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Ein Parkhaus, viele Themen

Ein Parkhaus, viele Themen

Eine halbe Million Euro: So teuer wird in zwei Jahren die notwendige Sanierung für das Parkhaus Annenhof ausfallen. Dabei hat der Stadtrat längst beschlossen, dass er das Gebäude abreißen und ein neues bauen will - für drei Millionen Euro. Das Problem: Die Entscheidung über den Annenhof hängt von anderen Projekten ab - und die sind noch größer.

Bitburg. Immer nur Flickarbeit, das macht auch das Parkhaus Annenhof nicht auf Dauer mit. Das Gebäude aus dem Jahr 1981 ist marode, die Sanierungskosten belaufen sich mittlerweile auf 30 000 Euro - und das jedes Jahr. Deshalb hat der Stadtrat bereits vor zwei Jahren - im November 2013 - beschlossen, den alten Kasten abzureißen und ein neues Parkhaus zu errichten.
Ein Neubau, der nicht noch einmal zwei Jahre auf sich warten lassen sollte, wirft man einen Blick auf den Risikobericht des Verkehrsbetriebs: Der macht deutlich, dass "spätestens in 2017 mit höheren Sanierungsmaßnahmen von etwa 500 000 Euro gerechnet werden" müsse. Je länger es dauert, desto teurer wird es also für die Stadt. Der Neubau wird nämlich auch kein Schnäppchen: Der ist nach einer groben Vorplanung mit mindestens drei Millionen Euro veranschlagt.
Kein Wunder also, dass die Stadt das Sorgenkind schon vor Jahren nur zu gerne losgeworden wäre - und das, obwohl der Annenhof, direkt an Fußgängerzone und Krankenhaus gelegen, das Parkhaus ist, das von allen noch am besten läuft (siehe Extra). Man verhandelte deshalb auch lange mit dem Krankenhaus, machte guten Mutes auch nur das Nötigste am Gebäude - und dann scheiterte der geplante Verkauf doch. Die zähen Gespräche: ein Grund, warum so lange nichts passiert ist. Und dann kam ja noch etwas dazwischen - und wieder weg: der Innenstadtring.
Und nun? "Sind zu viele Dinge noch offen", sagt Bürgermeister Joachim Kandels. "Wir müssen erst rechnen." Und zwar richtig. Denn es geht nicht einfach nur um ein Parkhaus.
Nicht erst seit dem Ring wird über ein ganzheitliches Verkehrskonzept für die Stadt diskutiert. Projekte wie die Anbindung des Bedaplatzes an die Innenstadt und der Ausbau der Gartenstraße sowie die Konversion der Housing inklusive der Anbindungen zur Mötscher Straße und zum Südring werden den Verkehrsfluss verändern. Und damit auch das Parkverhalten der Bitburger. Zudem hat die Stadt bereits an den Gebühren gedreht - schon länger zahlen Autofahrer in den Parkhäusern mehr, jetzt kostet das Abstellen auch auf den zentralen und bislang kostenlosen Plätzen wie am Grünen See was.
"Ob das Parkhaus an seinem Standort erhalten bleibt, das ist die Frage", sagt Kandels. "Auch darauf müssen wir eine Antwort finden." Und das geht erst, wenn klar ist, wohin die Autos künftig rollen - und wohin noch eine andere Reise geht: Denn ebenfalls in der Mache ist die Bit-Galerie - und zwar inklusive Parkdeck.
Nun haben sich Planung und Baubeginn für das Großprojekt immer wieder geändert, es ist kleiner geworden, gestorben ist es aber nicht. Zuletzt war die Rede von 150 bis 170 Parkplätzen auf einem Parkdeck in einem drei- bis viergeschossigen Neubau im Karenweg. Und auch da seien noch Gespräche zu führen, sagt Kandels. Hinter dem Annenhof stehen also viele Entscheidungen, die getroffen werden, aber am Ende vor allem zusammenpassen müssen. Und ein neues Parkhaus lässt sich nunmal nicht planen, wenn noch keiner weiß, wo es stehen soll und von wie vielen Autos es vielleicht jeden Tag angesteuert wird. Denn eines will die Stadt eben nicht auf Dauer: immer nur flicken müssen.Meinung

Das große Ganze
Dort etwas in den Boden stampfen, hier etwas Neues bauen - so einfach ist es eben oft doch nicht. Das Beispiel Annenhof zeigt, wie kompliziert kommunales Handeln sein kann und wie schwer es ist, eine Lösung zu finden, die passt: auf die Stadt und all ihre Bewohner. Auch wenn es nicht weniger schwerfällt: Abwarten ist manchmal besser. Und in diesem Fall auch richtig - zumindest, solange das Parkhaus selber der Stadt keinen Strich durch die Rechnung macht und morgen vielleicht doch so sehr vor sich hinbröckelt, dass es nicht mehr standsicher ist. Ein bisschen Zeit bleibt noch, an der ganz großen Lösung zu feilen. e.blaedel@volksfreund.deExtra

Parkhaus Annenhof: 216 Stellplätze, Minus 2014: 4 300 Euro. Prognose 2015: 30 800 Euro Verlust (inklusive Sanierungskosten). Parkhaus Neuerburger Straße: 120 Stellplätze, Minus 2014: 96 400 Euro. Prognose 2015: 119 300 Euro Verlust. Tiefgarage am ZOB: 130 Stellplätze, Minus 2014: 109 100 Euro. Prognose 2015: 109 300 Euro Verlust. eib