Ein Ort für Riesen und Einsiedler
Kopp · Der Alexanderberg zwischen Kopp und Eigelbach ist 547 Meter hoch und bewaldet, weist ansprechende Wanderwege auf. Sonst ist außer viel Landschaft wenig zu sehen. Was nicht mehr viele wissen ist, dass dort mal eine Kapelle stand. Sie war dem heiligen Alexander geweiht, von dem auch der Zanderberg seinen Namen ableitet.
Kopp. "Mons Sankt Alexandri" heißt der Zanderberg im Lateinischen, auf Deutsch "Alexanderberg". Die Eifler kürzten den Namen einfach ab. Die Alexanderkapelle besitzt Altäre und dort werde jede Woche eine Messe gelesen, ist in Urkunden von 1570 zu lesen. Neben der Kapelle stand einst ein winziges Häuschen, das als Wohnung für einen Einsiedler diente.
Dorf geschichte(n)
Der Dreißigjährige Krieg hinterlässt Spuren des Todes und der Verwüstung - auch an der Kapelle auf dem Zanderberg. Ihr Zustand wird 1640 als sehr schlecht bezeichnet. Sie verfällt immer mehr, die Heiligenbilder verformen sich, ein wertvoller Kelch ist verschwunden. Die Kapelle hat kaum Einnahmen außer den wenigen Münzen, die die Messbesucher opfern. 1730 bis 1745 bewohnt der Einsiedler Johann Lichtmess die winzige Wohnung. Karg sind seine Speisen, die er dem Gärtchen abgewinnt oder von Gläubigen erhält. Noch zwei weitere Eremiten nennt das Archiv: Anselm Daniel (1759) und Paul Dietmar (1772). Mit ihm endet auch die Geschichte des kirchlichen Zanderberges. Die Zeit der Aufklärung wird für Kapelle und Einsiedelei zur Zeit des Untergangs. Die kurfürstliche Regierung in Trier fordert den Abbruch der ruinösen Kapelle und die Einebnung des Grundstücks zu einer Wiese. Am 29. November 1772 wird das Kapellen- inventar für 34 Taler versteigert. Die kleine Glocke, das Alexanderbild mit Muschel sowie zwei Leuchter sollen der Pfarrkirche Mürlenbach übergeben worden sein. Der Einsiedler Paul Dietmar findet sich mit dieser Lösung nicht ab. Gemeinsam mit Birresborner Bürgern beantragt er die Rücknahme dieses Beschlusses und einen Kapellenneubau. Doch vergebens.
Funde großer Knochen
Das Generalvikariat Trier lehnt 1781 den Antrag ab, verbietet die Renovierung der Kapelle und stellt weiteres Betreiben für einen Neubau unter Strafe von zehn Goldgulden. Des Weiteren schreibt die erzbischöfliche Verwaltung, die kleine Einsiedlerwohnung sei ja nun überflüssig und unnötig. Auch sie sei abzureißen und könne - falls der Einsiedler noch weiterhin seiner Berufung folgen möge - ab sofort neben der Kapelle auf dem Prümer Kalvarienberg eingerichtet werden.
Das ist das Ende. Geblieben sind nur Flur- und Bergnamen und ein Steinkreuz an ihrem ehemaligen Standort. Geblieben sind nur einige Sagen, die sich um den Zanderberg ranken und die tief in der vorchristlichen Zeit wurzeln. So wie jene von den "Riesen am Zandersberg", die Pfarrer Hubert Schmitz 1856 überlieferte:
"Am Abhange des Zanderberges in Richtung Kopp stand in uralten Zeiten ein großes burgähnliches Gebäude, in dem Riesen wohnten. Die waren groß und stark, aber sie waren nicht wild und gefährlich. Sie ernährten sich von allem, was der Wald und die Felder ihnen boten.
Streiften die Riesen durch die Dörfer und fanden in Bauernhäusern Fleisch, Würste oder Schinken, dann griffen sie danach und nahmen es mit nach Hause. Niemand der Bauern wagte es dann, die Riesen auszuschimpfen, sie zu bedrohen oder ihnen gar das Genommene wieder abzujagen.
Doch irgendwann sind die Riesen ausgestorben oder weggezogen. Aber dass sie dort oben lebten und wohnten, ist sicher. Davon konnten sich etliche Kopper, Birresborner und Mürlenbacher selbst überzeugen.
Denn nachdem die Zanderkirche abgerissen worden war, hatte der "Büttejannes von Birresborn" das Land mitsamt dem ehemaligen Friedhof, der immer der Riesenkirchhof genannt wurde, aufgekauft. Und als er diesen dann mit seinen zwei kräftigen Ochsen umpflügte, um ihn danach mit Hafer einzusäen, fand er zahlreiche Beinknochen in der Erde. Die waren viel größer als die von anderen Menschen. Vier bis fünf Fuß Länge hatten sie. Man konnte nur staunen. Und alle, die sie gesehen hatten, waren der festen Überzeugung: diese Knochen sind die sterblichen Überreste jener Riesen, die zu Urväter Zeiten dort am Zanderberg lebten."