beinahe-Abschluss-Veranstaltung auf dem Gelände der ehemaligen Rüstungsfirma Espagit. Anlass war die neue stationäre Wasserreinigungsanlage, die seit Juni erfolgreich im Probebetrieb läuft. Die 1,7 Millionen Euro teure Anlage löst das provisorische Vorgängermodell ab, das vorsorglich noch zwei Monate betriebsbereit gehalten wird. Bis zum Jahresende soll die gewerbliche Entmunitionierung der restlichen stark belasteten Flächen durch die Räumfirma abgeschlossen sein. Innerhalb von zwei Jahren will der Kampfmittelräumdienst auch bei den weniger belasteten Flächen fertig werden. "Es freut mich besonders auch für Anwohner und betroffene Kommunen, dass wir die Schlussphase erreicht haben", sagte Josef Peter Mertes (SPD), Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier. Das Land habe einst mangels eines Rechtsnachfolgers für Espagit die Aufgabe übernommen und mit Unterstützung vom Bund erledigt. "Ich bitte um Verständnis, dass nicht allen Anfragen auf Entschädigung stattgegeben werden konnte", spielte Mertes auch auf rechtliche Auseinandersetzungen mit Grundstückseigentümern an (der TV berichtete).Keine Schadstoffe mehr in die Natur

Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch (SPD) ordnete den Fall Hallschlag als "landesweit einmalig und Muster für das Bundesgebiet" ein. Alle hätten einen guten Job gemacht: "Die neue Anlage bietet die Gewähr, dass keine Schadstoffe in die Natur gelangen." Gleichzeitig verteidigte Bruch die Rechtsauffassung seines Ministeriums: "Es kann nicht sein, dass ein Dritter den Schaden komplett beseitigen muss, den andere irgendwann angerichtet haben." Die Entscheidung gegen eine Komplettsanierung und für die so genannte Sicherungsvariante mit Bodenabdeckung war bereits vor einigen Jahren gefallen. Dafür sprach neben geringeren Kosten auch die geringere Mobilisierung von Schadstoffen im Boden. Im Klartext: Wird die belastete Erde nicht bewegt, bleiben viele Stoffe gebunden. Allerdings muss als Folge das Sickerwasser dauerhaft aufgefangen und gereinigt werden. Dr. Nils-Christian Lund vom Planungsbüro IGB erklärte die Funktionsweise der Anlage. Über so genannte Rigolen im Boden (Drainageleitungen) gelangt das Sickerwasser in ein Regenrückhaltebecken. Über Tuchfilter werden Feststoffe abgeschieden. Die Schadstoffe selbst bleiben in drei Aktivkohlefiltern hängen. "In der anschließenden Kontrolleinheit wurden bisher keine Schadstoffe nachgewiesen, so dass das Wasser unbedenklich in den Seifenbach geleitet werden kann", sagte Lund.Betrieb läuft komplett ferngesteuert

Grundsätzlich ist die Anlage vierstraßig aufgebaut, das heißt bei Ausfall eines Moduls läuft der Betrieb dennoch weiter. Der Betrieb der Anlage liegt bis Ende November noch in Verantwortung der Herstellerfirma. Dann übernehmen die Werke der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll, die für ihre Kläranlagen dasselbe Computersystem benutzen. Die Anlage wird komplett ferngesteuert und muss vor Ort nur regelmäßig gewartet werden. Das Gelände bleibt als Altlast eingetragen, darf aber im Unterschied zu früher seit der Aufhebung der Sperrung im vergangenen Jahr betreten werden. Dauerhaft gelten die Bestimmungen einer Gefahrenabwehrverordnung, die zum Beispiel das Graben untersagt.