PORTRÄT: Ein neues Leben, eine alte Leidenschaft

PORTRÄT : Ein neues Leben, eine alte Leidenschaft

Der Syrer Taysir Al Hajjar ist 33 Jahre alt und Kickboxer. Wegen des Krieges musste er sein Heimatland verlassen. Doch der Sport, der schon vor seiner Flucht zu seinem Leben gehörte, ist ihm geblieben.

 Wenn die Rede auf’s Kickboxen kommt, dann leuchten Taysir Al Hajjar`s Augen. Er strahlt. „Kickboxen gehört zu meinem Leben“, sagt er. Kein Wunder,  betreibt der 33-Jährige doch seit mehr als 20 Jahren diesen Sport. Schon als Jugendlicher trainierte der gebürtige Syrer, der seit mehr als drei Jahren in Bitburg lebt, in seiner Heimat alles, was man für’s Kickboxen braucht: Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und Taktik. Letzteres, so Al Hajjar, sei ganz wichtig, denn  „ohne Überlegen geht es nicht“.

Davon muss Al Hajjar eine Menge gehabt haben. Schließlich war er  bereits Ortsmeister von Damaskus, Kickboxmeister von Syrien und Zweiter im Kickboxen der Arabischen Staaten.  Zudem war er als Trainer im Al Burhan International Club in Syrien tätig und brachte  Kinder und Jugendlichen ehrenamtlich im Waisenhaus diesen Sport näher.

All das machte Al Hajjar glücklich. Und er wäre heute noch in Syrien, würde seinem Beruf als Finanzbuchhalter  nachgehen, selbst kickboxen und Menschen trainieren. Doch dann kam der Krieg.  Und Al Hajjar musste flüchten. Darüber, sagt er, wolle er jedoch nichts erzählen.

Lediglich darüber, dass er  froh sei, in Bitburg zu leben, wo seine Schwester und sein Schwager bereits seit mehr als 13 Jahren wohnen. „Ich mag die Natur, den Wald und die freundlichen Menschen“, sagt er - und fügt lächelnd hinzu: „Mein Deutsch muss noch besser werden.“

Auf einem guten Weg scheint er dabei zu sein, hat er doch in Vorbereitung auf das TV-Gespräch zusammen mit Jana Nickels vom DRK-Kreisverband Bitburg-Prüm auf zwei Seiten  Fragen beantwortet - in ordentlichem Deutsch.  Aber neben dem Sprachenlernen hat er noch zwei andere wichtige  Pläne: Nachdem feststeht, dass er in Deutschland bleiben darf, will er wieder in seinem Beruf arbeiten und wieder mehr Menschen im Kickboxen trainieren.

Er ist  gerade auf der Suche nach einem Job als Finanzbuchhalter oder einer entsprechenden Ausbildung, um auch in Deutschland in seinem Beruf wieder Fuß fassen zu können.

Beim Thema Kickboxen war es zunächst schwierig. Bis vor Kurzem konnte der 33-Jährige nur zuhause trainieren und auch keinen Unterricht geben. „Der Sport ist in Deutschland nicht so bekannt“, sagt er. Daher hätten ihn auch viele Fitness-Studios nicht im Angebot. Doch Al Hajjar will unbedingt auch in Deutschland Kinder und Jugendliche ehrenamtlich trainieren.

Denn beim Kickboxen könne man eine Menge lernen, zum Beispiel die Koordination von Taktik und Bewegung. Zudem bekomme man Selbstbewusstsein, denn  der Sport trainiere die Selbstdisziplin und soziales Verhalten.

Was Jana Nickels auf die Idee brachte, etwas auf die Beine zu stellen: einen integrativen Kurs für deutsche und zugewanderte Jugendliche, den sie zusammen mit dem Streetworker, Holger Stodulka und Al Hajjar betreut.

Ziele seien die Stärkung des Selbstbewusstseins, Integration, Begegnung,  Verbesserung der Körperwahrnehmung,  Abbau von Stress und die Schaffung einer sinnvollen Freizeitgestaltung. In Kooperation mit dem City Fit in Bitburg findet der Kurs seit dem 1. Juli  einmal wöchentlich statt.  Teilnehmer sind zehn Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren.

Trainer Al Hajjar freut sich, dass es endlich losgegangen ist. Denn Kickboxen gehört zu seinem Leben - dem alten und dem neuen.

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