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Ein Platz für die Sonne, ein Herz für Besucher

Ein Platz für die Sonne, ein Herz für Besucher

Die Fraktionen im Stadtrat Prüm haben in der ersten Sitzung nach der Sommerpause das Vorhaben einer großen Photovoltaik-Anlage im Stadtteil Weinsfeld einen Schritt weiter gebracht. Und sie diskutierten darüber, wie man trotz Großbaustelle am Hahnplatz Gäste und Kunden ins Zentrum ziehen kann.

Prüm. Kurz, aber hintenraus nicht ganz schmerzlos: Der Stadtrat Prüm hat nur eine gute Stunde für seine erste Sitzung nach den Sommerferien gebraucht. Und trotzdem tüchtig diskutiert.
Nicht unbedingt beim ersten größeren Punkt: Den Plänen der C3 Energie-GmbH aus Rodershausen, mittlerweile auch mit Büro in Pronsfeld, die erstmals im Dezember vorgestellt wurden (der TV berichtete).
Das Unternehmen will im Stadtteil Weinsfeld, auf zehn Hektar Fläche links und rechts der A 60, eine Photovoltaik-Anlage errichten. Sie soll rund fünf Millionen Euro kosten und 5,7 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen - so viel, wie etwa 2500 Menschen verbrauchen, sagt C3-Geschäftsführer Edvard Högner.
Baustellenbesuch mit Böhmer


Dazu muss der Stadtrat einen Bebauungsplan aufstellen, samt Ausweisung eines Sondergebiets. Wie das alles aussehen soll, erläutert Högner den Fraktionen gemeinsam mit Joachim Sautter und Daniel Müller vom Trierer Büro BGHplan.
Ein wesentlicher Punkt dabei: Die Stadt wird keine Kosten haben, dafür aber Steuern kassieren. Die Planer haben außerdem mit einkalkuliert, dass die A 60, die in diesem Abschnitt bekanntlich keine Autobahn ist, irgendwann noch zwei weitere Fahrspuren erhält.
Dennoch unterschreitet man an zwei Punkten die Grenze der sogenannten Bauverbotszone: Andernfalls, sagt Högner, "entstünde dort ein totes Stück Land, das keinen Nutzen mehr hat". Sollte das Autobahnamt in Montabaur diesem Vorhaben nicht zustimmen, sei das "aber auch nicht schlimm".
Nicht nur das Autobahnamt, auch alle anderen Träger öffentlicher Belange werden noch zum Vorhaben ihre Stellungnahmen abgeben müssen, bevor in Weinsfeld gebaut werden darf. "Wenn das alles durchflutscht", sagt Högner, könne man spätestens im Frühjahr 2017 loslegen.
Das will aus dem Stadtrat nur einer nicht: Erich Reichertz aus der gemeinsamen Frakion von Freien Wählern (FWG) und Prümer Bürgerbewegeung (PBB): Zwar sei er absolut für Strom aus regenerativen Quellen - aber nicht in dieser Dimension, wie sie hier vorgesehen sei: "Die Landschaft wird da unnötig zugrundegerichtet. Ich werde deshalb der Sache im Interesse der Stadt Prüm nicht zustimmen."
Es bleibt eine Einzelmeinung: Alle anderen votieren für das Vorhaben. Wie Markus Fischbach (SPD): "Ich kann diese Anlage nur begrüßen." Man müsse "weg vom Atomstrom", und anders als Windräder seien Fotovoltaik-Anlagen "schnell wieder abgebaut". Insgesamt also sehe er das "dreimal lieber als Windräder auf der Schneifel". Das Ding geht durch - und Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU) kündigt an, alle Einzelheiten auch in einem Bürgergespräch in Weinsfeld darzulegen - "damit nicht irgendwelche Dinge durch die Gegend getragen werden, die nicht der Wahrheit entsprechen". Der Termin für das Gespräch steht noch nicht fest.
Dafür aber ein anderer: Am Dienstag, 20. September, können alle Bürger mit dem Stadttrat und Planer Maik Böhmer eine Informationsrunde um den Hahnplatz drehen, "und Herr Böhmer beantwortet alle Fragen". Treffpunkt ist um 16 Uhr vor dem Haus des Gastes am Hahnplatz.
Überhaupt, die Baustelle: Sie liefert noch weiteren Stoff zum Disputieren, denn rund um den zentralen, nicht mehr befahrbaren Platz wird es eng: Franz-Josef Keilen (CDU) weist darauf hin, dass zum Beispiel in der Spiegelstraße derzeit alles zugeparkt sei. Die Bürgermeisterin kündigt an, dass Verbotsschilder aufgestellt werden und ruft dazu auf, "dass die Leute doch vielleicht ein bisschen Rücksicht nehmen".
Ebenfalls ein Problem: Die Absperrungen an den Stadteingängen. Aus Richtung Norden, moniert erneut Erich Reichertz, stehe da ein Schild mit dem Hinweis: "Anlieger frei." Und das sei nicht korrekt. So trauten sich viele Besucher gar nicht mehr, hinunter ins Zentrum und zu den Geschäften zu fahren. Er habe aber "in der Fahrschule gelernt", dass es heißen müsse "Anliegerverkehr frei", weil: "Man darf dahinfahren, wenn man was zu erledigen hat."
Ja, das sei "ein wenig abschreckend", bestätigt die FWG-Beigeordnete Christine Kausen, zugleich Vorsitzende des Gewerbevereins. Aber so langsam kämen doch wieder mehr Autofahrer in die Stadt. Und damit das mit der Frage, ob es nun "Anlieger" oder "Anliegerverkehr" heißen soll, auch erledigt wird, will Mathilde Weinandy, offenbar diskussionsermattet, Reichertz mit Elke Berens von der Verbandsgemeinde zusammenbringen, um die Angelegenheit zu regeln. "Sonst krieg ich hier nen Nervenzusammenbruch."
Ja, die Großbaustelle - und es hat dort ja gerade erst so richtig angefangen: "Es ist ein Abenteuer", sagt die Stadtbürgermeisterin. "Aber wir machen, was möglich ist."Meinung

Einfach machen
Es mag ja für manchen penetrant wirken, wenn FWG-Mann Erich Reichertz so auf den exakten Begrifflichkeiten bei Verbotsschildern beharrt. Aber die Hahnplatz-Baustelle hat jetzt schon gravierende Auswirkungen. Und sie wird die Stadt und das Gewerbe noch lange schmerzhaft einbremsen. Deshalb ist wirklich alles dafür zu tun, dass die Besucher trotzdem kommen. In diesem Fall könnte also auch ein kleiner Schildertausch schon helfen. Einfach machen. f.linden@volksfreund.deExtra

Foto: (e_pruem )

Die katholische Kirchengemeinde Niederprüm hat einen Zuschussantrag gestellt - für den dritten Abschnitt bei der Innensanierung der Pfarrkirche: Dafür sind 75 000 Euro vorgesehen. Die Stadt soll drei Prozent dieser Kosten beisteuern. Das wären 2250 Euro. Auf Vorschlag von Stadtbürgermeisterin Mathide Weinandy wird die Summe auf 2500 Euro aufgerundet. fpl