Ein Ort, an dem sich Teenager wohlfühlen

Lützkampen/Schönecken · Immer mehr Jugendräume in der Region werden geschlossen. Schuld daran sind mangelnde Beteiligung, Vandalismus oder Lärmbelästigung. Ein Anlass für den TV, sich einmal umzuschauen, ob das überall so ist, oder ob es auch Gemeinden gibt, die einen funktionierenden Ort für junge Erwachsene haben.

 Der Lützkampener Jugendraum ist bei den Jugendlichen im Ort ein beliebter Rückzugsort. TV-Foto: Kathrin Bayerschen

Der Lützkampener Jugendraum ist bei den Jugendlichen im Ort ein beliebter Rückzugsort. TV-Foto: Kathrin Bayerschen

Lützkampen/Schönecken. Was ist eigentlich ein Jugendraum? Ein Ort, den Jugendliche selbst gestalten und entwickeln können, an dem sie sich wohlfühlen und gerne aufhalten. Ein Ort, an den sie auch mal flüchten können, wenn es zu Hause gerade nicht so gut läuft. Ein Ort, an dem sie ihre Freunde treffen, an dem sie "abhängen", an dem sie auch mal Party machen können. Ein Ort, den Eltern und andere Erwachsene, die sie nicht verstehen, möglichst meiden sollen. Aber wo können Jugendliche überhaupt einen solchen Ort finden?
Einfach ist das sicher nicht: In vielen Ortsgemeinden existieren schon lange keine Jugendräume mehr. Wenn auch anfangs so ein Projekt mit viel Engagement verfolgt wird, Projektgruppen gegründet werden und es die erste Zeit recht gut läuft. Doch nach einer Weile lässt die Lust nach, sich darum zu kümmern. Die Nachbarn beschweren sich wegen des Lärms oder es kommt vielleicht zu Randale. Am Ende bleibt den Ortsgemeinden oft nichts anderes übrig, als die Räume zu schließen.
Ein Beispiel dafür ist der Jugendraum in Schönecken, der bis zum Jahr 2008 existierte. Es war ein stetes Auf und Ab. Es gab Zeiten, in denen es gutlief, und solche, in denen es überhaupt nicht funktionierte. Zum Schluss fehlten ein schlüssiges Konzept und Freiwillige, die sich der Organisation annahmen. Man war immer abhängig vom Engagement der Jugendlichen und besonders dem der Eltern.
Aber vielleicht war gerade Letzteres der Fehler. Das ist die Meinung von Carsten Simons, dem ersten Vorsitzenden des Jugendvereins Lützkampen. Seiner Meinung nach "bringt es nichts, wenn die Kreisverwaltung 400 Euro hinknallt und sagt: ,Macht mal!\' Die Jugendlichen müssen sich ihren Raum selber schaffen, damit sie auch wissen, wie viel Zeit und Geld hineingesteckt wurde und sie ihn deshalb respektieren und nicht zerstören."
Dieses Konzept geht bisher in Lützkampen auf. Seit 2009 steht dort hinter dem Dorfgemeinschaftshaus, auf einem Grundstück, das die Gemeinde dem seit 2002 existierenden Verein unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, ein 63 Quadratmeter großes Blockhaus.
Der Jugendverein stemmte das Projekt weitgehend allein: Mit den Einnahmen aus der jährlich organisierten Halloweenparty, auch den Bau übernahmen Jugendliche, junge Erwachsene und freiwillige Helfer. Über das Dorfgemeinschaftshaus ist das Gebäude an Strom und Wasser angeschlossen.
Auch die Inneneinrichtung lässt sich sehen: Aufgeteilt in einen großen Hauptraum, zwei Toiletten und zwei Abstellräume beherbergt er eine gemütliche Ledersitzecke, eine Theke, zwei große Kühlschränke, eine Küche und als besonderes Glanzlicht einen Breitbildfernseher.
Um sich im Jugendhaus aufhalten zu dürfen, muss man Mitglied im aktuell 44 Mitglieder starken Jugendverein sein. Sobald die Jugendlichen 16 Jahre alt sind und einen Jahresbeitrag von 30 Euro zahlen, erhalten sie einen Schlüssel, mit dem sie jederzeit ins Haus hinein können. Drei Mal wöchentlich ist die Eingangstür offen: Freitag, Samstag und Sonntag.
Ein großes Problem hat auch diese funktionierende Einrichtung: Seit die letzte Betreuerin studiert, haben die unter 16-Jährigen aufgrund der fehlenden Aufsicht keine Möglichkeit, sich im Haus aufzuhalten. Und dabei würde der Verein bei entsprechender Nachfrage gerne feste Nachmittagsgruppen anbieten, sagt Carsten Simons.
Ziele des Jugendvereins sind die Erhaltung der Dorfgemeinschaft und das Fördern gemeinsamer Unternehmungen. Wichtig ist ihnen, dass sie selbstbestimmt ihre Interessen und Bedürfnisse verwirklichen dürfen und dabei auch ehrenamtliches Engagement lernen. Getreu ihrem Motto "Von der Jugend für die Jugend".
Ganz fertig ist das Jugendhaus noch nicht. Für die Sitzecke sollen Tische angeschafft, und die Außenanlage soll gestaltet werden. Die Bepflasterung, Bepflanzung und ein Grillplatz sind in der Planung. Auch wenn nicht jede Gemeinde die Einnahmen einer Halloweenparty hat, könnte das Lützkampener Jugendhaus als Vorbild für andere dienen. Einen kleinen Raum für seine Jugendlichen sollte jeder Ort mit etwas Engagement und Eigeninitiative betreiben können, auch wenn es, wie Carsten Simons zugibt, kein "Zuckerschlecken" ist.
Mittlerweile gibt es in Schönecken einen Lichtblick. Zum einen wird die Bürgerinitiative "Skate-Anlage" in den kommenden Monaten beim Bürgerwettbewerb 2011 auf dem Sportplatz im Brühl eine selbst geschreinerte Skate-Anlage aufstellen. Zum anderen hat die Gemeinde ein Geschoss in der alten Brennerei gesichert, das man zum Beispiel zu einem zentral gelegenen Jugendraum umbauen könnte. Aber es ist auch hier wie überall: Es mangelt an Freiwilligen, die bereit sind, sich eines solchen Projekts und der damit verbundenen Arbeit anzunehmen. kba

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