Ein Platz für viele Briefe

BITBURG. (cbo) Er ging durch die Medien und sorgte für Diskussionen: der Briefkastenabbau der Deutschen Post. Die Anwohner der Saarstraße in Bitburg können sich dagegen kaum beschweren, denn zumindest vor dem Postgebäude stellt ihnen der Briefmonopolist gleich zwei Briefkästen bereit.

Es ist schon kurios: Da lässt die Post über Nacht in ganz Deutschland massenhaft die Briefkästen verschwinden, nur in der Bitburger Saarstraße, so scheint es, bleibt reichlich Platz für Briefe. Unmittelbar neben dem Zustellstützpunkt der Deutschen Post, hängt ein "EB 2" gleich neben einem "EB 4" - so heißen die gelben Kästen in der Postlersprache.Die Erklärung für dieses eher seltene Phänomen ist gleichsam einfach wie paradox: "Sparzwang" lautet das Zauberwort. Eine nähere Erklärung zu bekommen, gestaltet sich schwierig, denn schon lange, bevor sich erhitzte Gemüter lautstark über das Verschwinden der Briefkästen beschwerten, hatte die Post ihre Informationspolitik gegenüber ihren Kunden rigoros geändert.Eine Telefonnummer der Postfiliale um die Ecke sucht man seither im Telefonbuch vergeblich, und selbst der Briefträger verweist seine Kunden an das zentrale Beschwerde-Callcenter der Post.Ähnliche Erfahrungen macht man beim Besuch des örtlichen Zustellstützpunktes: Allein das Wort "Briefkastenabbau" reicht aus, um für kollektives Schweigen zu sorgen: "Dazu darf ich Ihnen nichts sagen", entgegnet eine Mitarbeiterin schnell. Selbst die Frage, warum denn gleich zwei Briefkästen vor der Tür des Gebäudes stehen, darf nicht ohne Einholung der telefonischen Erlaubnis der Frankfurter Zentrale beantwortet werden.Dabei hatte die Post doch damals kundenorientiert reagiert. Nach den starken Bürgerprotesten baute sie flugs mehrere Hundert der 30 000 bereits entfernten Briefkästen wieder auf.Doppelter Briefkasten bleibt die Ausnahme

Trotzdem bleibt das Thema postintern ein heißes Eisen und der doppelte Briefkasten in der Saarstraße eine Ausnahme: "Das ist ganz einfach eine Kapazitätsfrage", sagt eine Sachbearbeiterin, die namentlich nicht genannt werden will, vom Zustellstützpunkt der Deutschen Post in Bitburg. In der Nähe der großen Firmen falle sehr viel Post an. "Wenn die beiden Kästen hier stehen, kann mehr Post abgeliefert werden - und es muss seltener geleert werden." Die dahinter stehende Sparstrategie: weniger Standorte, konzentrierterer Einzugsbereich.Die gesetzlichen Bestimmungen schreiben aber vor, dass der Weg zum Briefkasten höchstens einen Kilometer lang sein darf. Wer in seiner Nachbarschaft länger suchen muss, geht lieber gleich zum Poststützpunkt in der Saarstraße. In den beiden Kästen dort ist bestimmt noch ein Plätzchen für den einen oder anderen Brief frei.