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Ein Plädoyer für mutige Entscheidungen

Ein Plädoyer für mutige Entscheidungen

Einen Überblick über die politische Vergangenheit Deutschlands hat Bernhard Vogel in seinem Vortrag im Konvikt in Prüm gegeben. Er schrieb seinen amtierenden Kollegen einiges ins Aufgabenbuch.

Prüm. "Mutige Bürger braucht das Land" - zu diesem Thema referierte Bernhard Vogel vor 80 Gästen in der Kapelle des Konvikts in Prüm. Der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen sowie Ehrenvorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung hatte sich schon früh der Politik zugewandt. In die Geschichte ging er ein mit dem Ausspruch "Gott schütze Rheinland-Pfalz", als der damalige Umweltminister Hans-Otto Wilhelm auf einem CDU-Landesparteitag eine Kampfkandidatur gegen Vogel um den Parteivorsitz gewann. Vogel trat daraufhin als Ministerpräsident zurück. Die CDU verlor die folgende Landtagswahl und gewann die Macht bis heute nicht zurück.
Großer historischer Bogen


In seinem Vortrag schlug Vogel einen großen Bogen von der Weimarer Republik - der es an mutigen Demokraten gefehlt habe - zu der Aufbruchsgeneration der Nachkriegszeit. "Uns ist mehr gelungen, als ich bei meinem Abitur 1953 hoffen durfte." Adenauers Verdienst sei es dann gewesen, die Freiheit eines westlichen Deutschlands vor die Wiedervereinigung gestellt zu haben. In Vogels erstem Geschichtsbuch sei zu lesen gewesen: "Frankreich ist der Erzfeind Deutschlands, der in einem nächsten Krieg zu besiegen ist." Adenauer habe dann die Aussöhnung mit Frankreich eingeleitet. Erhards Beitrag sei dann der "dritte Weg" zwischen Kapitalismus und Sozialismus gewesen, die soziale Marktwirtschaft. "Die Überwindung der Teilung Deutschlands" sei den Bürgern in beiden Teilen Deutschland zu verdanken - im Osten durch eine friedliche Revolution und im Westen durch eine beispiellose Solidaritätsleistung. Vogel: "Dafür, dass nach zwanzig Jahren so viel Wiedervereinigung gelungen ist, darf jemand stolz sein, und man darf das auch sagen." Aktuell hat sich aber ein Problem gebildet: "Es geschieht nicht genug, um mit den heutigen Herausforderungen fertig zu werden." Die Politikverdrossenheit sei ein hausgemachtes Problem, die Parteien werden sich immer ähnlicher, während gleichzeitig der Umgangston zu wünschen übrig lasse.
Dies habe dazu geführt, dass das Ansehen von Politikern so niedrig sei wie noch nie. Früher hätten sie mutige Entscheidungen auch gegen den Bürgerwillen getroffen. "Man muss um Mehrheiten für richtig erkannte Ziele werben", betont er. Damit verband er auch eine Absage an Plebiszite, deren einfache "Ja-Nein-Entscheidungen" Kompromisse verhindern würden.
Seinen Vortrag schloss er mit einem Votum für Europa, das 65 Jahre Frieden garantiert hat: "Lieber drei Milliarden nach Brüssel, als eine Milliarde für Krieg und Mordgeräte." stbr